Mit Hilfe von Google Street View hat der Regisseur Chris Milk ein beeindruckendes Musikvideo zur neuen Single der kanadischen Band Arcade Fire erschaffen. von Philipp Reinken

Alles greift zum melancholischen Arcade Fire-Sound ineinander über: The Wilderness Downtown von Chris Milk. Bild: screenshot thewildernessdowntown.com
Gewöhnliche Musikvideos scheinen für Arcade Fire schon lange nicht mehr zeitgemäß zu sein. Nachdem die Band bereits vor knapp drei Jahren mit dem interaktiven Clip zur Single „Neon Bible“ für reichlich Aufsehen im Internet gesorgt hatte, veröffentlichte das achtköpfige Ensemble aus Montréal in dieser Woche einen neuen Kurzfilm zu seiner aktuellen Auskopplung „We used to wait“.
Produziert wurde das Video unter dem Titel „The Wilderness Downtown“ vom US-amerikanischen Regisseur Chris Milk, dem in Kooperation mit Google ein wahrlich beeindruckendes Ergebnis gelungen ist. Auf Basis der brandneuen HTML 5–Technik, sowie mit Hilfe der Google-Dienste "Maps" und "Street View" hat Milk ein Video kreiert, über dessen Inhalt der Zuschauer in Teilen selbst bestimmen kann.
Vor dem Abspielen empfiehlt es sich, den Google-Browser „Chrome“ zu installieren, da nur dieser eine optimale Darstellung des Kurzfilms gewährleistet. Nun kann die Homepage thewildernessdowtown.com aufgerufen werden, und es wird um die Eingabe eines Städtenamens gebeten. Daraufhin öffnet sich eine Vielzahl von Fenstern und der Kurzfilm startet.
Aus dem Dunkeln heraus erscheint ein laufender Mann in Kapuzenpulli, ein Vogelschwarm taucht auf, und eine Google Maps-Einstellung gleitet langsam - begleitet durch den Vogelschwarm - in die gewünschte Stadt hinein. Street View-Ansichten kommen hinzu, die Bilder ergänzen sich, die Betrachtungsblickwinkel variieren, alles greift zum melancholischen Arcade Fire-Sound ineinander über. In der Mitte des Kurzfilmes bietet sich dem Zuschauer dann sogar die Möglichkeit, eine Postkarte zu schreiben, oder – mit Hilfe der Maus – ein kleines Gemälde zu kreieren, das sich ebenfalls in die Bilderflut einreiht. Am Endes des Videos wandelt sich die gesamte Stadt zu einem Wald, und der Läufer verschwindet im Grünen.
Mit seinem Kurzfilm verdeutlicht Regisseur Milk, dass das Musikvideo, das in den letzten Jahren nur selten durch Innovation auffiel, kein in Stein gemeißeltes Format ist. Ob den interaktiven Clips die Zukunft gehört, muss sich erst zeigen. In einem Zeitalter jedoch, in dem das Musikvideo ohnehin nicht mehr im Musikfernsehen, sondern im Internet stattfinden, wäre dies die logische Folge.
Gleichzeitig trägt The Wilderness Downtown zur aktuellen Street-View-Debatte bei. Denn selbst wenn der Dienst bald in Deutschland verfügbar sein könnte, werden die Benutzer hierzulande ihren Heimatort kaum als Schauplatz dieses Videos genießen können. Der nämlich wird vermutlich zu großen Teilen verpixelt sein.
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Einfach nur gebrauchte Computer verkaufen ist ja wohl langweilig. In diesem Laden in Österreich gibt es außerdem Palatschinken, einen schnelldrehenden Flohmarkt und seeeeehr viele Hinweisschilder. Irre!

Leserkommentare
06.09.2010 13:20 | Mr.green
soso, Chrome bietet also den optimalen Genuss, ? ...
03.09.2010 23:17 | menotu
Warum Chrome? Weil Google Leute daran mitprogrammiert haben? Läuft prima mit Safari, Firefox oder Opera.
03.09.2010 17:29 | Onno
Das ist schon irgendwie beeindruckend, Streetview ist schon eine tolle Sache. Leider funktioniert Heidelberg nicht :(