Der Bürgerentscheid in Lichtenberg ist mangels Wählern gescheitert. Initiative fordert, dass Volksabstimmungen bindend werden. Das motiviere zum Urnengang.von SEBASTIAN HEISER

Verbindlich oder nicht? Volkswille in der Urne Bild:
Der gescheiterte Bürgerentscheid in Lichtenberg zeigt nach Ansicht der Vereins Mehr Demokratie, dass das Instrument reformiert werden sollte. "Wenn Bürgerentscheide zu Meinungsumfragen verkommen, schadet das der direkten Demokratie insgesamt, denn Bürgerinnen und Bürger fühlen sich von der Politik nicht ernst genommen", heißt es in einem Aufruf für mehr Verbindlichkeit bei Bürgerentscheiden, der von zahlreichen Politikern unterstützt wird.
Die Abstimmung war am Sonntag gleich doppelt gescheitert: Lediglich 36 Prozent der Abstimmenden sprachen sich für den Bau einer Supermarktfiliale an der Landsberger Allee aus, 64 Prozent waren dagegen. Zudem lag die Wahlbeteiligung deutlich unter den notwendigen 15 Prozent - nur 9,1 Prozent der Wahlberechtigten gingen in die Wahllokale. Eine Bürgerinitiative hatte 13.000 Unterschriften für die Globus-Filiale gesammelt, deren Bau das Bezirksparlament zuvor abgelehnt hatte mit der Begründung, dass dadurch kleinere Läden gefährdet seien. Das sah auch die Mehrheit der Wähler so.
Für Michael Efler von Mehr Demokratie ist damit das Vorurteil widerlegt, dass zu einem Bürgerentscheid immer nur die wenigen Befürworter gehen, während die schweigende Mehrheit zu Hause bleibt: "Das ist ein Beleg dafür, dass ein Quorum nicht notwendig ist." Die Hürde, erst einmal genug Unterschriften zu sammeln, sei ausreichend.
Doch selbst wenn die Warenhaus-Befürworter in der Mehrheit gewesen wären und sie auch das Quorum geknackt hätten: Die Entscheidung wäre nicht verbindlich gewesen, denn sie wird vom Senat statt vom Bezirk getroffen. "Ich vermute mal, auch dadurch lässt sich die geringe Wahlbeteiligung erklären", meint Efler. Wenn das Ergebnis am Ende ohnehin nicht zählt, sei es nicht sehr attraktiv, sich an der Abstimmung zu beteiligen.
Zusammen mit einer bunten Mischung von Politikern fordert Mehr Demokratie daher, dass Bürgerentscheidungen auf Bezirksebene verbindlicher werden. Von den bisher 27 Berliner Begehren war nur eines komplett verbindlich, zwei waren es teilweise. Efler: "In nahezu allen Fällen ist die Bevölkerung auch nach einem erfolgreichen Bürgerentscheid auf das Wohlwollen des Bezirksamts oder des Senats angewiesen, weil viele Bürgerbegehren nur ersuchende oder empfehlende Wirkung hatten."
Der Hintergrund: Die Bürger können nur die Entscheidungen an sich ziehen, die beim Bezirksparlament liegen. Dieses hat allerdings gegenüber der Bezirksverwaltung nur eingeschränkte Rechte, es kann häufig nur Wünsche und Anregungen äußern. Darum fordert die Initiative, dass Bezirksparlamente ein allgemeines Entscheidungsrecht über alle Bezirksaufgaben erhalten.
Die Forderung wird von Politikern der verschiedensten Parteien unterstützt, etwa von Volker Ratzmann, dem Fraktionsvorsitzenden der Grünen im Abgeordnetenhaus: "Die Stimme der Bürgerinnen und Bürger muss zählen", findet er. Mit dabei sind auch Dagmar Pohle (Linke), Bezirksbürgermeisterin in Marzahn-Hellersdorf, Henner Schmidt (FPD-Abgeordneter), Johannes Kraft (CDU-Fraktionsvorsitzender im Bezirksparlament Pankow), Marianne Suhr (Vorsteherin des Bezirksparlaments Charlottenburg-Wilmersdorf) und Andreas Baum (Piratenpartei-Vorsitzender).
Auch Andreas Rudek vom Berliner Wassertisch unterstützt die Forderungen: "Es darf nicht der Eindruck entstehen, dass die Anstrengungen der Bürger politisch nicht ernst genommen werden." Direkte Demokratie müsse auf allen Ebenen politischer Entscheidungsfindung ausgebaut und gestärkt werden.
Plötzlich teilt auch der Senat die Forderung des Volksbegehrens, den S-Bahn-Vertrag zu veröffentlichen. Eine Fassung steht schon im Netz - allerdings teils geschwärzt. von Stefan Alberti

Egal ob in Ost-, West-, Südeuropa oder in Kaschmir – überall ist es kalt. Verdammt kalt. Für viele Menschen ist das dramatisch und sogar lebensgefährlich. Aber die Kälte bringt auch Schönes und Erfreuliches.

77.000 Deutsche reisen jährlich auf die Malediven. Gerade herrschen Turbulenzen im Inselparadies: Soldaten schlagen Polizisten und die schlagen den Präsidenten. Am Ende geht nicht die Insel, sondern der Präsident unter.

Ob Ei, Mehl, Schuh oder Torte, schon so mancher Politiker wurde in der Vergangenheit Opfer einer Zuschauerattacke. Wer hat was abbekommen?

Einfach nur gebrauchte Computer verkaufen ist ja wohl langweilig. In diesem Laden in Österreich gibt es außerdem Palatschinken, einen schnelldrehenden Flohmarkt und seeeeehr viele Hinweisschilder. Irre!

Leserkommentare
23.03.2010 16:49 | uwe fessler
Bürger hatten noch nie etwas zu sagen. Wir durften noch nicht einmal die Verfassung ratifizieren, obwohl das die alliierten ...
23.03.2010 12:56 | Tillmann
Das beste ist ja, dass in ca. 200m Entfernung, gerade ein ähnliches Möbelhaus dicht gemacht hat. ...
23.03.2010 11:08 | Verleger
Mangelndes Interesse und mangelnde Durchsetzungskraft untergraben zwar die direkte Demokratie - aber das einfach nur festzu ...