Diese Reise findet bereits seit 2008 statt, seit 2011 um einen Tag verlängert und mit der Möglichkeit, in Begleitung von Nouaji-Nomaden an einer Kameltour in die Wüste mit Übernachtung im Zelt teilzunehmen. Reportagen von der ersten und der dritten Reise finden Sie in der rechten Spalte.
Besuch bei den Teppichweberinnen in Tazenakht Foto: Günter Ermlich
'Synergie Civique' - ein Netzwerk der Zivilgesellschaft in Marokko
Die Entwicklung Marokkos ist ein Sonderfall in der arabisch-islamischen Welt. Mitte der 90er Jahre leitete die Freilassung der politischen Gefangenen und die Aufarbeitung der "bleiernen Zeit" staatlicher Repressionen einen umfassenden Prozess gesellschaftlicher Öffnung ein. Überall in Marokko entstanden Initiativen und Gruppen, die sich für die Verbesserung ihrer Lebensbedingungen sowie für soziale und politische Belange engagieren, insbesondere Frauen- und Menschrechtsgruppen. Sie bewirkten eine breite Demokratisierung der Gesellschaft.
Einer der wichtigsten Erfolge war die rechtliche Gleichstellung von Männern und Frauen, die nach einer breiten Kampagne von Frauengruppen durchgesetzt wurde. 2004 verabschiedete das Parlament die Reform des Familienrechts. Die Bedeutung dieser Änderungen werden Sie beim Besuch eines Frauenzentrums in Marrakesch kennen lernen.
Damit sind die vielfältigen sozialen und ökonomischen Probleme nicht beseitigt. Die neue Pressefreiheit muss immer wieder verteidigt und die neuen Rechte der Frauen müssen im Alltag durchgesetzt werden, aber es entstand ein in der arabischen Welt beispielsloses Spektrum zivilgesellschaftlichen Engagements mit Hunderten von Initiativen, Gruppen und Projekten. Und seit Februar 2011 hat auch in Marokko der „Arabische Frühling“ Fuß gefasst und diese Entwicklung weiter dynamisiert. Auf der Reise werden wir auch Personen treffen, die sich aktiv an der neuen Bewegung beteiligen.
Das Netzwerk "Synergie Civique" hat die Autorin und Frauenrechtlerin Fatima Mernissi bereits Ende der 90er Jahre geknüpft. Es bemüht sich um eine Verbindung zwischen engagierten Gruppen und Personen aus der Region um Rabat und Casablanca, wo zivilgesellschaftliche Aktivitäten stärker und früher entwickelt waren, mit Gruppen und Initiativen in den ländlichen Regionen Südmarokkos. Ein Ausgangspunkt waren dabei Kontakte, die Fatima Mernissi bei früheren Recherchen über die Lebensbedingungen von Teppichweberinnen erhalten hatte.
Seit 1997 fanden 12 überregionale Treffen - sogenannte "caravanes civiques" - von Akteurinnen und Akteuren verschiedener lokaler Projekte und Gruppen in Marrakesch, Zagora und in Casablanca statt . Sie dienten der internen Vernetzung genauso wie der öffentlichen Präsentation der verschiedenen Anliegen der Beteiligten; gemeinsame Projekte wurden entwickelt und neue Gruppen in das Netzwerk integriert - wie der Verein ADEDRA („Association de Developpement de la Vallée du Dra"), der eine nachhaltige und partizipative Entwicklung in den Oasen im Drâa-Tal um Zagora eingeleitet hat, um die Spirale von Unterentwicklung und Auswanderung zu stoppen.
Auf unserer Reise durch die beeindruckende Landschaft des Hohen Atlas und die Flussoasen des Drâa-Tals werden wir Personen aus diesem Netzwerk kennen lernen. Sie werden uns mit Stolz die beeindruckende Schönheit ihrer Region zeigen, von ihren Initiativen und Projekten berichten, Dinge erläutern, die vor allem Fremde fragen, etwa was der Islam für sie bedeutet oder mit welchen Schwierigkeiten Frauen konkret zu kämpfen haben - und uns dabei einen Einblick in das Alltagsleben in Marokko geben, eines islamischen Landes, das in Deutschland nur sehr klischeehaft wahrgenommen wird.
Termine:
29. September - 11. Oktober 2012
Preis:
1.930 Euro (DZ / HP / inkl. Flug)
Flüge von Berlin, Düsseldorf, Frankf./M oder München, weitere Flughäfen auf Anfrage
EZ-Zuschlag: 280 Euro
Zuschlag für eintägige Wüstentour (8. Tag): 50 Euro
Reisegruppe: mindestens 10, max. 15 Personen
Veranstalter:
Franke & Leinker, www.marokkoerleben.de
Tel. 040 - 43 19 07 52, info@marokkoerleben.de
Die Reise kann nur beim Veranstalter gebucht werden.
Reiseberichte:
Günther Ermlich, April 2008:
Die Teppichweberinnen von Tazenakht
Waltraud Dürmeier, April 2009
Bei allen taz-Reisen in arabische Länder ist der demokratische Aufbruch ein Thema. Wir gehen zwar nicht zu Demonstrationen, treffen aber in jedem Land auch Aktivisten - und da wir uns gut auskennen, brauchen Sie auch keine Sorge vor Demonstrationen bzw. Auseinandersetzungen zu haben: da geraten wir garantiert nicht rein.
Einige grundlegende Artikel zum Arabischen Frühling sowie wichtige online-Adressen, in denen fortlaufend über die aktuelle Entwicklung berichtet wird, haben wir für Sie HIER zusammengestellt.
Thomas Hartmann/Gaby Coldewey
Tel: (030) 25902-117
Mobile: 0178- 84 78 905