Reise in die Zivilgesellschaft: Kosovo

Literatur zum Einlesen

Artikel

Die UCK vor Gericht. Aufarbeitung des schmutzigen Kriegs im Kosovo. Reportage von Jean Arnault Dérens in Le Monde diplomatique vom März 2011. Am 25. Januar 2011 entschied der Europarat, den Spuren nachzugehen, die Dick Marty mit seiner Untersuchung über "Menschenrechtsverletzungen und illegalen Organhandel im Kosovo" gelegt hatte. Der Schweizer Abgeordnete Marty berichtet u.a., dass die kriminellen Aktivitäten der "Befreiungsarmee des Kosovo (UCK)" wie Schmuggel, Waffen- und Drogenhandel nach dem Krieg 1999 fortgesetzt wurden. Viele im Krieg verschwundene Menschen wurden in Lagern in Albanien festgehalten und später Opfer illegalen Organhandels ... weiter

Unterwegs mit alten Feinden, Reisereportage von Lenz Jacobsen und Mathias Peer in der taz vom 25./26. September 2010. Mit dem Reisebus von Prishtina im Kosovo ins serbishe Belgrad. Der Bus ist ein Ort, wo Kosovoalbaner und Serben unweigerlich aufeinandertreffen. ...weiter

Zerstören durch Bauen. Wie Prishtina sein Stadtbild verändert. Reportage von Kai Vöckler in Le Monde diplomatique vom April 2010 über den ungehemmten Städtebau in der Hauptstadt des Kosovo.  ...weiter

Nur die halbe Freiheit, taz-Reportage von Erich Rathfelder zum 1. Jahrestag (17. Febr. 2009) der Unabhängigkeit des Kosovo – aus der Sicht der Familie Bakija in West-Kosovo: die Errungenschaften und die Mängel der jungen Republik: "Ein Jahr lang ist das Kosovo nun schon unabhängig. Das wäre doch ein Grund zum Feiern. Der 54-jährige Agran Bakija und sein Cousin Hadiu schauen müde auf. "Wir haben nur die halbe Freiheit", antworten sie wie aus einem Mund. Weil erst 54 Staaten den neuen Status anerkannt haben? Oder weil die Serben immer noch ins Kosovo hineinregieren? "Ach wo, das meinen wir doch gar nicht." Sie drucksen etwas herum und sind froh, als Hadius Frau Shred den Kaffee mit dem süßen Gebäck bringt und die Konversation unterbricht." weiter...

Der morsche Balkan, Reportage im Berliner Tagespiegel von Norbert Rüsche zum 1. Jahrestag (17. Febr. 2009) der Unabhängigkeit des Kosovo – mit Blick auf den „Nation Building“- Prozess, die Ziele der EULEX-Mission und die Übel Korruption plus Mafia; und mit einem Besuch der serbischen Enklave Gracanica im Süden des Kosovo, wo man von einem unabhängigen Kosovo nichts wissen will. Hier ist Serbien, sagen die Bewohner....weiter

Der Kampf der Jasharis – ein Symbol des Widerstandes, Artikel von Erich Rathfelder in der taz vom 16./17.2.2008: Die Geschichte des Kosovo ist auch eine Familiengeschichte - mit viel Mut, Blut und Tränen, und mit vielen Toten. Der Ort Prekaz in der Region Drenica, kaum 30 Kilometer Luftlinie nordwestlich von Prishtina gelegen, ist zum politischen Wallfahrtsort der Albaner des Kosovo geworden. Hier liegt der Bauer und Volksheld Adem Jashari, Mitbegründer der UÇK, der "Befreiungsarmee des Kosovo", begraben. Und mit ihm 45 Mitglieder seiner Familie, alle im März 1998 von Serben getötet. …weiter

Wir kamen, sahen und versagten; Reportage von Maciej Zaremba im SZ-Magazin 34/2007 über Misswirtschaft und Korruption der UN-Verwaltung im Kosovo: "1999 begann im Kosovo ein einzigartiges Experiment: Um das Land vor militanten Serben und Albanern zu retten, besetzten es die Vereinten Nationen. Zum ersten Mal in der Geschichte übernahmen sie eine Regierung, schufen eine neue Verwaltung und trieben Steuern ein. Das Experiment ging schief"...weiter

Die Kosovo-Tragödie - Chronologie des Konfliktes, Artikel von Marc Hoch in der SZ vom 16.2.2008: Mit der erwarteten Unabhängigkeitserklärung des Kosovo soll ein blutiges Kapitel Balkangeschichte geschlossen werden. Sie begann 1389 auf dem Amselfeld – eine Chronologie, hier im Internet

Ein neuer Staat für Europa - Kosovo seit 90 Tagen unabhängig, Artikel von Ulrike Scheffer im Tagesspiegel (Berlin) vom 17.5.08; ...weiter zum ganzen Artikel

hier zwei Auszüge:

„Mit diesem Land stimmt etwas nicht. Das fällt sofort in Auge. Überall im Kosovo werden derzeit Häuser gebaut. Große Häuser aus rotem Backstein mit zwei oder drei Stockwerken und Balkonen. Wie Streusel liegen sie entlang der großen Straßen über das Land verteilt und zeugen vom Optimismus, der die Kosovaren seit der Unabhängigkeit erfüllt. Doch die meisten Häuser stehen völlig isoliert in der Landschaft. Keine Straße führt zu ihnen, keine Schulen, Geschäfte oder gar Betriebe umgeben sie. Tatsächlich ist das Kosovo ein Entwicklungsland, in das seit Jahrzehnten kaum etwas investiert wurde. Weder ins Gesundheits- oder Bildungssystem noch in die Wirtschaft. Der Bauboom wird von den 300 000 bis 400 000 Kosovaren finanziert, die im Ausland leben. Sie sind die Ersten, die ihr Erspartes auf den neuen Staat setzten..........

Mitrovica ist eine geteilte Stadt. Südlich des Flusses Ibar leben Albaner, im Norden Serben. An der einzigen öffentlich zugänglichen Brücke stehen auf serbischer Seite auffallend viele junge Männer herum. Die Bevölkerung nennt sie „Bridge Watcher“, Brückenwächter, die beobachten, wer den Fluss überquert. „Jeder, der Kontakt zum Süden hat, wird unter Druck gesetzt“, sagt eine NGO-Vertreterin, die lieber unerkannt bleiben möchte. Die junge Serbin lebt im Norden und arbeitet im Süden der Stadt. In ihr Büro traut sie sich jedoch seit Wochen nicht. „Und ich bin keine Ausnahme.“ Aus Sicht von Patrick Schmelzer, Regionalkoordinator des Forums Ziviler Friedensdienst (ZFD), der auf dem Balkan lokale Friedensinitiativen unterstützt, ist der Konflikt zwischen den Volksgruppen eine der größten Hypotheken für den neuen Staat. „Die beiden Volksgruppen leben seit langem völlig getrennt, da ist es schwer zueinanderzufinden.“ Der Ausweg: „Wenn es in der Politik hakt, ist es wichtig, mit der Zivilgesellschaft zu arbeiten“, erläutert Schmelzer. Und die ist im Kosovo sehr aktiv. 3000 Nichtregierungsorganisationen (NGO) gibt es inzwischen, darunter viele, die sich für die Versöhnung von Serben und Albanern einsetzen. Mithilfe des ZFD haben sie den Dachverband Pro Peace gegründet.“

 

Bücher

Erich Rathfelder: Kosovo - Geschiche eines Konflikts. edition Suhrkamp, 2010 (18,00 €) www.suhrkamp.de. Erich Rathfelder, seit 1987 immer wieder als Korrespondent vor Ort, hat den Konflikt zwischen Serben und der albanischen Bevölkerungsmehrheit hautnah verfolgt: die Aufhebung des Autonomiestatuts 1989, den gewaltlosen Widerstand der Albaner, den bewaffneten Kampf der UÇK, die Intervention der NATO im Jahr 1999, anschließend die Phase der zivilen Übergangsverwaltung und schließlich im Januar 2008 die einseitige Unabhängigkeitserklärung des Kosovo.

Ein Gespräch mit Erich Rathfelder über sein neues Kosovo-Buch auf www.youtube.com

Oliver Jens Schmidt: Kosovo: Kurze Geschichte einer zentralbalkanischen Landschaft. UTB 2008. 24,90 €

Beqe Cufaj: Der Glanz der Fremde. Zsolnay Verlag 2005. Roman über zwei Kosovo-Albaner, die in Deutschland ihr Glück suchen. Der Autor stammt selbst aus dem Kosovo und ist als Journalist seit 1995 in Deutschland, wo er u.a. für die FAZ und NZZ schreibt.

 

Beqe Cufaj: Kosova. Rückkehr in ein verwüstets Land. Essays. Zsolnay Verlag 2000. Buch ist leider vergriffen und nur noch antiquarisch erhältlich. 

Matthias Rüb: Ursachen und Folgen eines Krieges in Europa. dtv 1999. Buch ist leider vergriffen und nur noch antiquarisch erhältlich. 

Noel Malcolm: Kosovo, A short History. Pan Macmillan (United Kingdom) 1998, Neuauflage 2002. 

Peter Giefer: Kosovo. Kultur und Natur zwischen Amselfeld und Albanien. Reiseführer. Trescher Verlag 2010 13,95 €.

 

Internet

Ein Bericht von Heribert Kohl, einem Teilnehmer der taz-Reise ins Kosovo im Juli 2009.

Das Journalistenbüro „Balkanbiro“ berichtet regelmäßig auch über das Kosovo:, u.a. mit einer speziellen Website, die über die Menschenrechtssituation von Roma im Kosovo informieren: www.roma-kosovoinfo.com, dort u.a. Bericht über die Situation in den Roma-Lagern in Nord-Mitrovica, Dokumentation des Fortschrittsberichts der EU-Kommission zu Kosovo sowie eines Bericht der Rroma Foundation (Schweiz) vom November 2008 zur die Situation der Roma nach der Unabhängigkeit Kosovos: eine zwangsweise Rückführung von Minderheiten berge die Gefahr neuer Konflikte; Roma hätten praktisch keine Möglichkeit, Arbeit zu finden – nicht wegen fehlender Qualifikationen, sondern aufgrund andauernder Diskriminierung.

Das „Forum Ziviler Friedensdienst“ berichtet u. a. über Projekte des ZFD im Kosovo. unter den Hintergrundinformationen befindet sich auch ein Strategiepapier (2007) von Tanja Rother über Ansätze und Potenziale für den ZFD im Kosovo: Remembering the Past to Live the Future - gibt es hier zum Downloaden sowie eine Studie (Nov. 2008) von Lutz Schrader über Zivilgesellschaftliche Identitätsarbeit - als PDF-Datei zum Downloaden.

Die European Stability Initiative (ESI) bietet in ihrem Internet-Portal www.esiweb.org eine Menge Informationen über Politik, Geschichte des Kosovo, sowie Städteberschreibungen und Porträts, die meisten in Deutsch, einige auch in Englisch. ESI hat auch eine preisgekrönte und sehr empfehlenswerte Dokumentarfilm-Reihe „Balkanexpress“ zu 10 verschiedenen Ländern bzw. Städten Südosteuropas von je 52 Min. Länge hergestellt, u.a. zu Istanbul, Kosovo, Bosnien. Informationen zum Gesamtprojekt : www.balkanexpress.org Dazu gehört auch die Doku „Kosovo – Das gekappte Rettungsseil“; mit vielen Basisinfos zum Kosovo, genauer: zu Menschen, Orten und Themen, die im Film zu sehen sind: Informationen hier und der direkte Link zur google-Karte vom Kosovo Dieser Film kann zudem vollständig (52 Min.) aus dem Internet geladen werden: hier.

Bewegung „Selbstbestimmung“: Dokumente in englischer Sprache www.vetevendosje.org

Kosovar Stability Initiative (IKS): www.iksweb.org  Interessente Artikel in der Rubrik “publications”; u.a.: “Thinking Green”: über die Umweltsituation im Kosovo „The White List Project“: über den Wunsch nach Visafreiheit für Reisen in die EU, “Who’s the Boss?”: über die komplexen Machtstrukturen im Kosovo

Gesellschaft für bedrohte Völker - Dokumente zur Lage der verschiedenen ethnischen Minderheiten in Kosovo.

Brennpunkt Kosovo - Ein Dossier der "Wiener Zeitung" zum Thema Kosovo: Die Geschichte des Kosovo-Konflikts von den Anfängen bis zur Unabhängigkeit und einige Videos.

Das Kosovo-Forum bietet aktuelle und historische Informationen zum Kosovo: www.kosovo-forum.de