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Weihnacht? Egal!

Seit Jahren widmet die Band Erdmöbel dem Weihnachtsstress ein „Jahresendzeitlied“ – und bittet beim Weihnachtskonzert zur Polonaise

Bisschen Ironie statt beklemmend ernster Besinnlichkeit zur Jahresendzeit: Erdmöbel Foto: Matthias Sandmann

Von Robert Matthies

Kinderchöre, Schalmeien, Glöckchen und immer, immer, immer und immer wieder (und noch einmal) Whams „Last Christmas“. Wenn sich ringsum, auf den Weihnachtsmärkten und in den digitalen und analogen Konsumtempeln, wieder die „Besinnlichkeit“ in ihrer aggressivsten Form breit macht, dann bekommen nicht wenige es ganz handfest mit der Angst zu tun: An all den hochheilig-ernsten Erwartungen kann man doch nur scheitern! Und tatsächlich: Wer erinnert sich an ein Weihnachtsfest, an dem nicht alles schief läuft?

Alles nicht so ernst nehmen (bis auf die Weihnachtsangst), rät seit 2007 die Band Erdmöbel und schenkt der eingeschüchterten Gemeinde jeweils ein „Jahresendzeitlied“ zur zumindest kurzfristigen Erlösung vom Stress. „Weihnachten ist mir doch egal / Ich bin 3 Karat Kaugummi Automat /Schenk dir ohne Papier mein billiges, billiges Herz“, singt Gitarrist und Sänger Markus Berges etwa im entsprechend nüchtern betitelten Lied „Weihnachten“: So übersetzt man „Last Christmas“ angemessen! (Hören Sie zum Vergleich gern mal die alberne Version von Matthias Reim.)

Über die Jahre haben die Kölner (von denen nicht wenige wiederum genervt sind unter anderem wegen deren Deutschlehrercharme, Beispiel: „Wort ist das falsche Wort“) mit dem Faible für ebenso poetisch wie leichtfüßig Verrätseltes über Schunkelrhythmen ein umfassendes Jahresendzeit-Repertoire angesammelt. „Ding ding dong (Jesus weint schon)“, „Fräulein Frost“, „Der letzte deutsche Schnee“ oder „Lametta“ (im Duo mit der Schauspielerin Maren Eggert) heißen diese Lieder und 2014 erschien dann auch das obligatorische Weihnachtsalbum.

Seitdem ziehen Erdmöbel (wie etliche sehr viel abgehalfterte Weihnachtszeitbands auch) alljahresendzeitlich außerdem durch eine erlesene Auswahl deutscher Konzerthallen, um dem Fest den Schrecken zu nehmen, zum Beispiel, indem das Publikum zur Polonaise aufgefordert wird (was in Stuttgart sogar geklappt haben soll).

„Weihnachten mit Erdmöbel“: Fr, 21. 12., 21 Uhr, Hamburg, Knust