tazđŸŸsachen

Datenschutz from Hell

Am 25. Mai tritt die Datenschutzgrundverordnung, kurz DSGVO, in Kraft. Ihr vollstĂ€ndiger Titel wĂŒrde kaum in diesen Text passen. Sie besteht aus 99 Artikeln. Noch eine 9 dazu und das Ganze umgedreht ergibt die biblische Zahl des Tiers, was beweist, dass es sich um eine Verschwörung diabolischer AbmahnanwĂ€lte handelt, gegen die auch mal eine Verordnung erlassen werden sollte.

Die EDV-Administratoren mĂŒssen ab jetzt jeden Datenspeicher genau analysieren und dokumentieren, bis hin zu den Schutzklassen der Serverraum-TĂŒren. Auch in allen anderen Abteilungen wird die DSGVO emsig umgesetzt. Die taz tut sich naturgegeben schwer mit der Zentralisierung von Daten. Deshalb hĂŒtet sie jede Abteilung wie den heiligen Gral: Leser-Daten, Abo-Daten, Kommune-Daten. Webseiten und Formulare mĂŒssen nun geĂ€ndert, EinverstĂ€ndniserklĂ€rungen eingeholt werden.

Jochen Ronig, dem obersten Datenschutzbeauftragten der taz, gefĂ€llt die Idee hinter der neuen Verordnung. Ronig kĂŒmmert sich zusammen mit Franz Wolffersdorff, dem Justiziar der taz, um die Umsetzung der DSGVO. Dazu sagt er: „Vieles ist unklar. Richtig los geht es, wenn die ersten Urteile fallen.“

Ein gespaltenes VerhĂ€ltnis zur Sache hat Berit Lusebrink von der Genossenschaft: „Privat freue ich mich, wenn mein Postfach leerer wird. Was die Kommunikation der Genossenschaft angeht, haben wir Angst. E-Mails sind unser wichtigstes Medium fĂŒr die Leserbindung. Wir rechnen damit, dass wir 80 Prozent der Adressen verlieren, wenn wir jeden Leser um Erlaubnis bitten mĂŒssen, ihn anschreiben zu dĂŒrfen. (ulf)