Bernd das Brot aus dem Kinderkanal findet Internet im Urlaub doof. Für Mario Sixtus ist Surfen in der Fremde dagegen keine Belastung.von Sebastian Loschert

Total glücklich: Online am Strand. Bild: dpa
In Zeiten ständiger Erreichbarkeit verschwindet die Möglichkeit, im Urlaub richtig abzuschalten, findet der Soziologe und Zeitforscher Hartmut Rosa: „Natürlich versaut uns das Internet den Urlaub. Alles was wir tun können, ist auszusuchen, wie“, schreibt Rosa im Streit der Woche in der sonntaz. Selbst wem es gelinge, im Urlaub auf die Netzwelt zu verzichten, könne die freien Tage nicht unbeschwert genießen, kritisiert der Wissenschaftler: „Im Hintergrund lauert das Bewusstsein, vielleicht Wichtiges zu verpassen und abgehängt werden zu können. Und dass wir, zurück in der Arbeit, vor einem Berg stehen werden, angesichts dessen sogar Sisyphos erbleicht wäre“.
Die zunehmende Verbreitung von mobilem Internet, von Laptops und Smartphones wirft die Frage auf, ob sich die Grenzen zwischen Arbeitswelt und Urlaub, zwischen Pflichten und Muße, nach und nach auflösen. Laut einer Umfrage des Software-Anbieters Symantec beantwortet die Hälfte der deutschen Arbeitnehmer im Urlaub E-Mails, jeder Dritte bekommt an Feiertagen dienstliche Anrufe. Buchautoren und Zeitschriften fragen deshalb, ob im digitalen Zeitalter eine Auszeit überhaupt noch möglich sei.
Die Grünen-Politikerin Agnieszka Malczak, mit 25 Jahren die jüngste Frau im Bundestag, gibt zu: „Mir selbst fällt es in freien Zeiten schwer, Internetabstinenz zu üben“. Aber sie wehrt sich gegen die Tendenz, für „Freund, Kollege oder Chef“ jederzeit erreichbar zu sein. Im Streit der Woche schreibt sie: „Abschalten ohne Ausschalten funktioniert nicht“. Und betont: „Es bleibt unsere Entscheidung, ob wir das Gerät einschalten“. In der parlamentarischen Sommerpause schreibt sie: „Ich trainiere das am Beginn jeden Urlaubs aufs Neue – dann aber genieße ich“.

Den gesamten Streit der Woche finden Sie in der aktuellen sonntaz vom 31.Juli/1.August - ab Samstag mit der taz am Kiosk. Foto: taz
Auch Bernd das Brot, beim Kinderkanal Kika ein großer Verfechter des Ausschaltens, geht die ständige Erreichbarkeit auf den Wecker: „Das Internet versaut mir nicht nur den Urlaub, es ist ein lebenslanges Versau-mir-meine-Welt-O-Tron“, schreibt er.
Für den Journalisten und Video-Podcast-Pionier Mario Sixtus ist das Surfen in der Fremde dagegen keine Belastung, sondern Bereicherung: „Es ist ein magischer Moment, auf der anderen Seite der Weltkugel zu urlauben und gemächlich die persönliche Twitter-Timeline durchzuscrollen“, schreibt er in der sonntaz. Er wollte auf das „Dauergeplapper“ seiner Netzfreunde nicht verzichten. Zumal ihm die Twitter-Nachrichten ständig daran erinnerten, in einer anderen Zeitzone zu sein: „Nur das Netz schafft es, räumliche Entfernung spürbar zu machen und gleichzeitig gedankliche Nähe zu schenken“.
Im Streit der Woche äußern sich zudem Buchautor Alex Rühle, Sänger Sebastian „Buddy“ Erl, Stefan Fussan, Betreiber des Online-Portals Wikivoyage und taz.de-Leser Uli Moll.
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Leserkommentare
01.08.2010 12:39 | bicyclist
Wir betrachten hier zwei Aspekte. Fürs Büro und den Beruf bin ich im Urlaub offline. Basta. Wenn ich mich nicht mal dann er ...
31.07.2010 14:56 | jon
Das ist doch immer wieder das Gleiche: nicht die Technologie selber ist schuld an irgendetwas, sondern der Umgang damit. ...
31.07.2010 14:15 | creagas
warum muss ein bild verwendet werden, in dem eine frau im bikini einen laptop in den händen hält? ...