der krimi-tipp

Mord im frühen Mittelalter

Betrachtet man das heutige Abtreibungsrecht in Irland, so fällt es schwer, sich vorzustellen, dass irische Frauen in früherer Zeit sehr viel umfangreichere Rechte besaßen als ihre Geschlechtsgenossinnen anderer Länder. Sie durften nach dem Gesetz der Fénechas, das seinen Ursprung im 7. vorchristlichen Jahrhundert hat, im frühen Mittelalter jede Position im Land besetzen. Frauen konnten Ärztinnen, Richterinnen oder Feldherinnen werden. Selbst die politische Führung stand ihnen offen, denn das Königsamt wurde durch Wahl vergeben.

Das Gesetz schützte Frauen auch vor Diskriminierung und sexueller Belästigung. Eine Scheidung vom ungeliebten Ehegatten erfolgte gleichberechtigt unter Zahlung eines Vermögensausgleiches.

An diese historischen Fakten knüpft der englische Autor Peter Tremayne in seinen fesselnden Kriminalromanen an, die sämtlich im 7. Jahrhundert in Irland spielen. Protagonistin ist die keltische Nonne Fidelma. Sie ist intelligent, jung, rothaarig und stammt als Schwester des gewählten Königs von Muman (der heutigen Provinz Munster) aus dem Adel.

Gleichzeitig ist sie Anwältin (dáleigh), damals eines der höchsten und angesehensten Rechtsämter im Staat.

In dieser Funktion übernimmt sie im Roman „Tod in der Königsburg“ die Aufklärung eines Attentates, dessen Opfer ihr königlicher Bruder und der Anführer eines aufrührerischen Stammes werden. Die politischen Spannungen verschärfen sich weiter durch den Diebstahl wichtiger Reliquien und die Schändung des nationalen Heiligtums, einer über tausendjährigen Eibe.

Fidelma wird bei ihren Ermittlungen von dem angelsächsischen Mönch Eadulf begleitet. Dieser ist ein Missionar des römischen Zweiges der Kirche, die in jener Zeit mit dem keltischen Ableger um die Vormachtstellung in Irland ringt.

Die geschliffenen Dispute der beiden Protagonisten in Glaubens- und Lebensfragen erhalten zusätzliches Feuer durch den Umstand, dass Eadulf ebenfalls jung, gut aussehend und von Adel ist. Schließlich ist es keltischen Nonnen und Mönchen durchaus erlaubt, in eheähnlichen Gemeinschaften zusammenzuleben.

Während der Leser mit Fidelma und Eadulf im Sumpf politischer Intrigen steckt und die Härten und Freuden des mittelalterlichen Alltags erlebt, wird ihm auf unterhaltsame und spannende Weise ein anschauliches Bild des keltischen Irlands vermittelt.

Hinter dem Pseudonym Peter Tremayne verbirgt sich der 1943 im englischen Cornwall geborene Historiker und Spezialist für keltische Kultur Peter Berresford Ellis. Zu Beginn seiner Laufbahn hatte Ellis als Romanschriftsteller vor allem Dracula- und Frankensteinromane verfasst.

Später nutzte er dann sein Fachwissen für das Schreiben historischer Kriminalromane. In diesem Jahr ist im Berliner Aufbau-Verlag der vierte Roman über die Fälle der Schwester Fidelma erschienen.

MICHAEL MÜLLER

Der aktuelle Roman von Peter Tremayne „Tod in der Königsburg“ kostet 8,95 Euro und ist im Berliner Aufbau Taschenbuch Verlag (ATV) erschienen. Außerdem sind vom gleichen Autor die Romane „Die Tote im Klosterbrunnen“, „Tod im Skriptorium“ und „Der Tote am Steinkreuz“ beim ATV erhältlich.