• 05.12.2008

Kulturelles Erbe in der Islamischen Republik

Viele reden über Iran, oft recht eindimensional. Wir laden Sie ein zu einer Reise, bei der Sie den Alltag im Land kennenlernen und Einblicke in die Dynamik dieser alten Kulturnation erhalten, jenseits von Parolen und Ideologien. Eine Reise in den hier unbekannten Iran. Von der Offenheit und Gastfreundschaft der Menschen werden Sie überrascht sein und beeindruckt von grandiosen Bauwerken, schattigen Paradiesgärten und geschäftigen Basaren.

Isfahan - Freitagsmoschee Foto: Michael Schulte

Teheran ist nur rund fünf Flugstunden vom Frankfurt/M. entfernt und doch will uns dieses Land sehr viel ferner erscheinen. Die Schönheit der Landschaft zwischen Kaspischem Meer und Persischem Golf, zwischen Salzwüsten und hohen Bergen, ist den Europäern ebenso unbekannt wie die grandiose islamische und vorislamische Baukunst, wie wir sie in Persepolis, Yazd oder Isfahan antreffen. Doch neben der Begegnung mit der Kultur des Landes gilt unser Interesse den Menschen. Wir werden uns mit Vertretern aus Kultur, Umweltpolitik, Städteplanung und mit Angehörigen verschiedener Religionsgemeinschaften treffen und aus erster Hand etwas über Land und Leute erfahren. 

Zwar sind einige Medien wie die taz seit langem bemüht, ein differenziertes Bild von Iran zu entwerfen. In der öffentlichen Meinung jedoch herrscht eine eher negative Vorstellung vor. Die aktuelle weltpolitische Lage bzw. die derzeitige iranische Regierung fördern zudem dieses Negativbild. Derartige Schwarz-Weiß-Malereien werden aber den inneriranischen Verhältnissen und den gesellschaftlichen Strukturen bei weitem nicht gerecht.

Demokratisches Gedankengut hat in Iran eine über hundertjährige Tradition. Bereits mit der ersten demokratischen Revolution im Nahen und Mittleren Osten im Jahre 1906 entstanden Grundlagen einer modernen demokratiefreundlichen Gesellschaft in Iran, die in der Folgezeit ausgebaut wurden.

Entsprechend gibt es zivilgesellschaftliche Strukturen bereits seit langem. Allerdings ist die Zahl in diesem Sinne aktiver Gruppen erst nach der islamischen Revolution von 1979 drastisch gestiegen. Da seitdem die iranische Gesellschaft am schiitischen Islam ausgerichtet wird, ist die freie Meinungsäußerung nur insoweit erlaubt ist, wie es die machthabende Geistlichkeit mit Gottes Gebot für vereinbar hält. Das bietet überraschend viel Raum für oft heftige Debatten und Kritik zwischen den verschiedenen religiösen Lagern. Dabei ist die rote Linie nicht immer einfach zu eruieren, und die zahlreichen zivilgesellschaft-lichen Organisationen müssen die Grenzen des Möglichen immer wieder aufs Neue ausloten.

70 % der Menschen sind jünger als dreißig und damit nach der Revolution 1979 geboren (etwa 50 von 72 Mio.). Doch der Staat kann mit seiner Wirtschaftspolitik nicht genügend Arbeit generieren, um allen eine Zukunftsperspektive zu bieten. Die große Mehrheit der Bevölkerung hat Zugang zum Satellitenfernsehen. Die Zahl der Analphabeten ist minimal, aber es gibt etwa zwei Millionen Studenten, davon sind mindestens die Hälfte Frauen. Zwei Fünftel der Bevölkerung nutzen regelmäßig das Internet, die Zahl der Blog-Seiten betrug 2006 zwischen siebzig- und hunderttausend. Farsi hält heute weltweit Rang 4 unter den Weblog-Sprachen. Die Modernisierung ist ein Selbstläufer geworden, die auch durch Repressionen nicht wirklich aufgehalten werden kann. Dies alles sind Zeichen der Hoffnung für die iranische Demokratie.

Ihre Blütezeit erlebte die Zivilgesellschaft unter der achtjährigen Präsidentschaft von Mohammad Chatami. Dies war die erste Ära, in der zivilgesellschaftliche Aktivitäten teilweise gefördert, teilweise aber ungewollt und widerwillig geduldet wurden. Häufig tolerierte das Regime, dass die Lethargie der jungen Bevölkerung in Aktivismus umschlug. Ab 1999/2000 wurden Tausende von Nicht-Regierungs-Organisationen (NGO) in Iran gegründet, die sehr aktiv das Ziel einer demokratischen Transformation der politischen Verhältnisse verfolgten. Die Agilität der iranischen Zivilgesellschaft nahm in dieser Zeit eine Sonderstellung in der gesamten islamischen Welt ein, vielleicht abgesehen von der Türkei und Marokko.

Die NGO’s vernetzten sich stark im In- und Ausland und nahmen an internationalen Symposien teil. Ausländische Institutionen konnten in Iran Konferenzen über menschliches und technisches ‚Know-how’ des modernen ‚Networking’ durchführen. Diese Möglichkeiten sind seit der Parlamentswahl im Sommer 2009 und der anschließenden Protestbewegung sehr eingeschränkt worden. Bei der aktuellen Angst vor einer Grünen Revolution wird die Arbeit vieler NGO’s behindert – leicht erscheinen sie verdächtig, nicht-islamischen Vorstellungen anzuhängen und dabei durch ausländische Freunde unterstützt zu werden.

Auf unserer Reise durch die wunderschöne Landschaft Zentralirans werden wir – neben der Besichtigung der zahlreichen Sehenswürdig-keiten wie im Programm beschrieben – einige Initiativen und Vereine mit ihren Tätigkeitsfeldern kennenlernen, für die ein solcher Kontakt keine Gefährdung ihrer Arbeit bedeutet.

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