tazūüźĺsachen

Auch Frauen wollen meinen

Missstände zu offenbaren, ist nie schön. Andererseits, liebe Le­se­r*innen, soll diese Rubrik ja auch dazu dienen, Ihnen ehrliche Einblicke in die Herausforderungen unserer täglichen Arbeit zu ermöglichen, in den Maschinenraum quasi. Und der meldet: Fehler in der Meinungs-Matrix!

Obschon unsere Redaktion geschlechterparit√§tisch besetzt ist, spiegelt sich diese Parit√§t so gar nicht wider, wenn es um das Verfassen von Beitr√§gen auf den taz-Meinungsseiten geht. Im Januar war es besonders arg: Da kamen zwei Drittel der Meinungstexte von M√§nnern, nur ein Drittel von Frauen. Nat√ľrlich sind wir damit nicht allein (auf faz.net konnte man sich neulich durch eine reichlich gef√ľllte Kommentarspalte scrol¬≠len, M√§nnerquote: 10 von 10), aber wer, wenn nicht wir, soll denn da mit gutem Beispiel vorangehen?

Die taz-Meinungsredaktion hat daher beschlossen, radikale Ma√ünahmen zu erproben. Ab heute testen wir eine Quote (und das ist keineswegs ein Aprilscherz): Maximal zwei der vier Kommentare, die montags bis freitags auf den Seiten 1 und 12 erscheinen, d√ľrfen w√§hrend der kommenden drei Monate von m√§nnlichen Autoren bespielt werden. Frauen haben schlie√ülich genauso Meinungen. Warum diese seltener ihren Weg in die Zeitung finden? Eines l√§sst sich auf jeden Fall beobachten: Wenn es um die Chance geht, die eigene Meinung zu √§u√üern, stecken M√§nner ungern und wesentlich seltener zur√ľck als Frauen. Nu aber. Was wir uns von dem Experiment erhoffen? Dass der Impuls z√ľndet ‚Äď und die Quote ganz schnell √ľberfl√ľssig macht.

Johanna Roth