Joseph Ratzinger nahm selbst die Seligsprechung seines Vorgängers Johannes Paul II. vor - wegen eines angeblichen Wunders.von Michael Braun

Wer glaubt, wird selig? Gläubige auf dem Weg zur Seligsprechung. Bild: dpa
ROM taz | Es waren Rekordzahlen, die der Vatikan zur Seligsprechung Karol Wojtylas vermeldete: Fünf Königshäuser gaben sich am Sonntag auf dem Petersplatz die Ehre, dazu 16 Staatschefs, Regierungsdelegationen aus 87 Ländern - für Deutschland kam Innenminister Friedrich.
Vor allem aber kamen über eine Million Gläubige, aus Polen, aus Spanien, aus Lateinamerika und natürlich aus Italien. Und dann war da noch einer, der eigentlich gar nicht in die EU einreisen darf: Zimbabwes Präsident Robert Mugabe, der sich die Seligsprechung auf keinen Fall entgehen lassen wollte.
Der Petersplatz selbst war schon in der Nacht für die Gläubigen geöffnet worden; viele von ihnen hatten in Schlafsäcken auf offener Straße übernachtet. "Santo subito", "Heilig sofort" hatten die Trauernden auf dem Petersplatz in der Nacht des 2. April 2005 gerufen, als Johannes Paul II. starb, und der gleiche Slogan erklang bei seiner Beisetzung. Unter seinem Nachfolger Papst Benedikt XVI. kam die Katholische Kirche diesem Begehren entgegen: In einer Rekordzeit von sechs Jahren erfolgte die Seligsprechung.
Schon zwei Jahre nach seinem Tod vollbrachte er das entscheidende Wunder; eine französische Nonne, die im Gebet seine Hilfe erfleht hatte, genas von ihrer Parkinson-Erkrankung - der gleichen Krankheit, die Karol Wojtyla heimgesucht hatte. Eben jener Nonne oblag es während der Zeremonie, eine der beiden Ampullen mit Wojtylas Blut zum Altar zu bringen - ganz wie im Mittelalter verfügt die Kirche damit über anbetungswürdige Reliquien des neuen Heiligen.
Offiziell ist der Rekordpapst - er hatte eine der längsten Amtszeiten in der Kirchengeschichte, er machte die meisten Reisen, er traf mit Abstand die meisten Gläubigen - zwar vorerst nur selig. Die Kirche dürfte sich dem Verlangen nach Heiligsprechung kaum entziehen. Anders als "gewöhnliche" Seliggesprochene wird Johannes Paul II. schon jetzt in der ganzen Welt angebetet; sein Festtag ist der 22. Oktober - der Tag, an dem er 1978 zum Papst gewählt wurde.
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Leserkommentare
08.05.2011 14:36 | Hasso
Wann werden die endlich mal selig gesprochen, die wegen des Raubtier-Kapitalismus verhungern?
03.05.2011 22:42 | Seppl
Hi Ritchie! "Wenn die katholische Kirche bis zur Intervention Napoleons jährlich "nur" 80.000 Menschen weltweit ermordet ha ...
02.05.2011 03:44 | Gerda
Meine Fragen sind etwas geklärt - durch "Wikipedia": ...