Friedensfahrt

Durch unendliche Landschaften

Weißrussland zeigt andere Seiten als das verengte Bild der osteuropäischen Halbdiktatur VON INGO ARZT

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  • 12.09.2009 14:24 Uhr:

    von Chnurzi:

    2008 habe ich mich den Friedensradlern bike4peace für den Abschnitt Deutschland bis Russland angeschlossen. Die Tour war gezeichnet durch eine chaotische Organisation und man befand sich unangekündigt im Fahrwasser der "alten autoritären Linken...". Auf den bike4peace Seiten habe ich nach der Tour einen Artikel veröffentlich, der inzwischen dort nicht mehr nachzulesen ist. Nachfolgend mein Kommentar zu dem Abschnitt Belarus: In Belarus sollte alles besser werden, weil dort ein Profi die Tour im Land organisierte. In der Tat, unsere „belarussischen Freunde“ behandelten uns wie Staatsgäste. Gleich an der Staatsgrenze gab es einen Empfang mit Reden, Trachten und einer Militärkapelle. Dabei wurde uns Fremden nach alter Tradition Brot und Salz angeboten. Ein schöner Brauch. Ab der Grenze fuhren wir im großen Pulk mit Polizei vorne und Krankenwagen hinten. Zu unserer Sicherheit, wie es hieß. Wir wurden so durch das ganze Land geführt, von Empfang zu Empfang, von Ehrenmal zu Ehrenmal, von Mahlzeit zu Mahlzeit, von Turnhalle (= Schlafplatz) zu Turnhalle, kurz zu allem, was wir sehen und worüber wir berichten sollten. Das Tagesprogramm war vollständig durchorganisiert. Nichts blieb dem Zufall überlassen, es bestand kaum die Möglichkeit, sich irgendwo auszuklinken, weil die Abhängigkeit von der straffen Organisation und der damit verbundenen Versorgung der Gruppe unausweichlich miteinander verknüpft waren. Zwei Ereignisse möchte ich erwähnen, wo das Besichtigungsprogramm nicht hinreichend mit dem Veranstalter abgestimmt worden sein kann, jedenfalls mir und anderen Friedensradler nicht vereinbar mit dem Zweck und den Grundsätzen dieser Reise vereinbar schien. Uns wurde kurz zuvor angekündigt eine Fabrik zu besichtigen, die Schwerstlastfahrzeuge bis zu 300 t Tragkraft herstellt. Die Firma „Belaz“ stellt in der Tat beeindruckend große Fahrzeuge her. Aber was hat das mit der Friedensbewegung zu tun? Einige kritische Teilnehmer fragten zu Recht, ob das Werk nicht auch Panzer herstellt? Technologisch wäre dies vorstellbar. Die Frage blieb offen. Nachträgliche Recherchen im Internet ergaben keine konkreten Hinweise zu dieser Vermutung. Um Irritationen zu vermeiden, sollten solche sensiblen Besichtigungen rechtzeitig den Teilnehmern bekannt gemacht und in einen Zusammenhang mit der Friedensfahrt gebracht werden. Ein anderes Mal, wiederum nur mit kurzer Vorankündigung, wurde ein Globus für ein Gruppenfoto vor einer Kunstdünger Fabrik aufgesucht. Der Globus war ein ausrangierter Gastank, diente aber werbewirksam für die Kunstdüngerfabrik. Man muss sich nun vorstellen wie die Friedensradler naiv vor dem Globus für das Gruppenfoto posieren. Wie kann das noch vereinbar sein mit dem Anspruch, für neue Energien einzutreten, wo jedermann weiß, dass Kunstdüngerfabriken energieintensive Betriebe sind, deren Energiebedarf nicht mit ein paar Windrädern zu decken ist? Außerdem widerspricht er dem Gedanken der „Nachhaltigkeit“. Verpflegung wurde uns reichlich angeboten. Das Wasser aus der Leitung war nicht trinkbar. Trinkwasser gab es nur in Flaschen abgefüllt oder als solches zu kaufen. Seit Betreten von Belarus waren die sanitären Anlagen ein unangenehmes Thema. Im Allgemeinen standen sie nicht in zureichender Anzahl zur Verfügung, waren eklig, oft nicht richtig funktionierend und für uns sehr gewöhnungsbedürftig. Auch kam es vor, dass in einem Ort kein Wasser aus den Hähnen bzw. in das WC kam. Das hätte sicher nicht sein dürfen. Man muss der Organisation hoch anrechnen, flexibel auf dieses Problem reagiert zu haben. Wir wurden kurzerhand in ein altertümliches Badehaus mit Sauna gefahren, das den Charme von Vorvorgestern hatte, aber voll funktionstüchtig war und uns allen ein ganz besonders einprägsames Erlebnis wurde, wovon ich heute noch schwärme. Was anfangs interessant, weil neu war, wurde auf die Dauer des Aufenthaltes in Belarus zur lästigen Pflicht. Das waren die zahllosen offiziellen Empfänge in den Ortschaften, die wir durchfuhren. Das Ritual war immer dasselbe: Eine Empfangsrede des Bürgermeisters an einer Bezirksgrenze mit Werbung für seinen Bezirk als Touristenziel oder vor einer Kulisse eines Denkmales vom ruhmreichen Sieg im großen vaterländischen Krieg über die Faschisten oder Gedenkstätten der Opfer mit noch überlebenden Veteranen, gefolgt vom Austeilen von Brot und Salz durch bildhübsche Trachtenfrauen mit abschließender Dankesrede der Bikeforpeace-Organisation. Aber es gab auch Momente, die mich persönlich berührten. Ich denke insbesondere an den Besuch der Gedenkstädte non Gorodeya in der Nähe von Mir, wo ein Dorf mitsamt seinen jüdischen Einwohnern von den Faschisten verbrannt worden war. Es berührte durch seine Schlichtheit und seine Unauffälligkeit und die unvorstellbare Brutalität der Besatzer. Genauso berührend war der Besuch der Gedenkstädte Chatyn zu Ehren der 2,5 Mio. Belarussen, bzw. deren Dörfer, die von den Faschisten in grausamster Art vernichtet worden sind. Für mich persönlich hat sich die Friedenfahrt dafür alleine schon gelohnt. Dagegen fand ich den offiziellen Umgang der Belarussen mit ihrer jüngsten Vergangenheit äußerst befremdlich. Es war nie Rede von ihren Kollaborateuren, die den Faschisten willig gedient hatten, oder von den Opfern des Stalinismus. Es gab nur Sieg über den Faschismus. Die Geschichte wurde dahingehend umgedeutet, dass die ruhmreiche sowjetische Armee im großen vaterländischen Krieg als Sieger über den Faschismus triumphierte. Die Denkmäler und Gedenkstätten, die wir gesehen haben, geben diese Inszenierung in der offiziellen Version unter Verwendung aufwändiger Materialien wie Stahl, Bronze, Stein und Beton wieder. Eine Aufarbeitung der Geschichte scheint nicht angefangen zu haben.

  • 12.09.2009 13:42 Uhr:

    von rawapaschi:

    2008 habe ich an der Friedensfahrt teilgenommen. Durch Weißrussland hindurch wurden wir von der Polizei als Staatsgäste eskortiert. Alle Autofahrer mussten in einem Tempo von 20 - 22 kmh hinter uns hertrödeln und durften uns nur dann überholen, wenn wir nach 1 bis 1,5 Std. ein Päuschen einlegten. Das hat sicher nicht zur Völkerverständigung und Friendensabsicht beigetragen. Der Staat instrumentalisierte leider die Friedensradfahrer zur autoritären Selbstdarstellung.

  • 12.09.2009 09:13 Uhr:

    von goodfella:

    Die Friedensfahrt sollte in Deutschland stattfinden. Wir hatten mit Kohl einen Verbrecher als Kanzler und unseren Politikern fällt nichts anderes ein, als der Dummpolitik der Amerikaner und deren israelischen Lobbyisten in Washington zu folgen und deutsche junge Menschen mit Waffen in die Welt zu senden. Die jungen Weissrussen haben noch gar nicht verstanden, wie es ist, wenn ein Land wie Amerika Einfluss gewinnt und an der Destabilisierung eines Landes arbeitet. Es ist schon ganz gut, dass jemand aufpasst.

  • 10.09.2009 14:17 Uhr:

    von M.Eskandani:

    Überall in Osteuropa hat Nazi-Deutschland gewütet. Nach 1945 aber sind 60 Jahr, mehr als ein halbes Jahrhundert ins Land gegangen. Für das, was in der Zeit geschafften worden ist, oder eben nicht, tragen die UDSSR und Weissrusland selbst die Verantwortung.Einen Herrn Lukaschenko hat kein Bundesdeutscher gewählt.

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