Ada Lovelace Day

Der weibliche Algorithmus

Sie war die erste Programmierin der Weltgeschichte. Heute soll Ada Lovelace Frauen Mut machen, sich in Technik und Naturwissenschaften zu behaupten.

Pionierin: Ada Lovelace im Jahr 1836. Bild: Margaret Sarah Carpenter

Ada Lovelace lebte ein kurzes Leben, die Tochter des berüchtigten Dichters Lord Byron wurde nur 36 Jahre alt. Doch das reichte für einen Platz in der Geschichte: Obwohl Frauen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts kaum Zugang zum Wissenschaftsbetrieb fanden und ihnen das Betreten von Bibliotheken nicht gestattet war, gilt Lovelace heute als Verfasserin des ersten (Computer-) Programms der Welt. Sie übersetze Schriften von Charles Babbage, der eine dampfbetriebene Rechenmaschine erdacht hatte, und entwickelte einen Algorithmus für dieses Gerät.

Zwar gab das britische Parlament das Budget für die Realisierung der Maschine nicht frei – und womöglich wäre auch die Feinmechanik der damaligen Zeit nicht präzise genug gewesen – dennoch ist Lovelaces Verdienst unstrittig. Die Programmiersprache Ada wurde nach ihr benannt, genau wie die für Errungenschaften in Informatik vergebene „Lovelace-Medal“ und die Ada-Initiative, die sich für die Partizipation von Frauen in Wissenschaft und Technik engagiert.

Lovelace zu Ehren findet außerdem am 15. Oktober der „Ada Lovelace Day“ statt, in diesem Jahr zum fünften Mal. Auf Initiative der Netz-Aktivistin Suw Charman-Anderson entstanden, soll er Aufmerksamkeit auf historische und gegenwärtige Frauen in Naturwissenschaften lenken. Auf dem Blog „Finding Ada“ kann jeder Nutzer Geschichten über Forschung, Frauenschicksale und Laborheldinnen beitragen. Auch alle weiteren Projekte anlässlich des Aktionstags sind hier einzusehen.

Dabei ist nicht Ruhm entscheidend, sondern Identifikationsmöglichkeiten für die junge Generation: Charman-Anderson schreibt im Guardian beispielhaft über Dr. Helen Scales: Deren Vorbild war die Meeresbiologin Dr. Eugenie Clark. Als sie von ihr hörte, entstand der Gedanke, es dem Idol gleich zu tun. Es gäbe keinen Grund, warum sie nicht in Dr. Clarks Fußstapfen treten könne.

Immer noch viel Handlungsbedarf

Was der Namenpatronin Lovelace im 19. Jahrhundert noch verwehrt blieb – nämlich Zugang zu Informationen, universitärer Ausbildung oder gar ernsthaftem Austausch unter Kollegen – das steht Frauen in Europa heute theoretisch offen. Dennoch sieht nicht nur Suw Charman-Anderson Handlungsbedarf: Das Bekanntmachen möglicher Vorbilder und die Anerkennung der von Frauen geleisteten Forschung soll Chancengleichheit begünstigen.

Laut dem Mentorinnennetzwerk für Frauen in Naturwissenschaft und Technik der Goethe-Universität in Frankfurt am Main sind Frauen trotz Interesse, Leistung und Qualifikation im Berufsalltag noch unterrepräsentiert: Die Anzahl der Frauen nimmt entlang der Karriereleiter kontinuierlich ab. Die Gründe sind nicht eindeutig benennbar, deshalb konzentriert sich die Initiative auf konstruktive Unterstützung und Vernetzung statt Ursachensuche.

Ein ähnliches Bild bietet sich in der IT. Die seit 25 Jahren in der der Gesellschaft für Informatik bestehende Fachgruppe Frauen und Informatik in der GI nennt die üblichen verdächtigen Gründe: geschlechtsspezifische Erziehung, schwierige Vereinbarkeit von Familie und Beruf, eine männliche Perspektive in der Entwicklung von IT-Systemen.

Die Initiativen sind nur zwei von vielen, die Hilfe zur Orientierung im Studium und Networking anbieten. Dass unterdessen Frauen auch Männer zum Vorbild haben können und Männer Frauen, muss heute hoffentlich nicht mehr extra betont werden.

.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben