Gemeinsam mit dem Kultusministerium BaWü wollte Atomkonzern EnBW Schüler zu "Energie-Reportern" machen. Eine Klasse schlug den Konzern mit den eigenen Waffen.von MARTIN KAUL

Die Klappe fällt für den Film der 9a der Neumattschule in Lörrach. Doch nicht ganz so, wie sich EnBW das vorgestellt hat. Bild: screenshot
Manchmal benötigt es nur ein kurzes Nachdenken. Und manchmal können auch geringe Mittel große Effekte erzielen: Als dieses Plakat plötzlich in ihrer Schule hing, da sagte die Klasse 9a der Neumattschule in der Kreisstadt Lörrach im Südwesten Deutschlands laut Nein. Denn das was sie da sahen war ihnen einfach nicht ganz geheuer.
"Energie-Reporter im Einsatz" stand auf dem Plakat. Und: "Die Story: Spannung in der Stadt". Was die Schüler aber viel spannender fanden: Sie hatten das Gefühl, hier gerade ziemlich verarscht zu werden.
Das baden-württembergische Kultusministerium und die Stiftung Kulturelle Jugendarbeit riefen mit der Kampagne Schülerinnen und Schüler dazu auf, eigene Kurzfilme zum Thema Energie zu drehen. Doch hinter der vermeintlichen Förderung kritischer Jugendarbeit stand ein großer Finanzier: Bezahlt wird der Wettbewerb vom baden-württembergischen Energierkonzern und Atomkraftwerkbetreiber EnBW.
Na dann los. Zur Teilnahme an dem Wettbewerb war laut Ausschreibung nur eines nötig: "Die einzige Bedingung: Die Hauptrolle in eurem Film muss der Energieverbrauch in eurer Stadt spielen. Beleuchtet, woher der Strom kommt, für was er verwendet wird oder wer die Menschen sind, die eine reibungslose Energieversorgung möglich machen."
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Der Klasse 9a der Werkrealschule und ihre bei Greenpeace engagierte Lehrerin Elvira Erdem kam das aber spanisch vor: "Ich glaube, mit dieser Aktion, da wollen sie sich nur bei uns einschleimen", sagt ein Schüler in einer Szene des Videos, in der die Klasse ihren eigenen Diskussionsprozess nachgespielt hat. "Aber ich lasse mich davon nicht einschüchtern."
Die Schülerinnen und Schüler zogen los. Sie nahmen, wie gewünscht, eine Kamera mit – und leisteten mit ihrem Beitrag gleich zweierlei: Erstens ließen sie keinen Zweifel an ihrer ablehnenden Haltung zum Thema Atomkraft. Zweitens thematisierten sie aber auch den Wettbewerb selbst. Und fragten auf der Straße und dem Schulhof andere darüber aus, was die eigentlich davon halten, dass sich umstrittene Unternehmen wie EnBW mit hübschen Schulwettbewerben ein gutes Gewissen geben dürfen. Die Reaktionen: unisono ablehnend.
Geht es nach der Außendarstellung des Konzerns, dann dürfte sich EnBW über den kritischen Zugang der Schüler sogar freuen. Beworben wird die Kampagne immerhin auch damit, dass Schüler sich "differenziert" mit Energiefragen auseinandersetzen dürfen. Nun ist der Konzern aber sauer: "Dass ein nicht wettbewerbstauglicher Film nun verwendet wird, um unseren Wettbewerb in Zweifel zu ziehen, ist schon merkwürdig", sagte ein Konzernsprecher gegenüber Spiegel Online.
Zugelassen für den sogenannten "Schulwettbewerb Energie" wird der kritische Film nun aber nicht: Erstens soll er zu spät eingereicht worden sein, zweitens sprengt seine Länge die vorgegebene Höchstdauer von fünf Minuten. Tatsächlich ist der Film auch kein qualitatives Meisterwerk – sofern es um Schnitt und Bilder geht. In einem aber hat er durchaus eine preiswürdige Qualität: Er thematisiert mit einfachen Mitteln, "wer die Menschen sind, die eine reibungslose Energieversorgung möglich machen."
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Leserkommentare
27.04.2011 19:38 | Piefke
@Peter: Dann sollte man im Unterricht vielleicht zunächst erörtern was an der Atomkraft eine Hochrisikotechnologie ist und ...
25.04.2011 18:47 | Peter
@ Piefke: wieso wollte man Schüler dazu animieren, eine Seite zu verteidigen, die sich für eine Hochrisikotechnoligie einse ...
24.04.2011 11:11 | Sarah
Toller Einsatz! "Tatsächlich ist der Film auch kein qualitatives Meisterwerk – sofern es um Schnitt und Bilder geht. In ein ...