Hilfe für Flüchtlinge vor dem Aus

Grünflächen statt Flüchtlingsarbeit

Seit zwei Jahren dient das Hamburger „Zongo“ als Anlaufstelle für afrikanische Flüchtlinge. Nun soll das Gebäude einem Grünstreifen weichen.

Gibt es nicht mehr lange: kostenloser Deutschunterricht für Flüchtlinge im Zongo. Bild: Miguel Ferraz

HAMBURG taz | Nana Asanteewa Asafu-Adjei hat Tränen in den Augen, als Fobay, ein gambischer Flüchtling, erzählt, wie dankbar er ihr ist. Vor zwei Jahren gründete die 38-Jährige eine Anlaufstelle für afrikanische Flüchtlinge – das Zongo. Rund 150 Afrikaner nehmen dort täglich Hilfe in Anspruch, bekommen eine kostenlose medizinische Versorgung, eine warme Mahlzeit, Kleidung und Deutschunterricht. Ab Samstag ist damit Schluss, denn das Gebäude steht vor dem Abriss.

„Das Projekt ist ganz spontan, aus der Not heraus entstanden“, sagt die Initiatorin, „und spontane Dinge finden manchmal ein schnelles Ende.“ Sie habe es schrecklich gefunden, wie viele Flüchtlinge nach Hamburg kämen und keinen Anspruch auf Hilfe hätten. Um dagegen etwas zu tun, organisierte sie während der Lampedusa-Proteste 2013 die Essensversorgung mit.

Anfangs kochte sie zu Hause. Später überzeugte sie die St.-Pauli-Kirche – die 80 Flüchtlinge bei sich aufgenommen hatte – von der Idee, einen permanenten Versorgungspunkt für die Lampedusa-Flüchtlinge einzurichten. In einem alten Gebäude auf dem Gelände der St.-Trinitatis-Kirche an der Königstraße fand sich Platz.

„Das Haus wurde nach dem Krieg als Not-Kapelle errichtet“, sagt Britta Eger, Pastorin der Kirchengemeinde St. Trinitatis. Es habe immer wieder Versuche gegeben, die Räume mit Leben zu füllen, zuletzt stand das Gebäude jedoch lange Zeit leer. „Und als die St.-Pauli-Gemeinde uns dann nach einer Räumlichkeit für das Zongo fragte, boten wir ihnen die alte Not-Kirche an“, erzählt die Pastorin.

Im Zongo erhalten afrikanische Flüchtlinge

eine warme Mahlzeit täglich, die aus Spenden der St.-Pauli-Gemeinde und Hamburger Tafel zubereitet und um 19 Uhr ausgegeben wird

einen Schlafplatz tagsüber, da sie nachts keine Unterkunft haben

kostenlosen Deutschunterricht einmal wöchentlich von freiwilligen Lehrern

medizinische Versorgung durch ehrenamtliche Homöopathen

Hilfe bei der Übersetzung von Behörden-Schreiben, da das Zongo generell als Vermittler zwischen Flüchtlingen und Behörden fungiert

rechtliche Beratung

Kontakt: die Möglichkeit, sich mit anderen afrikanischen Flüchtlingen auszutauschen, die denselben Hintergrund haben und dieselbe Sprache sprechen

Das Projekt sei jedoch von vornherein nur für eine bestimmte Zeit angelegt gewesen, sagt sie und diese Zeit endet am Freitag. Sieghard Wilm, Pastor von der St.-Pauli-Kirche, erzählt: „Eigentlich hätte das Zongo schon im September geschlossen werden sollen, denn das Gebäude ist sehr baufällig.“ Dennoch habe er bei der St.-Trinitatis-Gemeinde durchgesetzt, dass das Zongo „wenigstens so lange wie das Winternotprogramm“ laufe.

Nun ist der Vertragszeitraum jedoch endgültig abgelaufen – am Freitag wird Zongo-Betreiberin Nana Asanteewa Asafu-Adjei die letzte Mahlzeit servieren. Die Einrichtung kann sie vorerst da lassen, denn das Gebäude wird bis zum Abriss in ein bis zwei Jahren leer stehen, wie Michael Benthack, Geschäftsführer der Eva-Immo-West sagt.

Dass die ehemalige Not-Kirche abgerissen und nicht saniert werden soll, hat den Grund in ihrer Lage. Sie steht in einem grünen Band, das vom Hafen aus, rechts an der St.-Trinitatis-Kirche vorbei, nach Altona hinein führt und nur durch die ehemalige Not-Kapelle unterbrochen wird.

Ob es das Zongo eines Tages an einem anderen Ort geben wird, kann Zongo-Betreiberin Nana Asanteewa Asafu-Adjei zurzeit nicht sagen. Sie habe den Flüchtlingen eindeutig kommuniziert, dass das Zongo schließen müsse, weil der Mietvertrag endet: „Die meisten können es nicht glauben und denken, ich reiße in letzter Sekunde noch das Ruder herum“, erzählt die gebürtige Frankfurterin, deren Eltern aus Ghana stammen.

Sie respektiere die Entscheidung der Kirchen und sei ihnen für die viele Unterstützung, die sie erhalten habe, sehr dankbar, denn „ohne sie wäre das Projekt nicht möglich gewesen“. Die St.-Pauli-Gemeinde bezahlt aus Spendengeldern die Miet- und Lebensmittelkosten für das Zongo und die Nordkirche der Betreiberin ein festes Gehalt.

Zudem sind die Pastoren der St.-Pauli-Kirche gemeinsam mit dem Diakonischen Werk Hamburg seit Monaten auf der Suche nach einem neuen Gebäude, um dem Projekt eine Zukunft zu geben. „Das ist jedoch nicht einfach, weil die Räumlichkeit möglichst zentral liegen und für alle afrikanischen Flüchtlinge offen sein soll“, sagt Pastor Wilm.

 

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