Versorgung verbessern

Sozialbarometer Zähne

Weil Zahnersatz hierzulande für manche unbezahlbar ist, kann Zahnersatz aus Billigländern eine Alternative sein. Doch: "Eine sozialverträgliche Lösung muss im Land gesucht werden"

INTERVIEW: EDITH KRESTA

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ist mir was wert!
  • 09.10.2009 12:45 Uhr:

    von dloczik:

    Hallo allerseits, schön, dass ich hier einen Zahnmedizin(-Politik)-kritischen Artikel gefunden habe, so rar wie die sind. >Hinzu kommt, dass man diese Ärzte und Kliniken nur schwierig regresspflichtig machen kann. ++ Das ist hierzulande aber auch schwierig, wenn ein Patient Schmerzen oder Schäden nicht durch ärztlichen Fehler erleidet, sondern durch Risiken, die einer Behandlungsmethode eigen sind. Ein Arzt ist eigentlich verpflichtet, vorab über andere wirksame Methoden aufzuklären, die weniger schmerzhaft oder risikoträchtig sind. Aber in der Kieferorthopädie kommt dies oft zu kurz, und die Leidtragenden sind dabei oft Kinder! Ein wenig invasives Füllmittel für Bracket-Karies ist neulich prämiert worden. So wird Bedarf erschaffen. R. Hartwig prägt in ihrem Buch „Der verkaufte Patient“ den Begriff „Anti-Edison-Erfindungen“ für solche, die keine Probleme mehr lösen, sondern ihren Erfindern fortwährende bezahlte Beschäftigung garantieren. Als modern gilt in der Kieferorthopädie z.B. auch, Schrauben in den Knochen zu drehen, um feste Spangen besser zu verankern. Dabei wird verschwiegen, dass diese invasiven, entzündungsträchtigen Zusatzteile für alle herausnehmbaren Zahnspangen alter oder neuer Bauart (Korrekturschienen) völlig überflüssig wären. Zudem wären diese oft viel kostengünstiger. Schlimm finde ich, wie die Stiftung Warentest in ihrem diesjährigen Ratgeber „Kieferorthopädie“ brachiale Methoden schon an Kleinkindern salonfähig macht. Kürzere Vorgängerversionen, die Teil der Zähne-Ratgeber waren, gingen noch nicht so weit. Beispiel: zu schmaler Oberkiefer, betrifft etwa jedes 6. Kind. Prägt er sich in einem Kreuzbiss aus, dann bezahlen die Krankenkassen eine kieferorthopädische Frühbehandlung. Hammermethoden ziehen jedoch auch dort ein und verdrängen altbewährte, obwohl diese oft körperverträglicher sind und stabilere Ergebnisse liefern. Der Kieferorthopädie-Ratgeber billigt dies auf S. 38 am Beispiel einer 4-Jährigen: ungeachtet ihres zarten Alters installierte ihr eine Kieferorthopädin eine feste Apparatur, die die Mutter täglich selbst nachstellen musste. Dabei hat das kleine Mädchen jedesmal vor Schmerz geschrien, so dass die Mutter eine Zweitmeinung einholte. Aber auch dieser Zahnarzt fand die brachiale Prozedur in Ordnung! Der Warentest-Ratgeber verschweigt hier, dass es sich um eine Gaumennahtsprengung (GNE) handelt. Nach schnellen Anfangserfolgen braucht die GNE noch Monate zum Verheilen, und medizinisch gibt es in diesem Alter noch gar keine Indikation dafür! Stattdessen könnte das Frühbehandlungs-Ziel schmerzlos, kostengünstig und in diesem Alter auch zügig z.B. mit herausnehmbaren Platten erreicht werden, einer früheren Standardmethode. Wurde dies verschwiegen, dann wäre die ärztliche Aufklärung unvollständig. Damit wäre die Zustimmung der Eltern zur Behandlung ungültig, und die schmerzhafte Gaumennahterweiterung wäre auch rechtlich, was sie nach gesundem Menschenverstand ist: Körperverletzung an Kleinkindern! Wie sollen die eine solche Tortur verarbeiten, die hier sowas von unnötig ist? Da werden doch auch psychische Schäden erzeugt! Indessen bemängelte der Ratgeber bloß, dass die Kieferorthopädin nicht mitgeteilt hat, dass die Schmerzen nach spätestens 2 Wochen (!) aufhören würden. Ich füge hinzu: nämlich dann, wenn die Gaumennaht ihrer Länge nach zerrissen ist. Dagegen mutet es wie ein Nebenkriegsschauplatz an, dass sich die festen Bracket-Spangen nun auf Kinder ab 7 Jahren ausbreiten, die seitlich noch Milchzähne haben. Dort auf S. 53 als großes Foto und auf S. 61 im Textkasten propagiert, habe ich es neulich zum ersten Mal am lebenden Objekt gesehen. Werden hiermit die kostengünstigen handwerklichen Arbeitspferde der europäischen Kieferorthopädie nun völlig verdrängt, die für Patienten risikoarm und 50 Jahre lang bewährt waren? Hingegen wurden die häßlichen und ruppigen Außenspangen aus der Gruft geholt und fassen zunehmend Fuß. Oder sie werden als Abschrecker vorgeschützt, um Patienten(eltern) diese Knochenschrauben anzudrehen. Patientenaufklärerische Grüße, Dr. Larissa Dloczik

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