Video der Woche

Warum spielt hier eigentlich Blasmusik?

Die Junge Union wirbt in einem Video um neue Mitglieder. Was dabei rauskommt, ist unverständlich und wirkt am Ende wie der Start eines Pornos.von Rasmus Cloes

Zum Dank gibts Musik: Dornröschen ist erwacht.  Bild:  screenshot youtube

</iframe>

Am Ende des Videos drängt sich die Frage auf: Was ist das Ziel? Klar: Das Video soll Mitglieder werben, aber es muss ja auch eine Botschaft geben. Drei Möglichkeiten wären denkbar.

Eine wäre die naive. Der erste Teil des Videos ist entscheidend. Das schlafende Volk soll aufgeweckt werden. Die grüne Bürgerbewegung und die roten Revolutionäre schaffen es nicht. Da kommt der bayrische Prinz, küsst es wach und alles ist gut. Das Märchen vom Guttenberg. Ist es also nur ein Video, welches politische Gegner diskreditieren soll?

Das wäre schon möglich. Versucht hat das die Junge Union schon mit diesem Spot.

<iframe width="460" height="292" src="http://www.youtube.com/embed/ouhTUMENEiE" frameborder="0" allowfullscreen></iframe>

Welcher dann prompt von der Heute-Show zerrissen wurde.

<iframe width="460" height="375" src="http://www.youtube.com/embed/b5x_t14ADaw" frameborder="0" allowfullscreen></iframe>

Also alles ganz normale Werbung. Bleibt noch die Pointe.

Purer Dadaismus? Zu hoch für nicht im bayrischen Schulsystem gefüllte Köpfe? Kann sein. Dagegen spricht, dass die Junge Union ganz gerne mal mit Sex wirbt.

Etwa der Kreisverband Wittmund. Dieser druckte 2007 ein Plakat, auf dem sich eine Frau in den Schritt fasst und dem Spruch "Wir gehen tiefer". Auf Nachfrage des NDR sagten die Nachwuchspolitiker, dies sei nur im politischen Sinne gemeint. Ist klar. 

Nachdem die Werbung bekannt wurde, reagierte CDU-Generalsekretär Ulf Thiele sofort: "Indiskutabel", nannte er das Plakat und verbot es. Problem erkannt – Problem gebannt. Oder auch nicht.

Bei der Kommunalwahl in Bottrop 2009 warb die Junge Union mit dem innovativen Spruch "SEX am Arbeitsplatz ist GEIL!...leider haben 12 Prozent der jungen Bottroper keine Arbeit." Wittmund lässt grüßen. Der Vorsitzende der JU-Bottrop Bastian Hirschfelder sagte dazu auf DerWesten.de: "Sex sells, ja. Es ist nun einmal so, dass man so große Aufmerksamkeit erregt."

Geht es also doch um Sex, bleiben zwei Möglichkeiten. Die eine ist: Er ist sinnfrei eingespielt. Also frei nach dem Motto Hirschfelders. Das ist nicht unbedingt rühmlich und lässt auch auf die Tiefe des politischen Angebots schließen. Sie ist jedoch besser als die Zweite.

Hinter der letzten Möglichkeit steht die Aussage: Sex als Belohnung für politisches Engagement. Also der Aufruf: Komm zur Jungen Union, erwecke das schlafende Volk und die Frauen fallen vor dir auf die Knie. Sex, Belohnung und Macht werden vermischt. Strauss-Kahn geht in Budapest mit Ergo-Vertretern feiern. 

Das wäre dann eine bittere Aussage. Bleibt zu hoffen, die Junge Union hat einfach nicht nachgedacht und wollte einen Witz machen. Ohne Sinn und Verstand.

Dieser Artikel ...

ist mir was wert!