13 Jahre Panter Preis

Große Emotionen, große Wirkung

Erinnerungen an Preisträger*innen, alltägliches Engagement, Vorbilder und den Einsatz für eine bessere Welt

Die Nominierten aus dem Jahr 2017 Bild: Hein-G. Petschulat

Im Berliner Centrum Judaicum hat 2005 alles angefangen. Dort wurde der Panter Preis zum ersten Mal verliehen. Aufgeregt waren damals nicht nur die, die sich um die Organisation gekümmert hatten, sondern vor allem die zwei Preisträger, die die Jury als Träger auserkoren hatte. Es waren zwei Jugendliche aus Berlin, Sinan und Saithan. Die feierliche Stimmung, der donnernde Applaus und 5.000 Euro Preisgeld überforderten die Jugendlichen sichtlich.

Dass sie Mut haben, mithin preiswürdig waren, haben sie bewiesen, als sie ihre Gesichter für eine Postkartenaktion des Berliner Vereins MaDonna Mädchenkult.Ur e.V. zur Verfügung gestellt haben. „Ehre heißt, für die Freiheit meiner Schwester zu kämpfen“, stand auf den Karten, die der Verein vor allem in dem Viertel verteilt hat, in dem die Deutschkurdin Hatun Sürücü Opfer eines brutalen Ehrenmordes geworden war.

Später gab es noch Ärger mit dem Verein, der gern mehr vom Preisgeld abbekommen hätte als die 1.000 Euro für einen Nachdruck der Karten in türkischer und arabischer Sprache. Und dann waren da noch die Väter der Jungs, die Anspruch auf das Geld für ihre Söhne einforderten. Sie begann fulminant, die Geschichte des taz Panter Preises, und holprig. Ein gefeierter, aber schwieriger Auftakt.

Andreas Rüttenauer moderiert die Panter Preis Verleihung und leitet die taz Zukunftswerkstatt.

Ebenso unvergessen wie die Premiere ist bei allen, die dabei sein durften, auch die Preisverleihung des Jahres 2013. Der Applaus war für die Gewinner jenes Jahres so herzlich, wie er nur sein konnte. Das war Inge Hannemann, die im Jobcenter in Hamburg gearbeitet hat – bis sie von ihrer Arbeit suspendiert wurde, weil sie das Hartz-IV-System öffentlich kritisiert und vor allem die harten Sanktionen für vermeintliche Sozialschmarotzer lauthals angeprangert hatte.

Der Preis der Jury ging an das antirassistische Netzwerk „Welcome2Europe“, dessen Aktivisten mit einem Kleintransporter durch Griechenland fuhren, um Menschen ohne Papiere zu helfen. Ihnen gehörte der Applaus, die Emotionen aber gehörten den Flüchtlingen, die auf dem Oranienplatz in Berlin ein Protestcamp bezogen hatten.

Die Sozialgeschichte der Bundesrepublik

Sie nutzten die Bühne des Deutschen Theaters, wo die Preisverleihung eine neue Heimat gefunden hatte, um ihre Situation mit drastischen Worten zu beschreiben. Der aus Westafrika stammende Bashir Zakariyar griff sich das Mikrofon und sagte, noch ehe eine Frage an ihn gerichtet worden war: „Wenn diese Veranstaltung zu Ende ist, werden alle, die hier im Publikum sitzen, nach Hause gehen. Wir nicht. Wir können nur zurück auf die Straße.“

Ein Satz, der noch lange nachhallte an diesem Abend, genauso wie die Geschichte eines anderen Aktivisten aus dem mittlerweile aufgelösten Camp. Patras Bwansi aus Uganda war vor der Preisverleihung ein Ausweisungsbescheid zugegangen.

„Die Sozialgeschichte der Bundesrepublik lässt sich auch anhand der Preisträger erzählen.“

Wer dabei war bei den Preisverleihungen der vergangenen Jahre und sich an sie erinnert, der wird innerlich noch einmal eine Reise machen durch all die Themen, die das Land und vor allem die Engagierten in diesem Land bewegt haben. Die Sozialgeschichte der Bundesrepublik in den vergangenen gut zehn Jahren lässt sich auch anhand der Preisträger des taz Panter Preises erzählen.

Es gab Nominierte, die sich für Geflüchtete in der vermeintlich so konservativen Provinz einsetzen, die Männergesprächsgruppen für Migranten organisieren, die sich gegen Fracking starkmachen, die gegen die miesen Arbeitsbedingungen für Migrant*innen in der Fleischindustrie angehen oder sich in einem schwierigen Umfeld gegen Rassismus in den Fankurven von Fußballstadien einsetzen.

Der Panter Preis wirkt!

Letztes Jahr die Flüchtlingspaten, die sich für den Familiennachzug von Geflüchteten einsetzen sowie die aktion./.arbeitsunrecht, welche Missstände in Unternehmen ankreiden, die sich grundlegenden Arbeitnehmer*innenrechten verweigern. Die beide sich für ein solidarisches Miteinander einsetzen, für einen Gesellschaftsentwurf, in dem niemand nur einen Platz hat, sondern auch fair behandelt wird.

Davor der Verein Karo e.V. und sein Engagement gegen Zwangsprostitution im deutsch-tschechischen Grenzgebiet oder Tobias Burdukat und sein Einsatz gegen Rassismus und Sexismus in der sächsischen Provinz. „Raus gehen, einsetzen – das erfordert wahren Panter-Mut“, stellte Maritta Strasser in ihrer Laudatio 2016 fest. Wahren Mut zeigten nicht nur alle bisherigen Preisträger*innen, auch jene, die am Ende keinen Preis gewannen, haben sich als wahre Vorbilder präsentiert. „Da geht was“, mögen sich viele im Publikum bei der Vorstellung der Nominierten gesagt haben.

Da geht ganz viel! Mit Panter-Mut haben sich all die Nominierten der letzten Jahre mit den prägendsten sozialen Fragen und Problemen der Zeit auseinandergesetzt, Lösungen entwickelt und sich für andere eingesetzt. In Zeiten, in denen Übergriffe auf Geflüchtete zur Regelmäßigkeit werden, in denen immer mehr Menschen prekär beschäftigt sind, in denen rechtspopulistische Parteien in ganz Europa Zulauf erhalten, stellten sie sich mutig gegen den Trend der Zeit und setzten sich für eine bessere und solidarischere Gesellschaft ein.

Der Panter Preis selbst ist größer geworden, jedes Jahr gehen mehr Bewerbungen ein, die Verleihung findet mittlerweile im Saal des Deutschen Theaters statt. Doch die Intention, Menschen auszuzeichnen, die sich mutig für andere – abseits des Scheinwerferlichts – einsetzen, ist die Gleiche wie vor dreizehn Jahren im Centrum Judaicum.