Kommentar von DANIEL BAX

Nein, ein Rassismus-Gen gibt es nicht. Bild: dpa
Wird Deutschland immer dümmer? Zumindest was Thilo Sarrazin betrifft, muss man diese Aussage wohl bejahen. Statt klug zu werden aus dem Schaden, der ihm vor fast einem Jahr durch ein umstrittenes Lettre-Interview entstand, legt er jetzt noch einmal nach. Mit seinem Buch gibt er nicht nur seinen Gegnern, sondern auch bisher Wohlmeinenden rund 450 Seiten Argumente an die Hand, seinen Ausschluss aus der SPD und seine Abberufung als Bundesbank-Vorstand zu fordern. Fast muss man Sarrazin dankbar sein, dass er so für Klarheit sorgt. Nein, seine bisherigen Ausfälle waren keine Ausrutscher, sondern hatten System: Er ist zweifellos ein Rassist.
Anders als andere Islamgegner glaubt Sarrazin nicht nur an einen "Kampf der Kulturen" und warnt schrill vor angeblicher "Überfremdung" durch Muslime. Er führt kulturelle und soziale Unterschiede zudem hauptsächlich auf genetische Dispositionen zurück. Mit diesem Unfug aber hat Sarrazin endgültig eine rote Linie überschritten. Die allgemeine Empörung, die jetzt von Angela Merkel bis zum Zentralrat der Juden und quer durch alle politischen Parteien reicht, ist darum so verständlich wie berechtigt.
Für Deutschland ist der Fall Sarrazin ein heilsamer Schock. Es ist höchste Zeit, sich von der Illusion zu verabschieden, rassistische Überzeugungen würden stets in Bomberjacke und Springerstiefeln daherkommen. Wie man sieht, können sie auch in Bankiersanzügen und in Chefetagen prächtig gedeihen.

Daniel Bax arbeitet im taz-Meinungsressort. Foto: taz
Der Fall Sarrazin wirft aber zugleich schwierige Fragen auf: Was tun, wenn 65 Jahre nach dem Verbot von "Mein Kampf" erstmals wieder ein rassentheoretisches Traktat in Deutschland zum Bestseller avanciert? Was tun, wenn man wie die SPD den Zeitpunkt verpasst hat, Sarrazin rechtzeitig aus der Partei auszuschließen? Und was tun, wenn ein Vorstand der Bundesbank praktisch unkündbar ist, obwohl er deren Ansehen in der Welt gründlich schadet?
Empörung allein reicht da nicht aus - jetzt müssen auch Konsequenzen gezogen werden. In vergleichbaren Fällen ist das gelungen. Als der CDU-Abgeordnete Martin Hohmann aus Fulda 2003 eine Rede hielt, die antisemitische Motive aufgriff, wurde er aus Fraktion und Partei ausgeschlossen. Vergleichbare Reaktionen von SPD und Bundesbank sind jetzt überfällig. Sie würden deutlich machen, dass Deutschland durch seine Geschichte klüger geworden ist.
Radikale Sparpolitik und Eurobonds machen das bankrotte Land nicht wettbewerbsfähiger. Da hilft nur ein flexibler Wechselkurs. von Thilo Bode
Ob Ei, Mehl, Schuh oder Torte, schon so mancher Politiker wurde in der Vergangenheit Opfer einer Zuschauerattacke. Wer hat was abbekommen?

Einfach nur gebrauchte Computer verkaufen ist ja wohl langweilig. In diesem Laden in Österreich gibt es außerdem Palatschinken, einen schnelldrehenden Flohmarkt und seeeeehr viele Hinweisschilder. Irre!

Disney erlaubt seinen Mitarbeitern endlich offiziell das Tragen von Gesichtsbehaarung. Anlass für ein taz-Bartquiz.

Wenn Iran und Venezuela gemeinsam an einer Bombe bauten, wäre "Liebe der Treibstoff" (Chavez). Ahmadinedschad und Chavez zeigen: Überall lauern sie, die Pärchen des Grauens. Eine Auswahl.

Leserkommentare
03.09.2010 12:14 | Frank Stöllger
...mal wieder unglaublich wie mit Stasi/Gestapo-Methoden die in allen hohen Etagen etablierte & realitätsblinde 68er-Gutmen ...
01.09.2010 18:35 | Freigeist
Aus dem Artikel: ...
01.09.2010 07:42 | Karl Kraus
@kundrie