Dossier tazkongress

Yes Men beim Taz-Kongress

Verklagen lohnt eh nicht...

Zu arm, um verklagt zu werden - und langsam zu bekannt, um unerkannt Schabernack zu treiben: "Yes-Men" Bichelbaum auf dem Taz-Kongress. VON SVENJA BERGT

Brachte schon Ex-US-Präsident Bush in Verlegenheit: Yes-Man Andy Bichelbaum. Foto: lars lingner

Als Attac vor einem Monat die Wochenzeitung Zeit kopierte, stammte die Idee von einem prominenten Vorbild: The Yes Men, einem Duo aus New York, die in einer falschen Ausgabe der "New York Times" den Irakkrieg für beendet erklärte. Andy Bichelbaum, eine Hälfte des Duos, hat es ins Auditorum im Haus der Kulturen der Welt geschafft. Um "Freedom, Utopia and Laughing" soll es gehen. Ob das alles in anderthalb Stunden funktionieren kann?

"Ich werde hauptsächlich über das letzte Wort sprechen, weil ich die anderen beiden nicht wirklich verstehe", stellt Andy zum Anfang klar. Fein, das verspricht einen hohen Unterhaltungswert. Den hat auch schon der erste Kurzfilm, der eine der ersten Aktionen der The Yes Men zeigt. Denn die beiden begannen eigentlich mit gefälschten - im Englischen heißt es fake, das klingt viel netter - Webseiten, zum Beispiel von der WTO. Das verselbstständigte sich aber schnell, als die ersten Unternehmen die gefälschten Seiten für echte hielten - und den beiden Aktivisten Einladungen zu Kongressen schickten. Zuerst blieben die Anfragen einfach liegen, erzählt Andy. Einen Monat etwa. Dann dachten sie sich: Let's do it.

Und sie beantworteten die mails höflich, freuten sich über die Einladung, sagten zu und - sprengten schließlich die Veranstaltung mit gefakten Vorträgen. Na gut, in vielen Fällen kam es gar nicht zur Sprengung, weil die Anwesenden die beiden Yes Men und ihren Vortrag für bare Münzen nahmen.

Aber zurück zum ersten Kurzfilm. Es ist ein Interview in der BBC, in dem sich Andy Bichlbaum als Sprecher des Unternehmens Dow Chemical ausgibt und die volle Verantwortung für ein Chemieunglück übernimmt, das bis zu 20.000 Menschenleben kostete. Das ganze mit bedeutungsschwerem Gesichtsausdruck und diesem typischen Tonfall eines Pressesprechers. "Es ist einfacher, das zu tun als es aussieht", kommentiert Andy Bichlbaum hinterher. Man müsse sich nur fünf Antworten überlegen und die losschießen, was immer man gefragt werde. Und er sei tatsächlich alle fünf Sachen losgeworden.

"Eines der Geheimnisse", ergänzt er auf eine Frage hin, "ist, dass die betroffenen Unternehmen nie rechtliche Schritte einleiten." Daher sei es als Aktivist wichtig, nicht zu einer großen Organisation wie Greenpeace zu gehören, bei der es sich lohnen würde, sie zu verklagen. Bei den Yes Men gebe es nichts zu holen - kein Geld, keine Klage. So gut die Argumentation klingt, vielleicht sollte man sie hierzulande trotzdem im Ernstfall von einem Juristen durchrechnen lassen...

Der einzige, der sich tatsächlich mal wehrte, war Ex-US-Präsident George W. Bush. Der wollte gegen eine gefakte Seite vorgehen und habe sich dann auf einer Pressekonferenz zu der Aussage "there are limits to freedom" hinreißen lassen. Und das in den USA! Nachdem die Phrase eine Weile lang zu einem geflügelten Wort wurde, gewann Bush die Wahlen trotzdem. "But we did what we could", meint Andy Bichelbaum. Nur eine von vielen Stellen, an denen das Publikum in Gelächter und Applaus ausbricht.

Einziges Problem der Yes Men: Ihre zunehmende Bekanntheit. Schon öfter kamen jemandem bei einer Veranstaltung ihre Gesichter irgendwie so bekannt vor. Während in diesen Fällen die Person normalerweise nach der Veranstaltung auf die beiden zukommt und sie anspricht, steckte einmal jemand dem Veranstalter einen Hinweis. Die Konsequenz: Die beiden flogen hochkant raus. Alleine deshalb braucht es also viel Yes-Men-Nachwuchs.

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