Die Anleger befürchten wegen gekürzter Einspeisetarife weniger Nachfrage bei Solarfirmen. Deren Aktien geben deshalb trotz Umsatzplus teils um fünf Prozent nach.von NICK REIMER

Schlechte Zeiten für Solarenergie - trotz höherer Umsätze. Bild: reuters
BERLIN taz | "Ertragstärkstes Quartal seit Unternehmensgründung" - unter dieser Überschrift stellte am Mittwoch die Phoenix Solar AG ihre Geschäftszahlen vor. Die im TecDAX notierte Firma vermeldete mit 283,6 Millionen Euro einen Quartalsumsatz, der 145,1 Prozent über dem zweiten Quartal 2009 lag. Auch der operative Gewinn markierte mit 22,3 Millionen Euro einen neuen Rekord. Trotzdem rutschte die Aktie in den Keller: Mit 5,1 Prozent verbuchten Phoenix-Papiere die größten Abschläge des Tages.
"Viele Investoren machen sich Sorgen über die Zukunft", sagte ein Börsianer. Die Branche befürchtet, dass die Nachfrage zurückgeht. Die Bundesregierung hatte beschlossen, die solaren Einspeisetarife zum 1. Juli um 13 Prozent einzudampfen und dann noch einmal um drei Prozent Anfang Oktober.
Derzeit sieht die Normalität auf dem Solarmarkt so aus: Die aleo solar AG vermeldet ein Umsatzplus von 134,5 Prozent im ersten Halbjahr, trotzdem gab die Aktie nach. Der Branchenprimus Solarworld vermeldete 50 Prozent mehr Umsatz - 608,4 Millionen Euro, die Aktie verlor. Auch der Hamburger Fotovoltaikspezialist Colexon stellte am Mittwoch sehr gute Halbjahreszahlen vor. Auch hier zeigte sich der Aktienkurs eher lustlos.
"Momentane Lage: exzellent. Geschäftserwartung: mies", fasst das Bonner Marktforschungszentrum EuBP Research zusammen. Das illustriert auch der Geschäftsklimaindex Fotovoltaik: Die "Geschäftslage" wurde von den Unternehmen im Juli mit 117 Punkten als überdurchschnittlich gut eingestuft - bei der Geschäftserwartung gab es lediglich 67 Punkte, so wenig wie seit Jahren nicht mehr.
Aber vielleicht ist die Perspektive gar nicht so mies. Ein Solarinstallateur aus dem brandenburgischen Teltow berichtet, dass er seinen geplanten Sommerurlaub gestrichen hat, nachdem die Aufträge sich trotz der Tarifkürzung weiter häufen. "Urlaub wird es auch im zweiten Halbjahr nicht geben."
Die meisten Anbieter von Solaranlagen sind mit ihren Preisen zum 1. Juli um 10 Prozent nach unten gegangen, aleo solar sogar um 12. Leidtragende sind auch die Installateure, denn wenn Anlagen 13 Prozent weniger Einspeisevergütung bekommen, wollen die Kunden natürlich die Anlagen auch zu 13 Prozent geringeren Kosten. Heißt: Verbilligen die Anlagenbauer ihre Module um 10 Prozent, müssen 3 Prozent von den Installateuren getragen werden.
"Wie schon im ersten Quartal haben wir von einer Sonderkonjunktur profitiert", begründet York zu Putlitz, Vorstandschef von aleo solar, die guten Geschäftszahlen. Die Tarifsenkung habe zu Vorzieheffekten geführt.
Was für den Solarinstallateur aus Teltow schon Gewissheit ist, formuliert zu Pulitz noch verhalten: Konkrete Ziele für 2011 sollen erst im weiteren Verlauf dieses Jahres gesetzt werden, um der Entwicklung der Rahmenbedingungen Rechnung tragen zu können.
Aber vielleicht kann der Teltower Installateur ja zu Putlitz besänftigen: Er bezieht und verbaut Aleo-Module.
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Einfach nur gebrauchte Computer verkaufen ist ja wohl langweilig. In diesem Laden in Österreich gibt es außerdem Palatschinken, einen schnelldrehenden Flohmarkt und seeeeehr viele Hinweisschilder. Irre!

Leserkommentare
12.08.2010 19:38 | thiotrix
Ausgerechnet die „taz“ sorgt sich um Aktienkurse? ...
12.08.2010 15:22 | anonym
Es ist immer wieder schön wie die taz kritische Kommentare nicht abdruckt.
12.08.2010 11:27 | Mathe 6 setzen
Wenn sich die Einspeisevergütung um 13% reduziert, erwarten die Kunden eine entsprechende Kostenreduzierung. ...