Was bleibt von Dutschke? Der Glaube an Utopie und Revolution ist vorbei. Zwar fehlt manchmal die sinnstiftende, große Erzählung. Aber nur sonntags. VON STEFAN REINECKE
Ein taz.de-Dossier von 2008 anlässlich des 40. Jahrestages.
Das Jahr 1968 steht für einen immensen gesellschaftlichen Wandel – weltweit. Doch der damalige Traum von einer sozialistischen Revolution blieb im wirklichen Leben auf eine Revolte beschränkt. Vielleicht auch, weil die Hoffnungen der Studenten, die "Proletarier" für ihren Traum vom Sozialismus zu gewinnnen, nicht in Erfüllung ging, nur ein Aufstand ohne Lärm.
Der sich jedoch in kulturell bis heute auswirkt: Zumindest mehr Sex, Selbst und Rock'n Roll sind übrig geblieben. Ob 1968 nun mehr Gutes oder Schlechtes mit sich brachte, darüber diskutieren Historiker Götz Aly und Publizistin Katharina Rutschky - in einem Streitgespräch von Massenmörder Mao und bis zur Erfindung von Kinderläden.
Die Kulturrevolution hatte aber schließlich auch Spaß gemacht, wie sich Mathias Bröckers erinnert: Das war Leben! Und auch Uschi Obermaier musste mal zum Friseur - ein Gespräch mit Udo Walz, der sich damals an den Haaren der Zeitgeist-Ikone zu schaffen machte. Noch mehr in Mode als Uschi Obermaier war damals nur Theodor W. Adorno.
Doch manche seiner Jünger blieben bei der Rezeption nur an der Obefläche - es reichte aber für den intellektuellen Plausch beim Friseur. Aber während 1968 Nonkonformismus noch so richtig Spaß gemacht hat, ist es heute richtig schwierig geworden, sich modisch von der Masse abzuheben - und ziemlich ätzend noch dazu.
Leserkommentare
12.04.2008 16:02 Uhr:
von Norbert Franz Schaaf:
Die 68er sind an allem schuld! Vor allem Dutschke, Cohn-Bendit und Konsorten! Insbesondere an dem bedenklich schlechten Zustand der Gesellschaft. Die 68er, diese langhaarigen, faulen, sexsüchtigen und arbeitsscheuen Leistungsverweigerer, haben die Umwelt vergiftet mit ihren Industrieanlagen, sie haben Automobile in Massen fabriziert und Autobahnen dafür gebaut, sie haben Schienenstrecken stillgelegt, das Just-in-time-System erfunden und LKW-Flotten dafür beschafft, des weiteren eine Reihe Startbahnen und dabei das Flugbenzin unversteuert gelassen, sie haben unsere Sozialsysteme für die Kranken, Rentner und Beschäftigungslose finanziell zerrüttet, sie haben Millionen von sogenannten Gastarbeitern ins Land geholt und dann als Migranten hier angesiedelt, sie haben Atomkraftwerke ohne Entsorgungsmöglichkeit gebaut und den Klimawandel in Gang gesetzt, sie haben das Privatfernsehen eingeführt und lassen unsere Kinder bei den PISA-Studien schlecht aussehen, sie haben die Medien unterwandert und versorgen die Bürger mit Halbwahrheiten, Lügen und gefälschten Statistiken. Die 68er liefern die Bürger der Mafia und dem organisierten Verbrechen aus, sie treiben die Lebensmittel- und Energiepreise hoch, sie verlagern Arbeitsplätze ins Ausland, schaffen Billigjobs, bespitzeln die arbeitenden Menschen heimlich mit Kameras, und nicht zuletzt verzocken diese linken 68er Gelder in Billionenhöhe an den Börsen und enteignen die Kleinaktionäre, nachdem sie unter anderen die Kriege in Vietnam, Afghanistan und dem Irak angezettelt haben. An alldem sind allein die 68er schuld!
11.04.2008 14:41 Uhr:
von Andreas Remstedt:
"Die historische Zentralperspektive, an der auch der postmarxistische Dutschke festhielt, der sich Ende der 70er-Jahre den Grünen annäherte, ist heute jedenfalls zerbrochen." Sie scheint in viele kleine Linien zerbrochen, ja - wweil wir zu nahe am utopischen Bild von damals leben.