EMtaz: Der Tag

Gereifte Italiener, gealterte Spanier

Feels like it's 2012. Spanien und Italien verhandeln das EM-Finale von vor vier Jahren neu. Und England ärgert sich mit dem letzten Kampfzwerg rum.

Zweikampf zwischen spanischen und italienischem Spielern bei Regen

War vor vier Jahren immer schneller am Ball: Spanier Fabregas gegen Italiener Chiellini Foto: imago/newspix

Was geht heute?

Um 18 Uhr (ARD) kommt es zum Finale der Europameisterschaft – also zu dem von vor vier Jahren. Für die Blauen gab es damals gegen stürmerlos spielende Rote mit 0:4 ganz unitalienisch auf die Socken. Die Italiener sind seitdem gereift, die Spanier einfach nur älter geworden – hofft man jenseits der Alpen.

Nach Floskeln vor dem Spiel steht es jedenfalls 1:1 unentschieden: „Das wird ein sehr offenes Spiel, ein sehr schwieriges, ein sehr hartes, ein sehr anspruchsvolles“, orakelt beispielsweise Vicente Del Bosque. „Ich will nicht nach Hause fahren“, kontert Reisefreund Antonio Conte. Wer auch immer das Phrasen-Elfmeterschießen letztlich für sich entscheidet, der Gegner im Viertelfinale heißt Deutschland. Und die haben mit Joachim Löw („Wir müssen noch stärker werden“) sogar den Floskel-Weltmeister in ihren Reihen.

Darauf treffen sich um 21 Uhr (ARD) England und Island zum Duell der Inselvölker. In beiden Ländern fanden kürzlich wichtige Abstimmungen statt. Englands Premier David Cameron hat sich nach dem eigens veranlassten und schließlich verlorenen Brexit-Referendum zuhause in der Downing Street 10 eingeschlossen und packt schon mal die Umzugskisten. Island hingegen hat mit Gudni Jóhanesson gestern einen neuen Präsidenten gewählt. Der hat direkt nach der Abstimmung seine Reise zum Achtelfinale angekündigt und hat hoffentlich noch ein Ticket bekommen – von denen gab es laut Mittelfspieler Gylfi Sigurdsson nämlich zu wenige. „Es wäre schön gewesen, wenn wir 10 000 bis 15 000 Tickets gehabt hätten, aber die Fans werden laut sein.“

Stimmen zum Spiel Ungarn – Belgien (0:4)

Nepszabadsag (Ungarn): „Ungarn sagt bei der EM erhobenen Hauptes ‚Auf Wiedersehen‘. Die Leistung war bis Mitte der zweiten Halbzeit gut, doch dann trat das belgische Team sie mit Füßen.“

Magyar Nemzed (Ungarn): „Die Reise ist zu Ende. Der Gegner war erbarmungslos. Trotz des Ausscheidens feierten die Menschen in Budapest ihre elf Spieler und deren Leistung wie Sieger.“

Magyar Idök (Ungarn): Trotz der Niederlage können wir erhobenen Hauptes von der EM nach Hause kommen.

De Standaard (Belgien): „Überwältigend. Es gibt kein anderes Wort für diese erste Hälfte. Die einzige Frage ist: Wer wird diese Rote Teufel stoppen?“

Le Soir (Belgien): „Hazard war außerirdisch. Belgien deklassiert Ungarn. Die Roten Teufel waren unwiderstehlich. Es war ein perfekter Abend.“

De Morgen (Belgien): „Die Roten Teufel haben in Toulouse Brennholz aus Ungarn gemacht.“

Läuft bei der EMtaz:

Mesut Özil wollte sich dem Torreigen nicht anschließen und hat seinen Elfmeter gegen die Slowakei verballert. Doch der Mittelfeldspieler braucht keine Tore, um zu glänzen. Er ist der Künstler, der hinter seinem Werk zu verschwinden sucht, findet Frederic Valin.

Comedian Atze Schröder ist mit einem sexistischen Wiesenhof-Spot nur die Spitze des Eisbergs. Doch daneben leisten sich Werbeindustrie, Medien und Uefa-Regie jeden Tag einen sexistischen Fehltritt nach dem anderen. Andreas Rüttenauer stellt daher die Frage: Ist der männliche Fan ein widerliches Wesen?

Ein schnelles Elfmetertor des Außenseiters, aufopfernd kämpfende Iren und einen Doppelpack von Antoine Griezmann – das Achtelfinale zwischen Frankreich und Irland war nicht das Schlechteste. Taz-EM-Illustratorin Felila hat es gezeichnet – „Ein Spiel wie gemalt“, in 120 Sekunden.

Noch mehr aus der taz-Bildfabrik: Auch in Venezuela, Caracas wird die EM verfolgt. Zwischen Backofen und Kaffee kochen sind echte Fußballexperten am Werk, die meinen: Deutschland spielt noch nicht am Limit.

***

Donnerstag, 23. Juni

Was geht heute?

Kurz vor 15 Uhr (ZDF) ertönt wieder die Marseillaise, jene blutrünstige Hymne mit der Gastgeber Frankreich diesmal die Iren vom (Fußball-)Schlachtfeld in Lyon vertreiben will. Coach Didier Deschamps setzt dabei auf seine Bestbesetzung: Kanté, Matuidi, Payet sowie Giroud ersetzen Cabaye, Sissoko, Coman und Gignac. Man darf sich sicher sein: Auch die vier Letztgenannten wären bei den Iren allesamt Kandidaten für die Wahl zum irischen Fußballer des Jahrhunderts. Mehr gibt's hinsichtlich der Rollenverteilung nicht zu sagen.

Deutschland trifft am Sonntag (18:00 ARD) im Achtelfinale auf die Slowakei. Dabei handelt es sich um einen handelsüblichen Fußballzwerg. Dachte man jedenfalls bis vor einem Monat, als die Slowakei ein Testspiel gegen den amtierenden Weltmeister Deutschland bestritt. Nur leider entpuppten sich die Spieler aus Osteuropa als fiese streitaxtschwingende Kampfzwerge. 1:3 unterlagen die Deutschen. Bei noch schlechterem Wetter als dem Fritz Walter seins versauten die Slowaken der Nationalmannschaft so den EM-Test. In einem Heimspiel.

Das Unterschätzen des Gegners ist heute also strengstens verboten. Und, Moment, Achtelfinale gegen einen Underdog bei einem großen Turnier? Da klingelt doch was. Richtig: Bei der WM 2014 befand sich Deutschland am Rande einer Niederlage gegen Algerien.

In großen Teilen ist es Manuel Neuer zu verdanken, dass die Deutschen in der Verlängerung endlich das 1:0 erzielen durften. Fast wären sie in der regulären Spielzeit nach Großchancen des Fußballzwergs herausgeflogen. Wenigstens ein ZDF-Reporter und Per Mertesacker werden sich noch erinnern. Gegen die Slowaken dürfte es ähnlich unangenehm werden. Sie sind auf dem Fußballplatz nicht gerade für gute Manieren und zurückhaltende Freundlichkeit bekannt.

Alleine Liverpool-Innenverteidiger Martin Skrtel sieht so aus, als wäre er Freigänger. Den deutschen Stürmer Mario Gomez schreckt das allerdings nicht: Schon gegen Nordirland hatte er es laut eigener Aussage mit „zwei Ochsen“ in der Innenverteidigung zu tun. Angesprochen auf die Raubeinigkeit der Slowaken sagte Gomez aber: „Skrtel sieht nur so hart aus.“

DFB-Co-Trainer Thomas Schneider steht nach dem Spiel hoffentlich mit Eistonnen bereit. Wer wissen will, wie Deutschlands taktische Ausrichtung gegen die Slowaken aussieht, muss sich an die Lippen unseres Fußball-Experten Sid Meyer heften.

Ab 21 Uhr (ZDF) rückt das Stade Municipal in Toulouse in den EM-Fokus. Dort könnte mit Belgien ein weiterer gar nicht mehr so geheimer Geheimtipp allen Tippern wertvolle Punkte kosten. Gegner sind schließlich die unbequemen Ungarn. Der einzige charmante Typ im Orban-Land trägt seit Geburt an Jogginghose und heißt Gabor Kiraly. Der Torwartopa will die de Bruynes, Hazards und Lukakus zur Verzweiflung treiben.

Läuft bei der #EMtaz

Großer Schlandtag in der taz. Aus dem proppenvollen Fußball-Konferenzraum, übrigens luxuriös mit einem wunderbaren Kühlschrank (darin tatsächlich: eisgekühlte Bierflaschen) ausgestattet, wird live getickert. Das ganze Ballyhoo im Vorfeld hat taz-Frankreichfahrer Johannes Kopp treffend zusammengefasst. Am Ende kommt auch er nicht umhin, Mario Götzes Rolle zu hinterfragen. Er stellt dabei fest: Wertverlust der Marke G.

Die ersten drei Achtelfinalspiele waren ziemlich enttäuschend. Warum es Polen, Waliser und vor allem Portugiesen dennoch verdient haben, im Viertelfinale zu stehen, erklärt David Joram.

Wie der slowakische Sieg tatsächlich zustande kommt, erklärt Sid Meyer. Seine Taktikanalyse sollte sich Jogi Löw besser noch anschauen. Es ist seine letzte Chance, dem mehligen Schicksal zu entgehen.

***

Donnerstag, 23. Juni

Was geht heute? Staubsaugen, Wohnung aufräumen, durchwischen und endlich mal früh ins Bett und ausschlafen. Die erste kleine Pause im Turniermodus eröffnet die Möglichkeit, sich endlich wieder am wirklichen (sozialen?) Leben zu beteiligen. Gespielt wird erst am Samstag wieder. Dann kommt allerdings schon das geballte Achtelfinale mit acht K.o.-Spielen in drei Tagen. Was man sonst noch so tun kann, verraten die taz-EM-Experten in dieser Bildergalerie (saufen, lesen, shoppen…).

Die schönsten Phrasen der Vorrunde

– Ronaldo lässt die Muskeln spielen

– Der zweite Anzug der Ungarn sitzt

– Spaniens Trainer del Bosque hat keine weiße Weste mehr

– Die deutsche Mannschaft sucht nach einem Schlüssel für die Mannschaft

– Jeder Spieler dampft

– Sie fahnden nach einem Loch

– Mustafi bringt Deutschland in die Spur

– Robson-Kanu wollte sich und seiner Nation beweisen, dass er auch als Einwechselspieler der Partie den Stempel aufdrücken konnte

– Schweinsteigers Stunde schlägt noch nicht

– Der umtriebige Payet

– Der Favorit schob sich die Kugel hin und her

– Frankreich schaltete einen Gang hoch

– Das engmaschige Netz

– Gedanklich in der Kabine

– Am Drücker bleiben

– Der Führungstreffer gab den Drachen Auftrieb

– Nach vorne keine Bäume ausreißen

– Vereinzelte Nadelstiche setzen

– Paukenschlag in der Nachspielzeit

– Die Slowaken bekamen etwas Oberwasser

(Gehört bei ARD und ZDF, gelesen auf kicker.de)

Läuft bei der EMtaz:

Die Türken durften am Fernseher zusehen, wie sie aus dem Turnier herausflogen. Schuld daran ist Michel Platini, sein komplizierter Turniermodus und natürlich die Italiener, die nur mit der B-Elf aufliefen. Ronny Müller fordert: Lasst doch das Los entscheiden!

Für die Videoserie „Das sagt der Wirt“ geht die EMtaz an die Orte, wo Menschen gemeinsam Fußballschauen. Nach einem französischen Restaurant und einem Irish Pub ist diesmal ein Spätkauf in Berlin-Kreuzberg dran. Inhaber Salih Hekimoglu war früher kurdischer Politiker, heute betreibt er den Späti. Der Vermieter möchte ihn jedoch gerne dort herausschmeißen. Im Kiez formiert sich dagegen jedoch Widerstand. Die EMtaz war dort, um mit ihm zu sprechen und mit seinen Gästen ein Spiel auf der Straße zu schauen.

Außerdem hat EMtaz-Korrespondent Johannes Kopp das Spiel des neuen Lieblingsverteidiger der Deutschen porträtiert: Joshua Kimmich. Chef-Reporter Peter Unfried analysiert den Umgang mit den großen Stars des EM. Der neue Star, so seins These, muss Kunsthandwerker und Teil einer Solidargemeinschaft zugleich sein. Natürlich bleiben sie dabei auch Projektionsflächen für Feuchte Träume mit Zlatan.

***

Dienstag, 22. Juni

Was geht heute? Um 18 Uhr beginnt die letzte Runde der Gruppenphase. Zuerst fällt in der Gruppe F die Entscheidung, welche Teams weiterkommen. Ab 21 Uhr beschließen die Teams aus Gruppe E den 3. Spieltag.

In der Gruppe F trifft Portugal (2 Punkte) auf Tabellenführer Ungarn (4). Die Magyaren mit Co-Trainer Andreas Möller sind bereits weiter – ganz egal, was passiert. Portugal benötigt mindestens einen Punkt für die nächste Runde.

Im zweiten Gruppenspiel stehen sich Island (2) und Österreich (1) gegenüber. Eine der beiden Mannschaften wird ausscheiden! Während Österreich unbedingt drei Punkte braucht, reicht Island bereits einer.

Das erste 21-Uhr-Spiel wird zwischen Schweden und Belgien angepfiffen. Belgien steht mit drei Punkten hinter Italien (6). Um das Achtelfinale zu sichern, reicht ein Remis. Für Schweden steht fest: Sie müssen jetzt gewinnen. Sonst war's das – für Uns Zlatan dann auch endgültig in der Nationalelf.

Im anderen 21-Uhr-Spiel spielen Italien und Irland gegeneinander. Irland benötigt unbedingt einen Sieg, Italien ist schon Gruppensieger. Italiens Trainer Conte kündigte an: „Wir möchten unbedingt neun Punkte.“ Irland hat trotzdem eine gute Chance gegen Italien, da wohl einige Stammkräfte geschont werden dürften.

Die Pressestimmen zum Spiel Spanien – Kroatien (1:2)

Jutarnji (Kroatien): Das Wunder von Bordeaux. Kroatien spielte ein Match für die Geschichte. Ein Land in Trance.

Vecernji: Phänomenales Kroatien.

tportal: Das tapfere Kroatien hat die mächtigen Spanier schockiert.

Marca (Spanien): Eine verdiente Niederlage schickt Spanien auf den schwierigen Weg: die Strecke der Meister.

El País: Spanien vernimmt den Klang von Peitschenhieben.

Super Deporte: Mamma mía

Gazetta dello Sport (Italien): Mamma, La Spagna!

Corriere dello Sport: Wenn wir Spanien schlagen, wartet im Viertelfinale wahrscheinlich Deutschland. Erst der Europameister, dann der Weltmeister, wir sind Gruppenerster und werden bestraft.

Läuft bei der EMtaz

Sehen wir heute den letzte Auftritt von Zlatan Ibrahimovic? Man mag es sich nicht vorstellen. Die taz würdigt den Ausnahmefußballer sicherheitshalber trotzdem – bevor es zu spät ist. Doris Akrap entdeckt Ibra, den Bosnier. Jürn Kruse meint, der bosnische Schwede (schwedische Bosnier?) sei eine Art Anti-Götze, ein flegelhafter Straßenfußballer, der notorisch pöbelt, unverblümt egoistisch ist und in geradezu epischer Weise überheblich. Trotzdem mögen alle Uns Zlatan.

Während die veremeintlichen Superstars bei dieser EM außer Pfostenschüssen vom Elfmeterpunkt eher wenig zustande gebracht haben, überraschen die kleinen Fußballnationen mit ihren Abwehrbollwerken umso mehr. Gut möglich, dass der Europameister bald Island heißt. Hat auch mit Kroatiens 2:1 gegen Spanien und dem daraus resultierenden Todesturnierzweig zu tun.

Ein Spiel wie gemalt war das der deutschen Elf gegen Nordirland nicht (das hätte man ab einem 10:0 sagen können). Das Spiel gemalt hat Felila trotzdem.

Wem drücken die bei der EM nicht existenten Kirgisen eigentlich die Daumen. Die taz hat sich mal in Bishkek umgehört – und während des Mini-Public-Viewings zum Spiel Russland gegen England interessane Antworten erhalten.

***

Dienstag, 21 Juni

Was geht heute? Um 18 Uhr beginnt der Spaß, unter anderem mit dem Spiel zwischen Deutschland und Nordirland (natürlich im taz-Liveticker). Ab 21 Uhr geht's munter weiter mit der Gruppe D.

In der Gruppe C ist Deutschland mit vier Punkten Tabellenführer. Soll so bleiben, wenn's nach Jogi Löw geht. Gegen Nordirland läuft alles auf ein ähnliches Spiel wie gegen Polen hinaus. Die Nordiren benötigen genau einen Punkt fürs Weiterkommen. Den wollen sie mit einem 0:0 ermauern.

Im anderen 18-Uhr-Spiel stehen sich Ukraine und Polen gegenüber. Vielleicht brauchen die Ukrainer wieder Andriy Shevchenko, aktuell Co-Trainer des Teams, auf dem Platz, damit es beim nächsten Mal besser läuft. In diesem Turnier steht das Aus bereits fest. Polen spekuliert deshalb auf eine demoralisierte ukrainische Elf; ein hoher Sieg könnte für Platz eins in der Gruppe reichen.

Im ersten 21-Uhr-Spiel trifft Kroatien auf Spanien. Der Titelverteidiger ist bereits durch, hat beide Spiele souverän gewonnen. Kroatien (4 Punkte) reicht schon ein Zähler, um das Achtelfinal-Ticket ebenfalls zu buchen. Spannender als der Spielausgang ist die Frage, was auf den Rängen passiert? Vor allem die kroatischen Krawallmacher stehen unter Beobachtung.

Das zweite Gruppenspiel wird zeitgleich zwischen Tschechien und der Türkei angepfiffen. Die Türkei ist eine der schlechtesten Mannschaften dieses Turniers – und trotzdem gibt’s noch die Chance aufs Weiterkommen. Dazu wäre aber ein hoher Erfolg gegen Tschechien wichtig. Die wiederum haben auch nur einen Punkt und brauchen einen Sieg genau so nötig.

Stimmen zum Spiel Slowakei – England (0:0)

Novy Cas (Slowakei): Großer Kampf unserer Jungs: Wir haben England ein Unentschieden abgetrotzt.

Plus Jeden Den: Der Preis für den harten Kampf gegen England winkt: Die Slowaken klopfen an die Tür zum Achtelfinale.

The Guardian (England): Hodgsons Zockorei kommt England teuer zu stehen. Es reicht nur für den zweiten Platz. Die sechs Änderungen von Hodgson haben sich nicht ausgezahlt.

The Telegraph: Wie kann es die Slowakei schaffen, England zu frustrieren? Und warum hat Roy Hodgson Wayne Rooney auf die Bank gesetzt?

Mirror: Bales Rache! Wales besiegt Russland und setzt sich an die Spitze der Gruppe B, während England Zweiter wird – aufgehalten von der Slowakei.

The Sun: Nur die zweite Geige! Roy Hodgson hat sich verzockt. Die Three Lions müssen sich mit dem zweiten Platz in der Gruppe begnügen, weil die mangelhafte Chancenverwertung die Mannschaft auch trotz der totalen Dominanz weiter verfolgt.

Stimmen zum Spiel Russland – Wales (0:3)

South Wales Argus (Wales): Wales reißt Russland in Fetzen. Großbritannien geht noch in dieser Woche an die Wahlurne, aber Wales zeigte keine Anzeichen, Europa in absehbarer Zeit verlassen zu wollen.

The Wrexham Leader: Unglaubliches Wales. Ein Sieg der totalen Dominanz gegen ein furchtbares Russland. Wales' große Spieler haben einen fantastischen Fußball gezeigt.

Southwest Evening Post: Wales vernichtet Russland und stürmt mit einer Vorstellung der Geschwindigkeit, Kraft und Klasse in die K.o.-Phase. Es war einfach nur großartig – und Englands Unentschieden gegen die Slowakei machte es nur noch besser.

Läuft bei der EMtaz:

Als singender BVG-Kontrolleur wurde Akboga mit „Is mir egal“ bekannt. Zur EM spricht er über seinen Song zum Turnier, Deutschlandflaggen und Orakeltiere. Doris Akrap hat ihn interviewt.

Der russische Rechtsextreme Shprygin taucht beim Spiel gegen Wales im Stadion auf. Er treibt sein Spiel mit den französischen Sicherheitsbehörden. Jens Uthoff hat sich die Posse genauer angeschaut.

Gegen defensive Gegner tut sich Löws Mannschaft bei dieser EM bislang schwer. Warum machen es dieselben Spieler beim FC Bayern besser? Johannes Kopp kann sich vorstellen, dass die DFB-Elf mehr Experimente wagt. Sid Meyer stellt die Taktik von Nordirland im Video vor.

Außerdem im Bewegtbild: In ihrem Restaurant im ehemaligen französischen Besatzungsgebiet im Berliner Wedding zeigt Marie Bézian Fußball in der Landessprache. Die Deutschen hätten keine Kultur, sagt die Wirtin – zumindest, wenn es ums Essen geht.

***

Montag, 20 Juni

Was geht heute? Langes Warten ist angesagt, bis über die TV-Geräte die wichtigste Hauptsache der Welt flimmert. Dafür werden ab 21 Uhr gleich zwei Spiele eröffnet, indem der Ball ganz unklassisch von einem Spieler zurückgespielt wird. Ist denn gar nichts mehr heilig, fragen sich die englischen Aus-dem-Mutterland-des-FußballsFußballfans vor dem Spiel gegen Slowenien erneut. Sportlich reicht ihrem Team ein Punkt, um mindestens als Zweiter der Gruppe B ins Achtelfinale einzuziehen. Bei einem Sieg wäre die Three Lions sogar Gruppenerster – und würden damit auch das Achtelfinal-Ticket für Deutschland lösen. Hat mit dem neuen KO-Modus zu tun. Düstere Aussicht für Rooney und Co.

Im zweiten Spiel zwischen Wales und Russland setzen die Waliser darauf, dass England sich mit einem Remis begnügt. Prompt zögen die Insel-Gartenzwerge als Erster in die Endrunde ein, ein Sieg gegen dopende und hoolende Russen vorausgesetzt.

Der Rasen war mal wieder Schuld…

… na klar! Trainer und Spieler haben nach dem 0:0 von Gastgeber Frankreich gegen die Schweiz den schlechten Rasen in Lille kritisiert. „Das ist eine Schande“, sagte der Schweizer Coach Vladimir Petkovic nach dem 0:0 seiner Mannschaft am Sonntagabend im letzten Spiel der Gruppe A. Der Rasen habe das Spiel sehr beeinflusst. „Das Spiel war gut, aber es hätte sehr viel besser sein können“, meinte Petkovic: „Ich hoffe, dass es gelingt, die Platzverhältnisse zu verbessern.“

Frankreichs Trainer Didier Deschamps wittert ohnehin eine große Verschwörung. „Ich weiß nicht, wer für den Platz verantwortlich ist, solche Verhältnisse sind aber in der Gruppenphase nicht gut“, sagte der ehemalige Nationalspieler. Deschamps hatte zuletzt in Marseille sein Unverständnis darüber geäußert, dass wenige Wochen vor der EM im Stade Vélodrome noch ein Konzert der Rockgruppe AC/DC stattgefunden hatte. Die Franzosen hatten am vergangenen Mittwoch in der südfranzösischen Hafenstadt gespielt.

Der Platz im Stade Pierre Mauroy von Lille sei nun zwar besser als in Marseille gewesen, „aber natülich ist das enttäuschend“, meinte Deschamps. Sollte im eigenen Land tatsächlich eine Rasenkampagne gegen das französische Team angezettelt worden sein, steckt ziemlich Marine Le Pen, Chefin des rechtsextremen Front National, dahinter. Schon im Vorfeld wurden vermeintliche Skandale lanciert und üble Gerüchte gestreut. Disharmonie herrsche in der multi-kulturellen Elf, hieß es.

Dass so viele Kicker jeglicher Coleur für französische Fußballfeiertage sorgen, passt dem ein oder anderen verblendeten Weißbrot nicht ins Konzept. Also wird auch noch am Rasen herumgebosselt. Skandal!

Kann aber auch sein, dass Deschamps und Petkovic nur den eigerntlichen Skandal überdecken wollten. War ja schon vor dem Spiel bekannt, dass ein 0:0 sowohl Franzosen als auch Schweizern rerichen würde. Prompt endet die Partie genauso…

Läuft bei der EMtaz:

Dass den Schweizern die Trikots reißen und der Ball platzt dient als zusätzliches Ablenkungsmanöver. Clever. Die Rumänen hätten gegen die Albaner also so laut schreien, dreckig grätschen und hoch siegen können, wie sie gewollt hätten – Platz zwei wäre nicht mehr möglich gewesen. Davon dermaßen deprimiert, gaben sie sogar Platz 3 noch her. Dämlich.

Spielfreie Tage braucht niemand. Es wäre deshalb sinnvoll, das Teilnehmerfeld von 24 auf 32 Teams aufzustocken, findet Jan Feddersen, den es stört, wenn um 15 Uhr keine Fußballspiele übertragen werden.

In Belgien jubelt die Angst mit. Razzien und die Festnahme mutmaßlicher Attentäter nährt die Sorge vor neuen Anschlägen. Hartgesottene wollen weiter auf die Fanmeile gehen, stellt Eric Bonse nichtsdestotrotz fest.

***

Sonntag, 19. Juni

Was geht heute? Oh Schock, oh Graus: Kein 15-Uhr-Spiel! Kein 18-Uhr-Spiel! Und um 21 Uhr dann gleich zwei Spiele zur gleichen Zeit, welch Verschwendung an Sendezeit. Danke Deutschland, danke „Schande von Gijón“.

Nun denn, in der Gruppe A treffen die Schweiz und Frankreich aufeinander, es geht für beide Teams um den Gruppensieg und damit um einen möglichst leichten Gegner im Achtelfinale.

Rumänien spielt gegen Albanien. Die Rumänen können bei einem Sieg (und einer Niederlage der Schweiz) noch Gruppenzweiter werden oder zumindest darauf hoffen, unter die vier besten Gruppendritten zu kommen. Albanien spielt wohl allein für eine nicht ganz so schlechte Statistik in den Fußball-Geschichtsbüchern.

Ohne Holland

… geht es für den FC Twente Enschede nicht. Der Klub bleibt in der ersten Fußballliga der Niederlande. Die Berufungskommission des niederländischen Fußballverbandes KNVB hob am Freitag eine frühere Entscheidung der Lizenzkommission auf, wonach der Verein degradiert wurde. Twente muss allerdings 180.000 Euro Strafe zahlen.

Wegen illegaler Investitionen hatte die Lizenzkommission den mit rund 32 Millionen Euro verschuldeten Verein im Mai mit dem Abstieg in die 2. Liga bestraft. Der Club hatte die Entscheidung erst vor einem Gericht angefochten, war dort aber unterlegen. Um den Druck auf den niederländischen Verband zu erhöhen, hatte Twente zwischenzeitlich damit gedroht, die Niederlande zu verlassen. Der Klub hatte die Spielzeit auf Platz 13 der Ehrendivision beendet.

Läuft bei der EMtaz:

Österreichs Torhüter Robert Almer wird dank seiner Paraden gegen Portugal zum Helden und lässt Cristiano Ronaldo verzweifeln. Er tritt damit in die Fußstapfen großer Turniertorhüter. Europameister in Verboten ist Frankreich schon jetzt. Patriotismus und Kroatien sind Synonyme. Daran ist die Uefa aber nicht unschuldig. Belgien 3, Irland 0. Ungarn 1, Island auch.

La Castellane heißt eine Siedlung im Norden von Marseille. Hier wurde der Weltfußballer Zinédine Zidane groß. Doch daran erinnert nichts. Ein Besuch in der Cité. Immer nur lesen ist langweilig? Nun gut, dann gibt's im taz-Futiklub die EM auch zum Hören.

Der Fußballphilosoph sinniert weiter. Im dritten Teil seiner Video-Serie beschäftigt er sich mit dem Fußball zu Zeiten der Medici in Florenz. Da war der Sport noch sauber, meint er. Auch Jilet Ayse legt in „Ej, Fußball (2)“ nochmal nach: „Von Elf Spielern sind neun Kanaken.“ Ebenfalls sehenswert: Eine Verabredung mit Wirtin Jean Clarke zum Fußballgucken in einem Irish Pub.

***

Freitag, 17. Juni

Was geht heute? Im 15-Uhr-Spiel (ZDF) stehen sich Italien und Schweden gegenüber. Den Spielplan der Schweden kennen wir bereits: Alle Bälle auf Zlatan, der wird schon treffen. Italien, die älteste Mannschaft des Turniers, hat das erste Spiel gegen Belgien mit 2:0 gewonnen. Nun sind die Italiener Tabellenführer und träumen sogar vom EM-Titel. Schweden enttäuschte zum Auftakt. Erst ein Eigentor nach zlatanischer Vorarbeit bescherte einen Punkt gegen Irland. Ergo: Heute heißt der Favorit Italien.

Um 18 Uhr (ZDF) spielen zum ersten Mal Kroatien und Tschechien in einem EM- oder WM-Turnier gegeneinander. Kroatien fällt vor allem mit seiner guten Mittelfeldreihe auf. Rakitic, Modric, Perisic, das switcht. Der 1:0-Sieg gegen die Türkei hätte auch deutlicher ausfallen können.

Tschechien unterlag Spanien 0:1, das war erwartbar. Gegen die Kroaten sind die Tschechen nun gefordert, auf dem Papier aber erneut Außenseiter. Zumal Vedran Corluka, der gegen die Türkei halb verblutete Kroate, sich wieder mit in die Schlacht stürzt.

Um 21 Uhr (ZDF) tritt abschließend die Türkei gegen Spanien an. Ein Punkt wäre schon ein großer Erfolg für die Terim-Truppe, drei Punkte wären ein türkischer Sommernachtstraum. Soll's fürs Achtelfinale reichen, muss er real werden. Den Angriffswirbel des Tiki-Taka-Spanien kann in der Theorie zwar jedes Team verteidigen; im Praxistest sind die Spanier aber meist immer noch überlegen. Prognose: Gilt auch heute Abend!

Pressestimmen zum Spiel Deutschland – Polen (0:0)

11Freunde: La (halbe) Mannschaft. Hinten hui, vorne naja.

SZ: Nein, ausgerechnet Deutschland und Polen, die beiden torgefährlichsten Teams, treffen das Tor nicht. Der DFB-Elf fehlt die Präzision, Polen hat die besseren Chancen.

Bild: Polen nullen Jogi ein.

Przeglad Sportowy (Polen): Die Polen sind einem historischen Weiterkommen nahe!

Super Express: Wir haben uns den Deutschen nicht ergeben. Die Weltmeister bestimmten wie erwartet das Spiel, aber die Weiß-Roten hatten bessere Chancen.

La Gazzetta dello Sport (Italien): Die polnische Mauer hält stand – Deutschland bleibt hängen und riskiert auch noch Gespött (…) Deutschland gelang es nicht zu treffen, weil die gesamte Offensivabteilung keine Schnelligkeit oder Ideen hatte.

Corriere della Sera: Langsames Deutschland

L'Équipe (Frankreich): Aus Mangel an Inspiration beißt sich der Weltmeister gegen eine erstaunliche polnische Mannschaft fest.

Mirror (England): Es gab keine Tore, doch nach einem langsamen Start war dies eine der unterhaltsameren Partien.

Marca (Spanien): Ein Superlangweiler. Das Spiel Deutschland gegen Polen war nur etwas für Liebhaber taktischer Varianten. Normalerweise machen die Deutschen alles richtig, aber diesmal nicht.

As: Dieses Deutschland macht niemandem Angst.

Läuft bei der EMtaz:

Frauen und Fußball. Uh, ähhh, hmmm, immer schwierig. Eigentlich finden wir das ja ganz ok, ABER warum verdammt nochmal muss denn der Kommentator eine KommentatorIN sein? Doris Akrap hat sich durchgelesen, wie übel ZDF-Frau Claudia Neumann nach ihrem ersten Spiel beschimpft wurde.

Viel besser erging's der deutschen Elf freilich auch nicht. Blutleere Offensive gegen Polen. Wegen einer falschen Neun? Daran lag's nicht, findet David Joram, der meint, dass diese Diskussion längst überholt ist.

Zurück zum ZDF: Welke und Kahn nehmen den Fußballzirkus nicht allzu ernst. Das tut gut. Allerdings kann man auch übers Ziel hinausschießen, meint Markus Völker und rügt den Titan.

Der Fußballphilosoph ist wieder da. Er erklärt im zweiten Teil, warum die Welt von der Hand auf den Kopf gestellt wird. Verrückt, wie so was geht.

***

Donnerstag, 16. Juni:

Was geht heute? Im 15-Uhr-Spiel (ZDF) gibt es ein rein britisches Duell: Die Waliser treten gegen die Engländer an. Der Turnier-Brexit ist in beiden Fällen jedoch eher unwahrscheinlich. Die Waliser haben dank ihrem Vorzeige-Rennpferd Gareth Bale ihr erstes Spiel gegen die Slowakei mit 2:1 gewonnen, also schon drei Punkte eingetütet. Die Engländer fingen sich in der Schlussphase gegen Russland ein unnötiges Kopfballtor zum 1:1 und haben deswegen bislang nur einen Punkt. Dafür sind sie heute gegen den kleinen Nachbarn Favorit. Wird eng für Wales.

Um 18 Uhr (ZDF) stehen sich die Ukraine und Nordirland gegenüber. Eine Partie, die soviel Spannung verspricht wie TV-Börsennews im Internetzeitalter. Immerhin ist die Partie einigermaßen existentiell. Beide Mannschaften verloren ihre erstes Spiel. Ukraine unterlag Deutschland mit 0:2, Nordirland konnte das 0:1 gegen Polen trotz Manndeckung nicht verhindern. Wer dieses Spiel verliert, hat gute Chancen auf einen längeren Sommerurlaub. Leute, denen dieses Spiel gefällt, kauften auch: „VHS – Karl-Heinz und Bernd Förster: Unsere schönsten Foulspiele“ sowie „Bildband – Beton: Magie aus Zement und Wasser.“

Um 21 Uhr (ZDF) spielt dann endlich Deutschland gegen Polen. Jogi Löw holte in seiner Amtszeit erschreckend wenig Punkte im jeweils zweiten Gruppenspiel eines Turniers. Die Defensive der DFB-Elf offenbarte bereits in der ersten Partie gegen die Ukraine kleine Schwächen. Heute folgt dann der Elchtest mit den Polen Arkadiusz Milik und Robert Lewandowski. Die sind dank eines guten Spiels gegen Nordirland weiterhin Geheimfavorit. Ins Achtelfinale kommen wohl beide Teams. Die Frage ist noch, wer Gruppenerster wird.

Verschwörung des Tages: AC/DC treten den Rasen kaputt

90 Minuten hat es am Mittwochabend gedauert, bis Antoine Griezman die Franzosen mit seinem Tor erlöste. In der ersten Halbzeit war das Gestolper von Payet und Co. kaum mit anzusehen. Schuld war allerdings nicht die gute Abwehrarbeit der Albaner oder der wegen mangelnder Disziplin fehlende Paul Pogba (trug Badeschlappen beim Mannschaftsessen), sondern Axl Rose – zumindest nach Ansicht von Frankreichs Trainer Didier Deschamps.

Der spielte mit seier neuen Band AC/DC am 13. Mai, also vor über einem Monat (!), im Marseiller Stade Vélodrome – zu viel für den empfindlichen Rasen. „Der Platz ist ein Desaster. Aber es ist kein Wunder, wenn du eine Woche vor der EM hier ein AC/DC-Konzert hast“, zürnte Deschamps nach der Partie.

Tatsächlich waren immer wieder Spieler beider Mannschaften ausgerutscht, Stürmer Olivier Giroud wechselte sogar nach ein paar Minuten die Schuhe. Aber was haben bitte die Rocker damit zu tun? Deschamps: „Als ich Bilder sah, wie Leute von dem Konzert kamen, da habe ich nur gedacht: Oh mein Gott.“

Das nächste Spiel der Franzosen gegen die Schweiz findet am Sonntag übrigens im Stade Pierre-Mauroy in Lille statt. Dort pflügten am Mittwoch noch die Russen über den Rasen. Wie gut, dass Frankreich schon fürs Achtelfinale qualifiziert ist.

Läuft bei der EMtaz:

Vor dem Frankreich-Spiel gegen Albanien gab es eine Schweigeminute. Gehört sich halt. Wer hingegen bei der Hymne schweigt, wird gerügt. Was soll das? Frédéric Valin plädiert dafür, bei der Nationalhymne einfach mal die Fresse zu halten.

Der ukrainische Schriftsteller Serhij Zhadan sprach mit Irina Serdyuk über die EM in Zeiten des Krieges. Und warum die Gesellschaft seines Landes viel von der Fanbewegung lernen kann. Denn in der Ukraine ist „von Fußballfieber keine Spur“.

Nach der Festnahme russischer Hooligans bei der EM bestellt Moskau den Botschafter ein. Die russische Regierung perfektioniert die Opferrolle. „Peinliches Mimimi“, kommentiert Andreas Rüttenauer.

Für die Hooligans ist es bislang eine erfolgreiche Europameisterschaft. Auch die Fanforscher beobachten mehr enthemmte Hooligans, die zudem den szeneeigenen Kodex kaputtkloppen. Umso mehr wundern sie sich deswegen über den Mangel an Kooperation französischer Behörden.

In der EMtaz-Video-Analyse erklärt das wandelnde Taktik-Lexikon Sid Meyer, wie der Pole spielt. Außerdem gibt es das wunderbare Video-Format „Ein Spiel wie gemalt“: In der ersten Folge hat Felia einen Nachklapp in 120 Sekunden für uns das Spiel zwischen Spanien und Tschechien aufgemalt. Schön.

***

Dienstag, 15. Juni:

Was geht heute? Den zweiten Spieltag der Vorrunde haben um 15 Uhr die russischen Krawallbrüder gegen die Slowakei eröffnet. Gewinnt Russland, ist zumindest Platz drei gesichert. Außer das Team fährt unsportlich heimwärts. Die Slowakei hat das erste Spiel gegen Wales 1:2 verloren – weshalb die Kozak-Kicker in Lille nicht umhin kommen, ihren Sparmodus aufzugeben.

Ab 18 Uhr wird gejodelt, die Schwiiz will mit einem Sieg gegen Rumänien das Achtelfinale buchen. Ob das im Pariser Prinzenpark auch gelingt, steht längst nicht fest. Nur dank ihres starken Torwarts Yann Sommer setzten sich die Eidgenossen im ersten Duell glücklich mit 1:0 gegen Albanien durch. Rumänien hatte den Franzosen zum Auftakt ganz artig die drei Punkte überlassen.

Der Gastgeber beschließt den EM-Tag um 21 Uhr im schönen Marseille, wo es im Stadé Vélodrome gegen Albanien wohl zivilisierter zugehen dürfte als zuletzt zwischen Engländern und Russen. Sportlich sind Les Bleus favorisiert, auch weil den Albanern Handballer Lorik Cana (Gelb-Rot-Sperre) fehlt.

Pressestimmen zum Spiel Österreich – Ungarn (0:2)

Der Standard: Österreich ist Österreich geblieben. Auch das vierte Match bei einer EM-Endrunde wurde nicht gewonnen. Präsenz der Ungarn und eigene Hektik erwiesen sich als toxische Mischkulanz.

Die Presse: Das Märchen wird zum Albtraum. Österreichs Spieler waren sich ihrer Favoritenrolle insgeheim bestimmt bewusst, wenngleich sie sie öffentlich nicht annehmen wollten. Doch die höhere individuelle Klasse von Alaba und Co. war an diesem Abend in Bordeaux nicht zu sehen.

Magyar Nemzet (Ungarn): Traumhafter Start! Das Land hat ein Fußballfieber gepackt, wie seit Jahrzehnten nicht mehr. 44 Jahre haben wir auf diesen Moment gewartet.

Magyar Hírlap: Traumstart. Unser Appetit ist angeregt. Die Mannschaft erreichte am ersten Spieltag schon mehr, als bei der EM insgesamt von ihr erwartet wurde.

Pressestimmen zum Spiel Portugal – Island (1:1)

O Jogo (Portugal): Portugal muss sich mit einem Unentschieden begnügen. Das ist enttäuschend – aber die Vergangenheit hat gezeigt, dass ein Fehlstart nicht so schlimm sein muss wie auf den ersten Blick befürchtet. Wir können noch immer Europameister werden!

Correio de Manha: Island friert die Euphorie ein. Vieirinha ist eine Abwehrkatastrophe, die irreparablen Schaden verursacht.

Frettabladid (Island): Helden! Unsere Mannschaft hat die Zeit auf der ganz großen Bühne eingefroren. Sie hat in Saint-Etienne Geschichte geschrieben.

#EMtaz

Die taz leuchtet jeden Winkel zum europäischen Gekicke aus! Auf den taz-Schwerpunktseiten zur EM bieten wir Satire und Analyse. Hintergründige Berichte und Analysen liefert etwa taz-Frankreichfahrerin Harriet Wolff. In der Stadt Évian, wo nun das DFB-Team residiert, ging es einst um die Rettung deutscher und österreichischer Juden. Das Ergebnis war desaströs, schreibt sie über das finstere Ende der Belle Époque.

Andreas Rüttenauer hat sich derweil die russischen Hooligans vorgenommen und stellt fest, dass die Uefa zwar den russischen Verband wegen seiner Hooligans verurteilt. Ein ultrarechter Fanvertreter allerdings sogar mit einer Akkreditierung durch Frankreich fährt.

Und die Holländer? Die haben es im Dorf Baarle besonders schwer. Baarle liegt nämlich in Belgien und den Niederlanden. In Zeiten der EM bedeutet das eine ganz besondere Art der Gleichzeitigkeit – zwischen (Dabei)Sein und Nichtsein.

Natürlich bilden auch wir uns eine Meinung. Zum Beispiel vom portugiesischen Fiesling Pepe, der gleichzeitig schwalben und treten kann. Nach einer Beinschere wurde er wüst beschimpft. Dabei müsste man ihm danken, findet David Joram.

Zurück zu Baarle. Nicht nur die Holländer müssen leiden, auch die Belgier. Warum der Hipster-Liebling bei dieser EM wieder nichts gewinnen wird, erklärt Ronny Müller.

Bewegte Bilder hat die taz ebenfalls im Angebot. „Der Fußballphilosoph“ erklärt, warum die großen Spiele alle gespielt sind. Nie im Abseits, sondern immer auf gleicher Höhe befindet sich Ex-Nationalspieler Jimmy Hartwig, der ganz genau weiß, wovon er spricht. Und was Claudia Roth und Taktikfuchs Sid Meyer in den EMtaz-Videos so von sich geben, hat deutlich mehr Nivea, äh Niveau, als Jogis Hosengriff. Ist aber mindestens genauso griffig!

.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben