Verständlich, dass niemand mehr etwas über 68 hören will - denn selbst schrille Faschismusanalogien langweilen inzwischen. Ein guter Moment zum herauszufinden, wer Dorothea Ridder ist. VON GABRIELE GOETTLE
Ein taz.de-Dossier von 2008 anlässlich des 40. Jahrestages.
Das Jahr 1968 steht für einen immensen gesellschaftlichen Wandel – weltweit. Doch der damalige Traum von einer sozialistischen Revolution blieb im wirklichen Leben auf eine Revolte beschränkt. Vielleicht auch, weil die Hoffnungen der Studenten, die "Proletarier" für ihren Traum vom Sozialismus zu gewinnnen, nicht in Erfüllung ging, nur ein Aufstand ohne Lärm.
Der sich jedoch in kulturell bis heute auswirkt: Zumindest mehr Sex, Selbst und Rock'n Roll sind übrig geblieben. Ob 1968 nun mehr Gutes oder Schlechtes mit sich brachte, darüber diskutieren Historiker Götz Aly und Publizistin Katharina Rutschky - in einem Streitgespräch von Massenmörder Mao und bis zur Erfindung von Kinderläden.
Die Kulturrevolution hatte aber schließlich auch Spaß gemacht, wie sich Mathias Bröckers erinnert: Das war Leben! Und auch Uschi Obermaier musste mal zum Friseur - ein Gespräch mit Udo Walz, der sich damals an den Haaren der Zeitgeist-Ikone zu schaffen machte. Noch mehr in Mode als Uschi Obermaier war damals nur Theodor W. Adorno.
Doch manche seiner Jünger blieben bei der Rezeption nur an der Obefläche - es reichte aber für den intellektuellen Plausch beim Friseur. Aber während 1968 Nonkonformismus noch so richtig Spaß gemacht hat, ist es heute richtig schwierig geworden, sich modisch von der Masse abzuheben - und ziemlich ätzend noch dazu.
Leserkommentare
30.04.2008 12:33 Uhr:
von helmut luers:
man muss zwei lobe aussprechen: frau goettle hat ein einfühlsames interview geführt, und noch mehr muss man frau ridder danken, dass sie in anbetracht ihrer krankheit sich mit soviel kraft, lust und nachfühlbarer anekdoten mitzuteilen vermag. darüberhinaus hat ihr beitrag auch das potential der entmystifizierung. auch das ist mal wichtig für 68!