Die Ergebnisse des Stuttgart-21-Stresstests werden erst Ende Juli vorgestellt. Darum hatte die Prüferfirma gebeten. Die Bahn sagt: Am zeitlichen Ablauf ändert das nichts.von RICHARD ROTHER

Brigitte Dahlbinder vom Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21. Bild: dpa
BERLIN taz | Die öffentliche Präsentation der Ergebnisse des Stresstests zu Stuttgart 21 verzögert sich: Statt am Freitag kommender Woche sollen die Resultate des Leistungstests des umstritten Bahnprojektes in der baden-württembergischen Landeshauptstadt nun erst Ende Juli vorgestellt werden.
Um den Aufschub gebeten hatten die unabhängigen Prüfer, die Schweizer Bahnberatungsfirma SMA. Dies wurde am Freitag nach einem Treffen von Befürwortern und Gegnern des Milliardenprojektes deutlich. Der Zeitplan für die Vergabe von Bauaufträgen ist aber nach Angaben der Deutschen Bahn durch die Verzögerung nicht gefährdet.
Die Bahn plant, den Hauptbahnhof – ein Kopfbahnhof – in einen unterirdischen Durchgangsbahnhof zu verwandeln. Mehrere Bürgerinitiativen lehnen das Vorhaben als zu teuer und verkehrspolitisch unsinnig ab. Mit dem Stresstest, einer umfangreichen Computersimulation, soll nun der Nachweis erbracht werden, dass der neue Bahnhof mindestens 30 Prozent leistungsfähiger ist als der alte. Auf diese Vorgabe hatten sich Gegner und Befürworter in ihrer Schlichtung im vorigen Jahr geeinigt. Die Firma SMA war nach Bahnangaben auf Wunsch der Projektgegner als unabhängige Prüferin ausgewählt worden. "Was bei der SMA-Prüfung herauskommt, sollte dann auch Akzeptanz finden", sagte Bahnvorstand Volker Kefer am Freitag.
Nach Kefers Worten ändert die Verzögerung nichts am zeitlichen Ablauf des Projektes. "Qualität geht vor Geschwindigkeit." Es sei immer noch möglich, bis zum 31. Juli Vergabeentscheidungen zu treffen – nach einer Veröffentlichung des Stresstests. Konkret gehe es um die Vergaben von zwei Tunnelbauten im Wert von 700 bis 750 Millionen Euro. Theoretisch könnten diese Vergaben noch zurückgeholt werden – etwa nach einem Volksentscheid im Herbst.
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"Stuttgart 21" ist eines der teuersten Bahnprojekte aller Zeiten in Deutschland: Der Kopfbahnhof der Stadt soll durch einen unterirdischen Durchgangsbahnhof komplett ersetzt werden. Wo jetzt noch Schienen liegen, sollen künftig Wohn- und Gewerbebauten entstehen.
Der neue Bahnhof soll Ende 2017 fertig sein, der Probebetrieb 2019 aufgenommen werden. "Das neue Herz Europas" nennt die Bahn das Projekt im Netz. Ein breites Bündnis von Bürgern protestiert allerdings gegen den Umbau. Ihre Argumente: Der Tiefbahnhof sei betriebsschädlich, nicht bahnkundenfreundlich, umweltbelastend und viel zu teuer. Sie haben mit dem Projekt "Kopfbahnhof 21" ihre eigenen Pläne.
Trotzdem wurde der symbolische Baubeginn im Februar 2010 gefeiert, der Nordflügel des Kopfbahnhofs im September 2010 abgerissen. Ein Teil der Bauaufträge vergeben. Eine Schlichtung Ende 2010 schlug mögliche Verbesserungen unter der Bezeichnung "Stuttgart 21 Plus" vor. Das Protestbündnis hält jedoch an dem "Kopfbahnhof 21" fest.
Der Wechsel der Landesregierung in Baden-Württemberg sorgte für einen zeitweisen Baustopp. Im Koalitionsvertrag vereinbarten Grüne und SPD eine Volksabstimmung, in der die Bürger entscheiden, ob das Land die Co-Finanzierung von "Stuttgart 21" stoppen soll. Sie findet am 27. November 2011 statt.
Finanziert werden soll das Projekt von der Deutschen Bahn AG, dem Bund, dem Land Baden-Württemberg, der Stadt Stuttgart, dem Flughafen Stuttgart sowie dem Verband Region Stuttgart. Die Bauherren gehen offiziell davon aus, dass "Stuttgart 21" 4,1 Milliarden Euro kosten wird, halten sich aber eine "Risikoreserve" von 400 Millionen Euro zusätzlich offen. Unabhängige Bahnexperten haben allerdings wesentlich höhere Kosten errechnet.
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