Reisen in die Zivilgesellschaft: Nicaragua/El-Salvador

  • 26.11.2008

San Salvador – Chalatenango – Managua – Granada – Bluefields – Matagalpa

Nicaragua/El Salvador: Zivilgesellschaft nach der Revolution

30 Jahre nach der Sandinistischen Revolution regiert der ehemalige Revolutionskommandant Daniel Ortega erneut in Nicaragua. In El Salvador hat die ehemalige Guerillafront FMLN den Durchbruch als wichtigste politische Kraft geschafft. Aber was ist wirklich geblieben von den großen sozialen Bewegungen der 1970er und 1980er Jahre in Zentralamerika? Im Rahmen einer Reise zur Zivilgesellschaft gibt es Begegnungen mit Protagonisten von damals und heute aber auch Ausflüge zu den Kulturdenkmälern und Naturschönheiten der beiden Länder, die von den Tourismusströmen noch gemieden werden.

San Salvador Foto:

Nicaragua hat heute, 30 Jahre nach dem „Triumph“ der Revolution, wie der 19. Juli im Sprachgebrauch der Sandinisten genannt wird, nur mehr wenig zu tun mit diesem Land, in dem gegen Ende des Kalten Krieges noch ein soziales Experiment gewagt wurde. Dennoch ist die Erinnerung an die Revolution omnipräsent, nicht nur in den Ansprachen von Präsident Daniel Ortega, dem es gelungen ist, 17 Jahre nach seiner Abwahl wieder als Staatsoberhaupt vereidigt zu werden. Ortega ist auch bei der Linken heute höchst umstritten. Die nicaraguanische Zivilgesellschaft, die das Erbe der Revolution weiterentwickelt hat und deswegen der Partei FSLN kritisch gegenübersteht, klagt über Schikanen und schrumpfende Freiräume.

Die Atlantikküste ist nach wie vor eine eigene Welt. Nach Bluefields an der Karibik gibt es immer noch keine Landverbindung. Und das ist vielleicht gut so. Allerdings ist von der heilen karibischen Welt nicht viel übrig geblieben. Bluefields ist ein Umschlagplatz für Drogen und längst kein karaibisches Paradies mehr. Aber abseits der Stadt, in den Lagunen entlang der Küste, kann man noch sehr ursprüngliche Dörfer finden, wie etwa Pearl Lagoon.

Die Berge rund um Matagalpa waren einst Operationsgebiet der sandinistischen Guerilla und später Experimentierfeld für Genossen-schaften, wo der „neue Mensch“ entstehen sollte. Kaffee war ja die Grundlage für den Reichtum der nicaraguanischen Oligarchie. Durch die Agrarreform kamen viele ehemalige Landarbeiter, Landlose und Kleinbauern in den Genuß fruchtbaren und ertragreichen Landes. Nach der Revolution haben sich die meisten Kooperativen unter dem Druck der neoliberalen Wirtschaftspolitik und den verfallenden Kaffeepreisen wieder aufgelöst. Einige aber haben überlebt.

In El Salvador hat die Revolution nie gesiegt. Die in der FMLN zusammengeschlossenen Guerilla hat aber nach dem Friedens-abkommen von 1992 nach und nach Anteile der politischen Macht erobert: im Parlament, in den Gemeinden, in der Hauptstadt und den größten Provinzstädten. Heute ist sie die wichtigste politische Kraft im Lande und stellt die Regierung.

El Salvador, gerade so groß wie Hessen, ist kein Land, das durch seine Naturschönheiten und sein kulturelles Erbe besticht. Die Wälder sind größtenteils abgeholzt, die Strände können nicht mit denen der Nachbarländer konkurrieren und die präkolumbischen Ausgrabungs-stätten verblassen neben den Ruinenstädten von Guatemala und Mexiko. Dennoch hat das Land einiges zu bieten: eine lebendige Zivilgesellschaft, eine bewegte Geschichte und auch die eine oder andere Attraktion, wie den Vulkan Izalco, der ein beliebtes Ausflugsziel ist.

Die Flüchtlinge, die einst als Sympathisanten der FMLN von der Armee verfolgt wurden, konnten zum Teil schon während des Krieges unter internationaler Aufsicht aus den Lagern in Honduras zurückkehren. In manchen Dörfern hat sich die Struktur dieser sehr eng verwobenen Schicksalsgemeinschaft erhalten. Dort konnten soziale Projekte, Kommunalradios aber auch funktionierende Landwirtschaften aufgebaut werden. Die Salvadoreños und Salvadoreñas gelten als die Preußen Zentralamerikas - enorm fleißig und immer bemüht, nicht zu stagnieren. Sie sind der eigentliche Reichtum dieses kleinen Landes.

Dieser Artikel ...

ist mir was wert!