Genossinnen und Genossen der taz erinnern sich an das Jahr 1968 - ein Stück Geschichte aus indivividueller Sicht.
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Ein taz.de-Dossier von 2008 anlässlich des 40. Jahrestages.
Das Jahr 1968 steht für einen immensen gesellschaftlichen Wandel – weltweit. Doch der damalige Traum von einer sozialistischen Revolution blieb im wirklichen Leben auf eine Revolte beschränkt. Vielleicht auch, weil die Hoffnungen der Studenten, die "Proletarier" für ihren Traum vom Sozialismus zu gewinnnen, nicht in Erfüllung ging, nur ein Aufstand ohne Lärm.
Der sich jedoch in kulturell bis heute auswirkt: Zumindest mehr Sex, Selbst und Rock'n Roll sind übrig geblieben. Ob 1968 nun mehr Gutes oder Schlechtes mit sich brachte, darüber diskutieren Historiker Götz Aly und Publizistin Katharina Rutschky - in einem Streitgespräch von Massenmörder Mao und bis zur Erfindung von Kinderläden.
Die Kulturrevolution hatte aber schließlich auch Spaß gemacht, wie sich Mathias Bröckers erinnert: Das war Leben! Und auch Uschi Obermaier musste mal zum Friseur - ein Gespräch mit Udo Walz, der sich damals an den Haaren der Zeitgeist-Ikone zu schaffen machte. Noch mehr in Mode als Uschi Obermaier war damals nur Theodor W. Adorno.
Doch manche seiner Jünger blieben bei der Rezeption nur an der Obefläche - es reichte aber für den intellektuellen Plausch beim Friseur. Aber während 1968 Nonkonformismus noch so richtig Spaß gemacht hat, ist es heute richtig schwierig geworden, sich modisch von der Masse abzuheben - und ziemlich ätzend noch dazu.
Leserkommentare
07.01.2008 23:40 Uhr:
von Uwe Kössler:
1968 - nun ja, da war ich 5 Jahre alt und wohnte in (Berlin-)Grünau. Mein 1968 war dann erst 1978, als ich Stefan Heym selbst kennen lernte und Punk und Bluesmessen und so. Im "richtigen" 1968 habe ich mich zum ersten mal mit meiner ebenfalls 5 Jahre alten Freundin geküsst - mit Kerstin Nicole an der Hausecke auf unserem Hof. Love, Peace & Music eben. So war das damals.
07.01.2008 23:07 Uhr:
von Hartmut Klein-Schneider:
mein 1968 1968 war ich 18 Jahre alt, auf dem Gymnasium, ein Jahr vor dem Abitur. Mein Vater als Beamter war von Köln nach Münster versetzt worden. Ich durfte allein in Köln bleiben, um vor dem Abitur die Schule nicht wechseln zu müssen. Ich wohnte als einziger meiner Schulfreunde allein in einem Zimmer in einem Studentenwohnhaus, ging nach der Schule in der Unimensa essen und sammelte die Flugblätter des Jahres. Für mich ist, für mich war 1968 das Jahr der Freiheit, der Kontakte zu ganz anderen Menschen. Man konnte hingehen zum SDS und sich einfach dazu setzen, wenn die Studenten diskutierten. Die ersten Demoerfahrungen hatte ich bereits 1966, 1967, wie man als Schüler halt an Demonstrationen der Studenten teilnimmt. Und Ostern 1968 drei Tage Mitmarschieren beim Ostermarsch. Man besorgt sich kein Quartier, das ergibt sich jeweils am Abend. Alle halten zusammen, man versorgt sich gegenseitig. Wir fühlten uns politisch unheimlich wichtig. Dann blockieren wir das Essener Druckhaus der Bildzeitung. Hartmut Klein-Schneider, Köln, geboren 1949