• 10.09.2010

Aktionsform Massenblockade

Der neue Ungehorsam

Heiligendamm, Dresden, Stuttgart – immer mehr Bürger wagen es, sich an Blockaden zu beteiligen. Auch die Anti-Akw-Bewegung wird profitieren. Wie kommt das?von Konrad Litschko

  • 15.09.2010 04:24 Uhr

    von thomas:

    "Viele Bürgerliche haben gemerkt, dass traditionelle Proteste verpuffen."

    'Die' merken aber auch alles(-:.Wenn auch, wie meist,
    ziemlich spät.
    Proteste sind nicht gleichzusetzen mit roher Gewalt.
    Nur wie sollen Proteste Wirkung entfalten, wenn dadurch
    kein Druck entsteht.
    Ohne das weiter auszuführen; wem das nicht ganz klar sein sollte, warum das so ist, sollte darüber nachdenken, wieso die Arbeit unserer herzallerliebsten, auch gegen Demonstranten eingesetzten, Ordnungshüter meist so effektiv ausfällt.
    Eben: durch Druck.
    Der Unterschied liegt in der Methodik.

    Stimmt die Methodik, meldet sich auch Hüter Rainer
    Wendt wieder zu Wort (-:

  • 13.09.2010 14:01 Uhr

    von Juergen:

    Wer lernte von wem?
    Im Artikel entsteht der Eindruck, als würde die Anti-Atom-Bewegung aus den Erfahrungen von der gewaltfreien Blockade des G8-Gipfels in Heiligendamm lernen. Es war aber umgekehrt: 2007 hat die Kampagne X-tausendmal quer ihre Erfahrungen mit großen gewaltfreien Blockaden der Castortransporte im Wendland in Heiligendamm eingebracht, incl. der basisdemokratischen Struktur und der sogenannten "Fünf-Finger-Taktik", mit der man Polizeiketten durchfließen kann. Mit der Schotter-Kampagne kommt dies Erfahrung nur wieder aus der Stadt aufs (wend-)Land zurück. X-tausenmal quer bereitet parallel wieder ien große gewaltfreie Sitzblockade in der Nähe des Zwischenlagers in Gorleben.
    http://x-tausendmalquer.de

  • 12.09.2010 08:02 Uhr

    von whoknow:

    DIe Schulreform hat Herr Scheuerl (kik Rechtsanwalt) mit Teilen der Hamburger CDU und der Unterstützung der Hamburger Springerpresse "verhindert". Die Hamburger GAL war nicht mal in der Lage, eine Kampagne für ihren Reformentwurf einigermaßen öffentlichkeitswirksam in Gang zu setzen. Ähnlich korrupt macht die Hamburger GAL jetzt mit dem reaktionären CDULer Ahlhaus weiter.

  • 11.09.2010 13:50 Uhr

    von wahrheitsdetektor:

    hey mr. lügendetektor. hier geht es um teile einer bewegung die die welt besser machen will, die schulreformgegner in hamburg gehören ja bekanntlich nicht dazu.
    klar war die großdemo 2007 in heiligendamm scheiße, aber toll ist das hier nochmal darauf hingewiesen wurde, was danach passiert ist. aber das war ja nicht gewalttätig, also hat auch niemand was davon mitbekommen.

  • 10.09.2010 15:47 Uhr

    von Manuela Klein:

    Ja, das kann ein Erfolg werden. Wenn wirklich hunderte oder gar tausende Menschen nicht nur irgendwo sitzen (was ja schon gut ist), sondern sogar ein oder zwei Steine (oder mehr?) unter den Gleisen wegnehmen, dann fährt da erstmal kein Castor mehr.

    Das mag u.U. nicht erlaubt sein, aber angesichts von Asse und Gorleben ist diese Form des Widerstands ein mildes Mittel. Vielleicht nicht legal, aber legitim!

    Und die Organisatoren von Heiligendamm und Dresden sind wieder mit dabei, das heißt, man kann damit rechnen, daß es nicht nur eine Idee ist - sondern Realität wird.

    Gut so :-)

  • 10.09.2010 15:28 Uhr

    von Felix R.:

    Warum bloß kommt diese Form des Protestes in diversen Ländern außerhalb Deutschlands garnicht vor? In Frankreich ist den meißten erfahrenen Protestlern das "Konzept Sitzblockade" völlig unbekannt.

    Aber so ist das halt in Deutschland, um einen Bahnsteig zu stürmen kaufe man sich die Bahnsteigkarte.

  • 10.09.2010 15:23 Uhr

    von Lupus:

    also, ich muss sagen, ich find'schwarz-gelb eigentlich voll super. Die Leute politisieren sich wieder, werden politisch aktiv, man fährt wieder nach Gorleben, erlebt tagelange Abenteuer für die gute Sache, trifft nette Menschen...sowas hätte man doch mit rot-grün-rot niemals gehabt! Das ist doch echt mal'n janz andret feeling als immer nur frustriert vor'm Fernseher zu hocken. Außerdem macht es Spaß mitanzusehen, wie Merkel und dieser Westerwelle sich total blamieren, wenn sie mal wieder versuchen ihre peinliche Politik schön zu reden und dabei in ihrer Not in Superlative flüchten.

    Also dann, man sieht sich dann am 18.9. in Berlin - und Gorleben ist im November? Gut, ist vorgemerkt. Das wird ein Fest...

  • 10.09.2010 15:07 Uhr

    von Gefährliche Entwicklung:

    Es wird unter 85 000 000 Menschen immer genug geben um Blockaden zu organisieren. Bisher kommen sie seit dem Ende der 60er von links. Was eigentlich los wäre wenn die Gegenseite das Gleiche organiseren würde kann man sich vorstellen. Blockaden ersetzen keine Demokratie. Wir brauchen nicht mehr Blockaden sondern mehr Demokratie. Sonst blockiert irgendwann eine rechte Bewegung mit gleichen Mitteln inklusive einer randalierenden Minderheit den Parteitag von Linke oder Grünen. Ob man sich dann bei der taz über die neue Blockade-Bereitschaft aller Bevölkerungsgruppen freut wage ich zu bezweifeln. Ein bundesweiter Volksentscheid würde mehr bringen als alle Blockaden. Neuerdings fürchtet man aber das Volk links mehr als rechts. Da gibt es zu viel was man durch Koalitionsgeschacher oder Medienbeteiligung zu Allgemeingut erklärte von dem man aber weiß, daß es das wohl nicht ist. Lieber greift man zu Blockaden oder Trillerpfeifen statt zu Argumenten und Abstimmungen. Man hat ja eine weit organisierte Demonstrationsinfrastruktur und bietet auch unpolitischen Leuten Happenigs mit Gitarre, Lagerfeuer, Gruppengemeinschaft und Wasserwerfer. Das ist bedenklich, denn die gegnseite formt sich gerade und das wird ohne demokratische Mittel gaz klar zum Sieg des physisch stärkeren führen. Daraus entstehen Diktaturen, Unfreiheit, Unterdrückung und Krieg.

  • 10.09.2010 15:04 Uhr

    von max:

    wenn sich die tendenz wie beschrieben fortsetzt, dann ist das zu begrüßen. man sollte sich aber auch nicht aus den falschen gründen auf die schulter klopfen. in dresden war es gerade die mischung zwischen gewaltfreien blockaden unter bürgerlicher beteiligung und vielen auch gewaltbereiten antifas, die den ganzen tag in dresden unterwegs waren. gerade die mischung machte es für die polizei zu einem unkalkulierbaren risiko, die blockaden mit gewalt zu räumen. das soll kein gutheißen vongewaltbereitsschaft sein, sondern darauf hinweisen, dass man sich und die macht des gewaltfreien zivilen ungehorsams auch nicht überschätzen sollte.

  • 10.09.2010 15:01 Uhr

    von anke:

    Ungehorsam? Ist es wirklich Ungehorsam, wenn eine Bürgerinitiative zum Protest aufruft und Tausende dem Aufruf folgen?

    Gehorsam kommt von hören, weiß das Lexikon. Laut Wikipedia handelt es sich dabei um „das Befolgen von Ge- oder Verboten durch entsprechende Handlungen oder Unterlassungen. Gehorsam bedeutet die Unterordnung unter den Willen einer Autorität, das Befolgen eines Befehls, die Erfüllung einer Forderung oder das Unterlassen von etwas Verbotenem.“ Und nun frage ich noch einmal: Was soll das sein, der „neue Ungehorsam?“

    Wer gegen Neonazis die Straße blockiert oder Kastoren mit Strahlenmüll stoppt, der ist keineswegs ungehorsam. Er gehorcht (wenn schon nicht der Aufforderung eines Bundestags-Vizepräsidenten, eines Schauspielers, eines Liedermachers, eines im früheren Leben Pfarrer gewesenen Oberbürgermeisters oder der eher suggestiven Kraft einer Masse, so doch wenigstens und im besten Falle) dem eigenen Gewissen. Das Gewissen nämlich ist eine echte Macht in einem Staat, in dem die Regierung einen nicht willkürlich verschwinden oder foltern lassen darf.

    Ziviler Ungehorsam mag ja aktiver Verfassungsschutz sein. Echter Ungehorsam ist er aber nicht. Und das ist auch gut so. Schließlich erwartet die Zivilgesellschaft von der Politik ja auch nicht, dass sie die Ohren zuklappt und tut, was sie nicht tun sollte. Die Zivilgesellschaft erwartet mehr. Sie will nicht nur gehört werden, sie will, dass man ihr gehorcht. Genau das wünscht sich im Übrigen auch Jenas OB. Er täte also gut daran, sein Vokabular zu überprüfen. Missstände beseitigt man schließlich nicht dadurch, dass man die Autoritäten austauscht und die Macht einfach jemand anderem übergibt.

  • 10.09.2010 14:09 Uhr

    von Fred wichtig:

    Es gibt einen Unterschied zwischen intelligentem Protest und Unterhaltungsprotest. Wer Fragen hat wende sich an mich.

  • 10.09.2010 13:42 Uhr

    von Lügendetektor:

    Die genannten Beispiele waren kein bürgerlicher Protest,sondern die übliche undemokratische und militante Randale von Linksradikalen.

    In Heiligendamm kam es zu Gewaltexzessen gegen die Polizei. Wer da von einem friedlichen Aktionskonsens schwadroniert, betreibt Geschichtsfälschung.

    Demokratisch und mit rechtsstaatlichen Mitteln haben dagegen die Hamburger die sogenannte Schulreform der Bürgerschaftsquerfront verhindert.

    Es ist kein Zufall, das ausgerechnet der hier nicht erwähnt wird.

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