Die Studentenbewegung um Rudi Dutschke wollte das Volk mitreißen,doch das reagierte mit Hass. Und der war nirgends stärker als in Westberlin. VON CHRISTIAN SEMLER
Ein taz.de-Dossier von 2008 anlässlich des 40. Jahrestages.
Das Jahr 1968 steht für einen immensen gesellschaftlichen Wandel – weltweit. Doch der damalige Traum von einer sozialistischen Revolution blieb im wirklichen Leben auf eine Revolte beschränkt. Vielleicht auch, weil die Hoffnungen der Studenten, die "Proletarier" für ihren Traum vom Sozialismus zu gewinnnen, nicht in Erfüllung ging, nur ein Aufstand ohne Lärm.
Der sich jedoch in kulturell bis heute auswirkt: Zumindest mehr Sex, Selbst und Rock'n Roll sind übrig geblieben. Ob 1968 nun mehr Gutes oder Schlechtes mit sich brachte, darüber diskutieren Historiker Götz Aly und Publizistin Katharina Rutschky - in einem Streitgespräch von Massenmörder Mao und bis zur Erfindung von Kinderläden.
Die Kulturrevolution hatte aber schließlich auch Spaß gemacht, wie sich Mathias Bröckers erinnert: Das war Leben! Und auch Uschi Obermaier musste mal zum Friseur - ein Gespräch mit Udo Walz, der sich damals an den Haaren der Zeitgeist-Ikone zu schaffen machte. Noch mehr in Mode als Uschi Obermaier war damals nur Theodor W. Adorno.
Doch manche seiner Jünger blieben bei der Rezeption nur an der Obefläche - es reichte aber für den intellektuellen Plausch beim Friseur. Aber während 1968 Nonkonformismus noch so richtig Spaß gemacht hat, ist es heute richtig schwierig geworden, sich modisch von der Masse abzuheben - und ziemlich ätzend noch dazu.
Leserkommentare
18.04.2008 09:42 Uhr:
von Dirk Jenke:
Hallo Christian, deinen Versuch einer 'innerberlinerischen' Erklärung des aggressiven Klimas Ende der 60er in allen Ehren, aber warum stellst du die faschistische Kontinuität der BRD & West-Berlin ans Ende deiner Darstellung? Ist der kulturrevolutionäre Anti-Faschismus nicht die entscheidende Bedeutung der 68er-Bewegung, die wir Götz Aly & Co immer wieder ins Gedächtnis rufen müssen? Über den tiefgreifenden Fehler aller bisherigen Versuche der Linken, über Politik die Gesellschaft weiterzuentwickeln, obwohl der historische Materialismus uns doch lehrt, dass die Ökonomie die Basis einer Gesellschaft ist und Politik lediglich ein Überbauphänomen ist, würde ich mich gerne mit dir austauschen... Solidarische Grüsse aus Bremen
11.04.2008 10:22 Uhr:
von Paul Schröder:
sehr überzeugender Artikel, herzlichen Dank dafür!