Kolumne von Matthias Lohre
Das Folgende ist nicht cool, nicht hip, nicht "flavoured with Dragon Fruit". Oder finden Sie es etwa sexy, von Renate Künast über Horst Seehofers erotische Präferenzen informiert zu werden? Was, das finden Sie? Dann dürfte Sie das Folgende interessieren.
Am vergangenen Wochenende war ich beruflich auf dem Bundesparteitag der Grünen. Die Laune war prächtig, so weit Grüne sich so etwas erlauben. Die Antragsteller sorgten sich um "CO2-neutrale" Sportveranstaltungen und Friedenschancen im Nahen Osten. Und die Delegierten schickten auf eine Übertragungsweise, die nur sie verstehen, klatschend "solidarische Grüße" von Freiburg zu einer Demonstration in Berlin.

Matthias Lohre ist Parlamentsredakteur der taz. Foto: taz
Dann trat Renate Künast ans Rednerpult und polterte routiniert. Die Entscheidung der CSU, in den eigenen Funktionärsreihen eine Frauenquote einzuführen, kommentierte sie so: "Uns reicht nicht, dass Horst Seehofer sich entschieden hat, sich mit noch mehr jungen Frauen zu umgeben." Applaus und Ho-ho-ho-Lachen. Gemeint ist nicht ein Hoch auf Ho Chi Minh. Sondern der Laut, den Menschen äußern, wenn sie finden, jemand traue sich da aber mal was, das nicht so nett ist, aber richtig.
Dazu muss man wissen, dass der bayerische Ministerpräsident eine Beziehung neben seiner Ehe hatte. Die Bild-Zeitung brachte Geschichten, Seehofers sogenannte Geliebte ein Kind zur Welt. Künast schien diese Verletzung des Ehesakraments auch nach Jahren skandalös zu finden. Zumindest nutzte sie sie für politische Zwecke.
Gerne hätte ich Künast beiseite genommen und ihr eine geänderte Version des alten Kinderliedes ins Ohr gesungen: Heile, heile Gänsje, es is bald wieder gut. Et Kätzje hat e Schwänzje, und Seehofers erotische Interessen gehen dich gar nichts an. Heile, heile Mausespeck, Frauen, die sich in Seehofers Nähe aufhalten wollen, sind selbst verantwortlich für ihren schlechten Geschmack.
Ich unterließ das Ständchen, denn es reimte sich nicht. Außerdem war ich damit beschäftigt, weitere Merkwürdigkeiten zu notieren. Ein Delegierter machte seinem Abscheu gegen politische Kungelrunden Luft, indem er von Entscheidungen in "Männer-Hinterzimmern" sprach.
"Männer", vermutete ich, ist unter Linken also ein Schimpfwort. Die taz titelte im August: "Alte Männer für Atomkraft". Es ging um Folgendes: 40 "ältere Männer", Manager und Politiker, hatten sich in Anzeigen für den Weiterbetrieb deutscher AKW ausgesprochen. So so: Es ist also irgendwie "evil" oder "super bad", ein Mann zu sein. Wenn diese Person auch noch vor recht langer Zeit geboren worden ist, wird diese Nachricht Titelzeilen-tauglich. Ich hingegen fand diesen Umstand ungefähr so aufregend wie die ICE-Durchsage, soeben sei der mobile Brezelverkäufer zugestiegen.
Vielleicht macht die Deutsche Bahn ja etwas falsch. Sie könnte weit mehr Aufmerksamkeit für ihre Mitarbeiter erreichen, wenn sie anders für sie würbe: "Soeben ist ein älterer, heterosexueller Mann zugestiegen, der bayerische Teigwaren verkauft. Vielleicht handelt es sich sogar um Horst Seehofer. Wir schicken Ihnen solidarische Grüße."
Die ewige Hängepartie um die "Wetten, dass ..?"-Moderation hat ein neues Unwürdigkeitslevel erreicht. Nur Frank Elstner ist zufrieden. von David Denk
Er singt, schüttelt Hände und kann bis zwei zählen. Joachim Gauck wird der Super-Präsi. Ganz bestimmt.

Von de Gaulle bis Mbeki - die schönsten Präsidentenrücktritte der Welt.

Das war's... Fast! Die Berlinale 2012 geht am Sonntag zu Ende. Und wieder waren alle da – die üblichen und die unüblichen Stars, nervige und ehemalige Polit-Prominenz, kreischende und buhende Fans, demonstrierende und andere Bären.

Egal ob in Ost-, West-, Südeuropa oder in Kaschmir – überall ist es kalt. Verdammt kalt. Für viele Menschen ist das dramatisch und sogar lebensgefährlich. Aber die Kälte bringt auch Schönes und Erfreuliches.


Leserkommentare
27.11.2010 11:37 | Peter Bosshard
Hat was mit Diskurshoheit zu tun, wenn männlich, alt und heterosexuell nur negativ konnotiert wahrgenommen wird. Das Gegent ...
27.11.2010 11:29 | Michel
Daß Mann in der Linken ein Schimpfwort ist, dürfte eigentlich klar sein, seit "Väter sind Täter" und "Jeder Mann ist ein po ...
26.11.2010 13:33 | Martin
Dabei macht eine extrem taube Frau Merkel gerade im Land die Politik und ihre Kollegin Schavan-sinn macht die mieseste Bild ...