Afghanistan-Protokolle von Wikileaks
Die neue Weltmedienmacht
Für eine der größten Enthüllungen seit Jahren arbeitete die Internetseite "Wikileaks" mit drei klassischen Medien zusammen. Diese jubeln. Denn: Sie fühlen sich gebraucht.von T. Ahmia & W. Schmidt
Leserkommentare
02.08.2010 18:46 Uhr
von tussydelite:
Wikileaks wäre cool, wenn auch die Taliban mal was posten würden. Aber die dürfen und wollen das als religiöse Fanatiker sicher gar nicht. Braucht man jetzt Julian Assange, um festzustellen, dass Krieg Scheisse ist? Und wieso betitelt ihr diese Leute als "Weltmedienmacht"? Das ist doch eigentlich euer Job, solche Infos zu bekommen.
30.07.2010 23:40 Uhr
von Martinez:
Wenn nichts mehr hilft, versucht man es mit einem persönlichen Angriff unter der Gürtellinie. War bei Lafontaine auch so. Wikileaks und Assange sollten den nächsten Friedensnobelpreis bekommen nach dem Motto, vielleicht zur Abwechslung ausgewiesene Kriegsgegner statt Kriegstreiber auszeichen, liebe Jury!
27.07.2010 08:37 Uhr
von Guido Strack:
Wikileaks ist gut, aber funktioniert auf der Basis dass Whistleblower in die Anonymität gedrängt werden. Änderungen von Missständen - also dass worauf es dem Whistleblower letztlich ankommt - sind möglich wenn genug öffentlicher Druck entsteht.
Dieser Mechanismus kann funktionieren (wir wissen derzeit noch nicht ob und wann er in den Fällen Collateral Murder und bei den Afghanistan War Logs greifen wird), ist in vielen Fällen von Whistleblowing aber völlig unbrauchbar, z.B. weil der Whistleblower sich schon geoutet hat oder weil der Fall zwar wichtig, aber nicht medialisierbar ist.
Gleichzeitig stellt sich auch die Frage, ob das Abdrängen von jenen die auf Missstände hinweisen (bei uns gerne auch als Nestbeschmutzer beschmipft) in die Anonymität für eine Demokratie wirklich der vorzugswürdige Weg ist?
Aus meiner Sicht sollte der Wikileaks-Coup zum Anlass genommen werden, auch hierüber eine Diskussion in Gang zu setzen und zu fragen: Welche Geheimnisse sind schützenswert, auch illegale und illegitime? Welches "right to know" hat die Öffentlichkeit? Brauchen wir mehr Rechte und besseren Schutz für Whistleblower?
27.07.2010 01:10 Uhr
von Michael: Nachtrag:
Ich versuche, zu erklären: Es sollten die Instrumente, die wir haben, ausreichen, Transparenz zu schaffen. Ich sehe auch, dass das meistens nicht funktioniert, Politik ist Lüge, sehr oft, ist Fassade. Aber den Krieg gegen unfaire betrügerische Politik mit "Ich-weiß-da-was"- Kampagnen zu erwidern, ist noch mehr Aggression. Die Folge könnte sein, dass sich Länder wie die USA noch mehr Instrumente einfallen lassen, um Gefährdungen, die sie für den Bestand ihres Landes befürchten, abzuwehren. Datenbanken für Aus- und Einreisende, die an Flughäfen gefüttert werden und Bewohner arabischer Staaten, die nach Verletzung eines temporären Visums nie mehr in die meisten westlichen Länder ausreisen dürfen, wohingegen umgekehrt für den Bewohner eines westlichen Landes die Zahlung einer Geldsumme bei Verletzung der Visavorschriften ausreicht, ohne weitere Folgen, sind ein Teil des Bildes, das aus Mißtrauen entsteht. Ich will damit sagen, dass Transparenz wichtig ist, dass ich die Offenlegung von widerlichen Zuständen richtig finde, aber der Geschmack des Schnüffelns gefällt mir nicht. Man kann andererseits auch von niemandem verlangen, uneingeschränkt loyal zu sein, seinem Arbeitgeber gegenüber, seiner Regierung, wenn es die Zustände nicht rechtfertigen. Dann muss Klärung erfolgen. Steht darauf die Todesstrafe, ist wikileaks vielleicht eine Lösung, wenn sich eine Katastrophe abwenden läßt und abgewendet werden muß. Grundsätzlich frage ich mich, ob jedes Verschweigen von Übel nicht letztlich doch an die Oberfläche gerät und früher oder später einen Lerneffekt ermöglicht (lieber früher), wohingegen der ständige Kampf gegen das, was Politik sein soll aber nicht ist, aus einem Politiker einen noch überzeugenden Schauspieler macht. Das ist meine Angst. Die Gesichter in der Poltik werden immer unheimlicher.
26.07.2010 19:16 Uhr
von nwt:
Nick Davies schreibt in der Guardian zu den Vorwürfen gegenüber Assange:
"Since the release of the Apache helicopter video, there has been some evidence of low-level attempts to smear Wikileaks. Online stories accuse Assange of spending Wikileaks money on expensive hotels (at a follow-up meeting in Stockholm, he slept on an office floor); of selling data to mainstream media (the subject of money was never mentioned); or charging for media interviews (also never mentioned).
Earlier this year, Wikileaks published a US military document which disclosed a plan to 'destroy the centre of gravity' of Wikileaks by attacking its trustworthiness."
26.07.2010 18:07 Uhr
von Claus Carstensen:
Geht es nur mir so, oder kommt ihr auch nicht mehr auf die verschiedenen Wikileaks-Domains?
Da war wohl eine Agency mal wieder schneller...
26.07.2010 16:22 Uhr
von Klingelhella:
@davidly: Hä? Ohne Erklärung sind deine Behauptung, wem das nützt, oder Andeutung, woher das Leak kommen könne, ziemlich wertlos.
Zudem geht es in erster Linie um Transparenz. Wenn man über den Afghanistankrieg reden möchte, hat man nun echte Daten und braucht das altbekeannte Gewäsch nicht mehr ("Brunnenbauen", "Friedenseinsatz", "Menschenrechte" etc etc).
Dass die Kriegsführer i.Ü. versuchen werden, dem Leak den eigenen Spin zu geben, heißt bestimmt nicht, dass das Leak ihnen "nützt":
@Michael: was meinst du eigentlich mit deinem Beitrag? Der war so was von zusammenhanglos...
26.07.2010 16:10 Uhr
von InEx:
Was hat den bitte Transparenz mit Stasi 2.0 zu tun. Es geht ja gerade darum die Entscheidungen aus den Hinterzimmern der Politik herauszuholen und deren Motivation an die Öffentlichkeit zu bringen. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Nur weil jemand in ein Amt gewählt wurde, heißt dies noch lange nicht, dass man nun diese schalten und walten lässt wie es ihnen passt.
Wir wählen Volksvertreter und nicht Despoten auf Zeit.
26.07.2010 14:15 Uhr
von Michael:
Wieder eine coole Internetidee: Schnüffeln für den guten Zweck (wie böse sind Kriege wirklich?). Sollen wir darauf warten, bis mit einer entsprechenden Rechtsgrundlage Mitarbeiter und Beamte überall abgehört werden können, damit nicht jeder Aktendeckel in die Öffentlichkeit geposted wird ? Parteimüdigkeit und geringe Wahlbeteiligung auf Wählerseite kann nicht dazu führen, daß wir in den (sicher interessanten) Mülleimern der Politik wühlen. Ich finde: entweder verlassen wir uns auf (verläßliche !) Arbeit in Industrie und Politik oder wir kämpfen Internetkriege und gucken ma, was bei rumkommt. Wollen wir auf Stasi 2.0 warten ?
26.07.2010 13:52 Uhr
von davidly:
Unabhängig wovon die Afghanistan-Protokolle Leaks herkommen (also, gäbe es einen anderen Absicht dahinter?), dienen sie ironischerweise den Kriegsführer.
Viele Kriegsgegner mögen das bestreiten, ist aber so.
26.07.2010 13:36 Uhr
von Kasmo:
Die Kritik der letzten Monate an Wikileaks entspringt der Taktik der US-Behörden im Kampf gegen unliebsame Berichterstattung im Internet: Diskreditierung und Verleumdung der Kritiker als Mittel, wenn Zensur oder Klageandrohung nicht wirkt. Bei Wikileaks besteht allerdings das Problem, daß ja keine eigenen Inhalte veröffentlicht werden, sondern die anonymer Whistleblower. Insoweit ist allerdings die Befürchtung nicht unberechtigt, daß entsprechende Sicherheitskreise ein Interesse daran haben könnten, das System Wikileaks mundtot zu machen, indem es seinen "Kopf" beseitigt. Andererseits würde ein plötzliches Verschwinden von Julian zu diesem Zeitpunkt eher ein PR-Desaster werden, da klar sein dürfte, wer das größte Interesse an seiner Person im Moment hat.
26.07.2010 12:29 Uhr
von Robert Welk:
Wikileaks halte ich für eine gute Sache, dass sich die USA aber noch länger in die Suppe spucken lässt bezweifle ich.
26.07.2010 11:48 Uhr
von Jadoch:
Das Bild zeigt nicht Julien Assange...
Gruß
Jadoch
Die Redaktion: Danke für den Hinweis.