Die Maschinen wissen Bescheid

HUMOR Marc-Uwe Kling kommt mit „QualityLand“ auf große Comedytour

Die Omnipräsenz der „Känguru-Trilogie“ des Comedian Marc-Uwe Kling hat dazu geführt, dass sein Werk selbst als Hörbuch noch die Charts anführt, wahrscheinlich nicht nur beim Grossisten Dussmann. Das hat natürlich Erwartungen und Fallhöhe des Stuttgarter Kleinkünstlers und Poetry Slammers verändert. Auch deshalb kommt einem die Zeit, die seit dem letzten großen Marc-Uwe-Ding vergangen ist, länger vor.

Jetzt erscheint sein neues Buch. „QualityLand“ heißt es, „eine lustige Dystopie“, wie der Autor selbst sagt. Es kommt ganz ohne Känguru aus, dafür mit zahlreichen Anspielungen für Kenner der Trilogie daher. Leser begleiten den Maschinenverschrotter Peter durch seinen Alltag in einer Welt, die den algorithmischen Machtwahnsinn von Online- und Digitalgranden ins Absurdeste weiterspinnt. Vollständige Informationskenntnis über jedes Individuum schließt jeden Zufall aus. Maschinen wissen, was man will, bevor man es selber weiß. Lustige Stellen sind rar gesät. Radikalität und Offensichtlichkeit weichen hier und da Bedrücktheit, auf Kosten so manchen Witzes. Schnell stellt man sich die Frage: Soll das überhaupt komisch sein? Oder nur der unkomische Spiegel möglichst komisch vorgehalten werden?

Viele Szenarien sind gar nicht so futuristisch, dystopisch wohl, nur selten aber am Greifbaren vorbei. Über viele Schrecken des technisierten Alltags gibt es Geschriebenes. Derart gebündelt gab es das aber noch nicht zu lesen. Kling hat das Hier und Jetzt auf seine unangenehmste Art und Weise weitergedacht.

Manche Szenarien erinnern an die britische Science-Fiction-Anthologie „Black Mirror“, ergänzt um einen humoristischen Anspruch. Und natürlich geschrieben in dem zumindest Fans bekannten, stets etwas verschwurbelten, aber gut lesbaren Duktus kurzer Sätze.

Damit das Bissige nicht zu kurz kommt und um auch in dieser Realität der im Buch allgegenwärtigen, maximalen Personalisierung gerecht zu werden, hat sich der Autor einen nicht zuletzt auch marketingtauglichen Clou erdacht: „QualityLand“ ist in unterschiedlichen Fassungen erhältlich, eine hell- und eine dunkeleingebundene. Zwischen den Kapiteln finden sich Werbung, Empfehlungen, Nachrichten, die sich in den beiden verschiedenen Versionen unterscheiden, auf die verschiedenen Leserkreise zugeschnitten sozusagen.

Die Kapitel an sich sind identisch: Für Interessierte gibt es das Gimmick des jeweils anderen Buches auch online. Was bleibt von „QualityLand“? Man lacht schon mal, wenn auch weniger oft als gedacht. Manchmal quält man sich ob der schwer einzuordnenden Spannung. Die Lektüre führt mitunter auch zur Verzweiflung. Könnt man dem Stoff nicht irgendwie entgegenwirken? Vielleicht charakterisiert diese Qual ja die Atmosphäre von „QualityLand“. Wie sagte schon Sartre: Der Fortschritt der Menschheit ist das Werk der Unzufriedenen. Auch wenn Marc-Uwe Kling dieses Zitat wohl eher Roland Koch zugeordnet hätte.