Die Urananreicherungsanlage in Gronau liefert Brennstoffe für Atomkraftwerke weltweit. Umweltschützer fordern nun, dass ihr Betrieb gestoppt wird. von ANDREAS WYPUTTA

Der Geschäftsführer des Gronauer Betriebs, Joachim Ohnemus, hat bereits eingeräumt, dass sein Betrieb nicht gegen Flugzeugabstürze gesichert ist. Bild: dpa
MÜNSTER taz | Atomkraftgegner fordern die sofortige Stilllegung der einzigen deutschen Urananreicherungsanlage (UAA) im münsterländischen Gronau. "Die Uranfabrik steht am Beginn der weltweiten Atommüllspirale", sagt der atompolitische Sprecher des Bundesverbands Bürgerinitiativen Umweltschutz, Udo Buchholz. "Hier wird das Uran für den Einsatz in Atomkraftwerken vorbereitet. Wer den Atomausstieg will, muss auch die UAA Gronau dichtmachen."
Die Anlage an der Grenze zu den Niederlanden bedient über 7 Prozent des Weltmarktes für angereichertes Uran, das zu Brennelementen für Atomkraftwerke weiterverarbeitet wird. Betrieben werden die Zentrifugen von dem deutsch-britisch-niederländischen Joint Venture Urenco, an dem auch die deutschen Atomstromkonzerne RWE und Eon beteiligt sind.
Jährlich rollen tausende Tonnen radioaktives Uranhexafluorid ins Münsterland. Das Material reagiert beim Kontakt mit Luftfeuchtigkeit zu hochgiftiger und ätzender Flusssäure. Trotzdem rollen die Transportzüge mitten durch die Bahnhöfe Kölns, des Ruhrgebiets und Münsters. "Die Urananreicherung ist ein Sicherheitsrisiko", sagt Atomkraftgegner Buchholz.
Der Geschäftsführer des Gronauer Betriebs, Joachim Ohnemus, hat bereits eingeräumt, dass sein Betrieb nicht gegen Flugzeugabstürze gesichert ist. Der Luftwaffenbombenabwurfplatz Nordhorn-Range liegt nur 20 Kilometer entfernt. Auch im nordrhein-westfälischen Landtag formiert sich deshalb eine Mehrheit gegen die UAA. Die rot-grüne Minderheitsregierung solle eine Bundesratsinitiative für die "endgültige und schnellstmögliche Beendigung der Urananreicherung" starten, heißt es in einem Antrag, den SPD und Grüne am Freitag zur Abstimmung stellen wollen.
"Die Anlage ist Teil der nuklearen Brennstoffkette und muss deshalb auch Teil des nordrhein-westfälischen Atomausstiegs sein", sagt der atompolitische Sprecher der Grünen, Hans-Christian Markert. Die Linke signalisiert Zustimmung: "Wir fordern seit Langem das Aus für die UAA", sagt der Wirtschaftsexperte der Linksfraktion, Rüdiger Sagel.
Den Druck auf CDU-Umweltminister Norbert Röttgen erhöhen soll eine Großdemo am Ostermontag, zu der die Anti-AKW-Bewegung nach Gronau mobilisiert. Die Organisatoren hoffen auf viele tausend Demonstranten. Bisher gab es in der wirtschaftlich schwachen Grenzregion nur wenig Widerstand gegen die UAA: Deren Betreiber Urenco ist der größte Steuerzahler vor Ort, sponsert Kindergärten und Schulen ebenso wie Vereine und die Stadtbibliothek.
Die Wahrscheinlichkeit eines Atomunfalls ist 200-mal höher als bislang angenommen. Weltweit am meisten gefährdet ist der Südwesten Deutschlands. von Kai Schöneberg

Zyperns Banken müssen fürchten, von der griechischen Krise mitgerissen zu werden. Kapital wird außerhalb Europas gesucht. Jeder zehnte griechische Zypriote ist ohne Job. von Klaus Hillenbrand

Der Live-Ticker zum Castortransport 2011 zum Nachlesen auf taz.de.
Zur Bilderstrecke "Castortransport 2011".
Am 30. Mai 2011 hat die schwarz-gelbe Koalition ihren Atomkurs radikal verändert. Bis dahin galt der Ausstieg aus dem rot-grünen Atomausstieg, die deutschen AKW sollten bis nach 2030 laufen - also im Schnitt zwölf Jahre länger als mit dem rot-grünen Atomkonsens.
Nun heißt es: Die acht ältesten deutschen AKW bleiben abgeschaltet, die restlichen laufen zum großen Teil bis 2021 oder 2022 weiter. Nach der Atomkatastrophe in Fukushima kippte die Stimmung auch unter den Unionswählern gegen die Atomkraft, die wichtige Wahl in Baden-Württemberg ging für Merkel verloren.
Deshalb nun die Umkehr. Im Eiltempo werden nun Atomgesetz und andere Energiegesetze umgeschrieben. Auch das Genehmigungsrecht für Stromleitungen soll vereinfacht werden. Das Eiltempo soll alle überrumpeln: die Energiekonzerne und ihre Abgeordnetenfreunde ebenso wie die Anti-Atom-Bewegung und die Regierungen der Bundesländer.
Wie die Anti-Atom-Bewegung reagiert; wie das Energiesparen bei Elektrogeräten, der Industrie und den Gebäuden berücksichtigt wird, was auf Mieter und Hausbesitzer zukommt; wie der Verbraucher sich für die Energiewende motiviert - die taz berichtet in diesem Schwerpunkt darüber.
Starre Rituale, öde Debatten, ein Haus der Langeweile? Nicht in der Ukraine! Hier werden Parlamentsdebatten noch mit Leidenschaft, Herzblut und handfesten Argumenten geführt!

Echte Stars, begeisterte Fans, prima Shopping-Tipps - wir freuen uns auf die Fußball-Europameisterschaft.

Weltraumtouristen, Satelliten und Versorgungsflüge zur ISS – die Raumfahrt wird privatisiert und kommerzialisiert.

Es ist ein echtes großes Drama, das sich da in Griechenland abspielt. Ein Drama über die Demokratie, die Unregierbarkeit. Dieses Wort muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Und das Drama genießen.

Leserkommentare
14.04.2011 22:15 | Frank
Eine Hand füttert die Andere. ...
13.04.2011 18:04 | Toby
Genau. Und dies, damit es nicht lauten muß "Ende von Atomfabrik herbeigeführt".
13.04.2011 14:14 | Sisalbaum
Die Atomfabrik fordert ein Ende? Wessen denn? Ihr eigenes? Nein, nein, so weit sind wir nicht, es ist nur sprachlich so kom ...