12.-21. Mai 2019

England/Irland - Brexit und die Folgen

Reiseleitung: Ronnie Golz und Ralf Sotscheck

Brexit-Gegner in London Bild: Ronnie Golz

London – Boston (Linc.) – Stoke-on-Trent – Liverpool – Belfast – Dublin

Wir wissen noch nicht, wie der Brexit bis zur Reise im Mai 2019 wirklich vollzogen sein wird. Auf den britischen Inseln wird noch darüber gestritten. Während einige versuchen, ihn noch zu verhindern, freuen sich andere, die EU zu verlassen. Ziel der Reise ist es, die Hintergründe dieser Kontroversen besser kennenzulernen; und vor Ort zu sehen, wie sich verschiedene Kreise darauf einstellen.

PROGRAMM

PREISE UND LEISTUNGEN

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PREIS: 2.070 € (DZ/HP/ohne Anreise)

VERANSTALTER: Ventus Reisen, Berlin Tel. 030-39 74 92 94, office@ventus.com

 

Die Reise kann nur beim Veranstalter gebucht werden.

Egal, ob am 29. März ein harter Brexit erfolgt oder noch eine Übergangszeit mit der EU ausgehandelt wird. Wir werden uns mit verschiedenen Akteuren, mit „Remainern“ und „Brexitern“ treffen, mit Politikern, mit Gewerkschaftern und Verbänden.

Ronnie Golz, ehem. taz-Mitarbeiter, Seminarleiter in der Erwachsenenbildung, Kulturmanager; mehr: www.rgolz.de

Ralf Sotscheck, Autor und Journalist, taz-Korrespondent seit 1988 für Irland und Großbritannien; mehr: www.sotscheck.net

Beginnen wird die Reise in London, um in der Hauptstadt einen aktuellen Überblick zu erhalten. Weiter geht es zu zwei Orten in England, die einen sehr hohen Anteil von Brexit-Befürwortern haben: Boston (Lincolnshire) und Stoke-on-Trent.

Schließlich fliegen wir von Liverpool nach Belfast (Nordirland) und fahren zur zukünftigen Außengrenze mit der Republik Irland: ihre Gestaltung ist ein dicker Streitpunkt und noch ungeklärt. Die Reise endet in Dublin, der Hauptstadt der Republik Irland, mit deren Sorgen über die Folgen des Brexits wir uns abschließend beschäftigen.

Boston in der Grafschaft Lincolnshire im Osten Englands ist eine bürgerliche Kleinstadt mit 35.000 Einwohnern. Im Umland wird umfangreich Obst und Gemüse angebaut. Dieser Anbau ist auf Saisonarbeiter angewiesen, die zumeist aus Polen, Bulgarien und Rumänien angeworben wurden. Viele dieser Feldarbeiter sind nach der Ernte in Boston geblieben und haben ihre Familien nachgeholt.

Geschäft von polnischen Saisonarbeitern in Boston Bild: Archiv

Manche von ihnen eröffneten Läden, Werkstätten, Taxiunternehmen und machten damit den Alteingesessenen Konkurrenz. Zudem erhöhten sich dadurch die Anforderungen an Schulen, Arztpraxen und Krankenhäuser. Die einheimische Bevölkerung fühlte sich zunehmend verunsichert. Das hat zu dem Wahlergebnis von 75% für den Brexit geführt.

Stoke-on-Trent in Nordwestengland mit 228.000 Einwohnern hat einen ganz anderen Hintergrund. Bei dem Referendum stimmten 69% für den Brexit. Seit dem 17. Jahrhundert war Stoke geprägt von der Töpferei-Industrie, dem Bergbau sowie der Eisen- und Stahlindustrie. Stoke ist somit eine klassische Arbeiterstadt.

Ab den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts schlossen immer mehr Betriebe in der Keramikindustrie. Der Bergbau und die Eisen und Stahlindustrie konnten mit der Konkurrenz auf dem Weltmarkt nicht mithalten und wurde nach und nach aufgegeben.

Stoke-on-Trent ist symptomatisch für den Untergang der britischen Industrie nach dem Zweiten Weltkrieg. Über Jahrzehnte haben Politiker in London (und Brüssel) den Norden Englands vernachlässigt. Die Menschen fühlen sich „abgehängt“, ihrem Schicksal überlassen. Hier liegt der Kern für das Nein zur EU.

Zerfall der traditionellen Wirtschaftsstrukturen in Stoke-on-Trent Bild: Archiv

Bruchstelle bei den Verhandlungen zwischen Großbritannien und der EU ist die Zukunft der Grenze zwischen dem EU-Mitglied Republik Irland und dem britischen Nordirland. Ähnlich wie in dem zwischen Österreich und Italien geteilten Tirol hat die Schaffung des Binnenmarkts einen gemeinsamen grenzfreien Wirtschaftsraum geschaffen und damit die alten Konflikte beendet. Mit der Möglichkeit einer neuen ‚harten‘ Grenze zwischen der Republik und dem Norden wird ein bis dahin einheitlicher Wirtschaftsraum wieder geteilt, d.h. die Uhr wird zurückgedreht. Die Reise soll uns an diese Grenze führen.

Der Austritt Großbritanniens aus der EU wird schwerwiegende Folgen auch für die Republik Irland haben. Wichtigster Handelspartner der Republik ist und bleibt Großbritannien. Der bisherige freie Warenverkehr kehrt zurück zu Zollkontrollen und Formularen.

Zudem ist die irische Republik durch den Brexit vom Rest der EU geographisch abgeschnitten. Wie soll der Warenaustausch mit dem europäischen Festland künftig geregelt werden? Können die Warenströme zwischen Irland und der restlichen EU ohne Kontrollen im Transit durch Großbritannien fahren oder muss alles auf dem langen Seeweg nach Rotterdam reisen? Diese Fragen sollen abschließend in Dublin diskutiert werden.

Am Ende der Reise werden wir immer noch bedauern, dass Großbritannien die EU verlassen will, aber wir werden besser verstehen, wie es dazu gekommen ist.