Anspruch einer umstürzlerischen Zeit und ihre Nachwirkungen bis heute: Was sich an Lebensstilen mit dem Jahr 1968 änderte. VON BARBARA DRIBBUSCH
Ein taz.de-Dossier von 2008 anlässlich des 40. Jahrestages.
Das Jahr 1968 steht für einen immensen gesellschaftlichen Wandel – weltweit. Doch der damalige Traum von einer sozialistischen Revolution blieb im wirklichen Leben auf eine Revolte beschränkt. Vielleicht auch, weil die Hoffnungen der Studenten, die "Proletarier" für ihren Traum vom Sozialismus zu gewinnnen, nicht in Erfüllung ging, nur ein Aufstand ohne Lärm.
Der sich jedoch in kulturell bis heute auswirkt: Zumindest mehr Sex, Selbst und Rock'n Roll sind übrig geblieben. Ob 1968 nun mehr Gutes oder Schlechtes mit sich brachte, darüber diskutieren Historiker Götz Aly und Publizistin Katharina Rutschky - in einem Streitgespräch von Massenmörder Mao und bis zur Erfindung von Kinderläden.
Die Kulturrevolution hatte aber schließlich auch Spaß gemacht, wie sich Mathias Bröckers erinnert: Das war Leben! Und auch Uschi Obermaier musste mal zum Friseur - ein Gespräch mit Udo Walz, der sich damals an den Haaren der Zeitgeist-Ikone zu schaffen machte. Noch mehr in Mode als Uschi Obermaier war damals nur Theodor W. Adorno.
Doch manche seiner Jünger blieben bei der Rezeption nur an der Obefläche - es reichte aber für den intellektuellen Plausch beim Friseur. Aber während 1968 Nonkonformismus noch so richtig Spaß gemacht hat, ist es heute richtig schwierig geworden, sich modisch von der Masse abzuheben - und ziemlich ätzend noch dazu.
Leserkommentare
13.11.2008 15:40 Uhr:
von constant:
Ich muss gestehen, auch wenn ich diese Zeit nicht miterlebt habe und nur aus Büchern, Zeitschriften, dem Geschichtsunterricht und noch existenten 68er Seminaren meine Erkenntnisse herrühren, habe ich mich beim Lesen prächtig amüsiert. Er bringt vieles in ironistischer Weise auf den Punkt und stellt ein realistisches Resümee zum Heute dar.
28.01.2008 15:58 Uhr:
von haatee:
Selbst wenn die 68er nicht das erreichen konnten, was sie sich vorstellten - für mich sind sie die letzen Träumer, die für die Verwirklichung ihres Traums aufwachten. Die meisten Träumer heutzutage pennen doch nur vor sich hin und bewegen weder sich noch sonst was. Ein Ho-ho-hoch auf die 68er!!
31.12.2007 11:33 Uhr:
von Bartleby:
So, so Frau Dribbusch, das ist also die neue Drogenfrage. Eben mal so salopp daher geredet. Das wird sich die Irrenoffensive freuen. Kennen Sie die? Die reden penetrant von Drogen wenn es um Psychopharmaka geht. Ich kenne nun eine Reihe von Leuten, die schlicht nicht mehr leben würden, gäbe es das Zeug nicht. Das sind Medikamente. Es geht nicht nur darum die Betroffenen realitätstauglich zu machen, sicher das auch, aber in erster Linie darum, sie am Leben zu erhalten und, wenn es irgend geht, ihnen ein menschwürdiges Leben zu ermöglichen. Und wo ist da nochmal der Zusammenhang mit LSD und ACID? Ich sage das übrigens nicht als Pharmareferent, sondern als Betroffener. Ein Hoch auf das, was sie da als Drogen bezeichnen. Gäbe es sie nicht, ich würde das hier wohl kaum schreiben. Viele Grüße Bartleby
29.12.2007 11:46 Uhr:
von Beate Kupstor:
Ursache und Wirkung! Ja, wir wissen es jetzt: Alles hatten sie erfunden, die 68er: Sexualität und Frauenrechte, Revolten, Revolutiönchen und Revolotionen, Bänkelgesänge, scholastische Betrachtungen, Hackenstiefel, Bauernkutten, Haare, Massenaufläufe, Hightechknäste, Beerdigungen, Synapsenforschung, Drogeneinnahmen, Stereoanlagen, Bärte, Rasierer, gammlige Literatur, den Kater danach und den vorbeugenden davor; wirklich Klasse diese Generation.