Auch 19 Jahre nach der Unterzeichnung des Oslo-Abkommens existiert kein palästinensischer Staat. Die Widerstände wurden letzten September anlässlich des PLO-Antrags auf UN-Vollmitgliedschaft deutlich. Die israelische Besatzung besteht seit mehr als 40 Jahren.
Auseinandersetzungen und Gewalt prägen unser Bild von diesem Land. Dahinter verschwindet die alltägliche Lebensrealität der in drei Zonen unterteilten Westbank. Die Zonen definieren den Grad an palästinensischer Autonomie und damit das Ausmaß an Blockaden und Erschwerungen im Alltagsleben – das zudem immer dem Recht der israelischen Militärbesatzung unterworfen ist.
Unser Interesse gilt vor allem Friedensinitiativen und soziokulturellen Projekten der Zivilgesellschaft, die häufig die Selbstbehauptung der Palästinenser im Auge haben und sich stets mit den Problemen der Besatzung auseinandersetzen. So werden wir ein Theaterprojekt in Jenin (das "Freedom Theatre") kennen lernen, palästinensische Friedensaktivisten in ihrem Dorf besuchen und uns in Ramallah, Jerusalem, Hebron und an der Universität Bir Zeit mit Künstlern, Pädagogen, Kulturhistorikern, Journalisten und anderen Experten unterhalten.
Ziel ist es, selbst auf einer nur 10-tägigen Reise die Lebensrealität der Palästinenser aus verschiedenen Blickwinkeln wahrnehmen zu können. Dazu gehört, dass wir in Beit Sahour (bei Bethlehem) zwei Tage bei palästinensischen Familien wohnen und bei der Fahrt ins Jordantal auch eine jüdische Siedlung besuchen und uns dort mit einer Siedlerin treffen.
An die Spannungen im Lande werden wir bei unserer Reise durchs Westjordanland an jedem Checkpoint erinnert - aber wir erleben auch die landschaftlichen Schönheiten dieses Landstrichs – insb. bei einer mehrstündigen Wanderung durch Olivenhaine - und die Einmaligkeit Jerusalems. Dort werden wir uns zwei Tage aufhalten und Zeit für Besichtigungen und Erkundigungen einräumen. Abstecher nach Jericho, eine der ältesten Städte der Welt, und nach Hebron, wo jüdische Siedler einen Teil der Altstadt bewohnen, runden die Fahrt ab.
Auf unserer Rundreise werden wir Menschen und Projekten begegnen, die verschiedene kulturelle bzw. soziale Aktivitäten am Leben erhalten und der Besatzung trotzen, nicht nur in materieller Hinsicht, sondern auch in ihrer Lebenseinstellung.
Ein beeindruckendes Projekt dieser Art lernen wir gleich am Anfang in Ramallah kennen: die Nicht-Regierungsorganisation „Riwaq“ engagiert sich seit über 20 Jahren für den Denkmalschutz und für das palästinensische Kulturerbe. Inzwischen arbeiten Riwaq-Mitarbeiter in 80 Dörfern. Historische Bauten werden renoviert und der Gemeinde je nach Bedarf zur Verfügung gestellt, als Versammlungsraum, als Musikschule oder als Frauenzentrum. Ziel der Organisation ist es, das Kulturerbe Palästinas zu bewahren und es zudem für die sozio-wirtschaftliche Entwicklung zu nutzen.
Da die Reise einen Überblick ermöglichen will, wird sie Einblicke in verschiedene Lebensbereiche vermitteln. Wir lernen städtisches Milieu in Ramallah ebenso kennen wie die Situation der Landarbeiter im Jordantal, in der Zone C, in der Israel die alleinige Kontrolle ausübt. Was das bedeutet, spürt man vor Ort schnell.
Und nicht zu vergessen: auf unserer Route liegen bedeutsame religiöse Stätten, die wir natürlich besichtigen, wie die Grabeskirche in Jerusalem, die Geburtskirche in Bethlehem, die Abrahams Moschee in Hebron oder auch - weniger bedeutsam, aber sehr schön - der Sufi-Schrein Nabi Mussa im Jordantal.
Diese Reise fand zum ersten Mal im Oktober 2008 statt. Reiseberichte finden Sie hier in der rechten Spalte, allerdings wurde das Programm inzwischen in einigen Punkten weiter entwickelt.
Vor Ort wird die Reise von der palästinensischen "Alternative Tourism Group" (ATG) in Beit Sahour organisiert. 2007 war sie Preisträger beim »ToDo! – Wettbewerb für sozial verantwortlichen Tourismus«, der jährlich auf der ITB in Berlin vergeben wird. Das Projekt hat auch ein "Palästina Reisehandbuch" herausgegeben, das im Palmyra Verlag Anfang 2012 auf Deutsch erscheint (www.palmyra-verlag.de).
Zum Programm der Reise
Termine
30. September - 9. Oktober 2012 (nur noch wenige Plätze frei)
Preis:
2.340 € (DZ / HP / inkl. Flug)
EZ-Zuschlag: 320 €
Flug von Frankfurt/M; Anschlussflüge von innerdeutschen Flughäfen kostenfrei möglich, sofern verfügbar
Reisegruppe: mindestens 10, max. 16 Personen
Veranstalter:
Biblische Reisen, Stuttgart
Tel: 0711-619 25-0, info@biblische-reisen.de
Die Reise kann nur beim Veranstalter gebucht werden.
Eine weitere Palästina / Israel - Reise mit dem Schwerpunkt Architektur finden Sie hier
Berichte über diese Reise im Oktober 2008 von Jasna Zajcek im tazblog und in der taz
Bei allen taz-Reisen in arabische Länder ist der demokratische Aufbruch ein Thema. Wir gehen zwar nicht zu Demonstrationen, treffen aber in jedem Land auch Aktivisten - und da wir uns gut auskennen, brauchen Sie auch keine Sorge vor Demonstrationen bzw. Auseinandersetzungen zu haben: da geraten wir garantiert nicht rein.
Einige grundlegende Artikel zum Arabischen Frühling sowie wichtige online-Adressen, in denen fortlaufend über die aktuelle Entwicklung berichtet wird, haben wir für Sie HIER zusammengestellt.
Thomas Hartmann/Gaby Coldewey
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