Thomas Mauch
hört auf den Sound der Stadt

Plattensammler kennen das Problem: Wie sortiert man seine Schätze? Da kann man die Platten nach Farbe geordnet in den Schrank sortieren. Man mag sie nach musikalischen Familien zusammen stellen. Oder man hält sich schlicht an das Abc als Ordnungsmacht.

Wobei jetzt das C, wenn es nicht gerade das hohe ist, auch keine große musikalische Aussagekraft hat.

Egal. Ordnung soll ja sein, und diese Woche darf hier das C regieren. C wie Kyle Craft, ein Singer-Songwriter, der tatsächlich der gute Grund ist, sich mit ihm im Ohr mal wieder an Bands und Musiker wie Mott the Hoople, Steve Harley und den David Bowie der Frühsiebziger zu erinnern. Die Pracht des Glamrock. Bei Kyle Craft hört man sie mit der ganzen aufgekratzten Euphorie, aber halt als Neuerfindung. Weil der Mann aus Portland, Oregon, eben erst 1989 auf die Welt kam. Außerdem gönnt er sich noch einen dezenten Southern-Rock-Einfluss, zu den Plateauschuhen des Glam kommt also noch mindestens ein Cowboystiefel, am Sonntag im Quasimodo (Kantstr. 12a, 22.30 Uhr, 12 €).

Ein anderes C, aber auch am Sonntag: Cavern of Anti-Matter, die in Berlin ansässige Band mit den Ex-Stereolab-Musikern Tim Gane und Joe Dilworth und dem Soundbastler Holger Zapf. Auch auf ihrem gerade vorgelegten dritten Album „Hormone Lemonade“ geht es im Herzschlag von Rhythmusmaschinen die Autobahn lang. Ein Kraftwerk der Konzentration, sublimierter Pop, wirklich schick gemacht. Ein Stück heißt „Motion Flow“ als Gruß an Can und deren „Flow Motion“, dass man stets an den motorischen Krautrock von Cluster und Neu! denkt, ist genau so gewollt. Oder gleich an Stereolab. Nur dass bei Cavern of Anti-Matter, sie spielen in der Volksbühne, halt der Gesang von Lætitia Sadier fehlt (Rosa-Luxemburg-Platz, 20 Uhr, 20 €).

Mehr C am Mittwoch: Im Schokoladen hat man mit Cinema Cinema ein Gitarren-Schlagzeug-Duo aus Brooklyn, das sich kunstvoll gegen die Wand zu schmeißen versteht. Sag Noiserock, nenn es Art Punk. Prügelt jedenfalls prächtig (Ackerstr. 169, 20 Uhr).

Und Eric Chenaux hat die Experimentatorengitarrenklasse von einem Fred Frith und dazu ein Herz für popaffine Lieder wie ein Robert ­Wyatt. Beim Kiezsalon in der Musikbrauerei ist er zu hören, wo dazu noch, um endlich mit dem C zu brechen, Namgar aus Sibirien einen mongolisch orientierten Folkrock spielen. Wer sich im Pferdekopfgeigen-Genre als Ordnungssystem ein wenig auskennt, darf die Band etwas näher zu Yat-Kha und Hanggai als zu Huun-Huur-Tu sortieren (Greifswalder Str. 23a, 21 Uhr, 10 €).