Feminismus-Debatte auf Twitter

Das ist unser Hashtag!

Ein US-Radiomoderator rief einen Hashtag zur Diskreditierung von Feminist_innen ins Leben. Diese drehten den Spieß einfach um.

Die Raute-Taste gehört nicht dem Antifeminismus. Bild: dpa

BERLIN taz | „Dies ist die Koalition aus gesundem Menschenverstand und Comedy. Dies ist Morning Blaze mit Doc und Skip“, so begann der US-amerikanische Radiosender The Blaze am vergangenen Dienstag wie üblich sein Morgenprogramm. Doch so viel Aufmerksamkeit wie an diesem Morgen kam dem konservativen Sender, der vom ehemaligen Fox-News-Moderator Glenn Beck gegründet wurde, wohl noch nie zu.

Bereits einen Abend zuvor rief Moderator Doc Thompson den Twitter-Hashtag #HowToSpotAFeminist ins Leben, unter dem Eigenschaften von Feministinnen gesammelt werden sollten. Er selbst griff tief in die Klischeekiste und behauptete, dass man Feministinnen am Stil, der Menge und des Ortes ihres Haarwuchses erkennen könne.

Und weiter: „Wie viele wirklich, ich meine wirklich übertrieben atemberaubend heiße Frauen sind Feministinnen? Keine einzige! Es sind die bequeme Schuhe tragenden, unattraktiven, Ich-kann-mit-dem-Aussehen-anderer-Frauen-nicht-mithalten-Frauen.“

Im Dialog mit seinem Sidekick Skip ließ sich Thompson auch über die UN aus. In deren Bericht „Progress of the World's Women 2015 – 2016“ heißt es unter anderem, dass die Politik unbezahlte und häusliche Arbeit, die von Frauen geleistet wird, anerkennen, reduzieren und umverteilen solle. Thompson entgegnete daraufhin nur verächtlich, die UN verhalte sich wie eine nörgelnde Ehefrau.

Relativierung der Ungleichstellung

David, ein Anrufer aus Santa Monica, wurde hinzugeschaltet. „Feministinnen sind doppelarschig: arschhässlich und arschhässlich“, so sein Beitrag. „Es sind Kommentare wie diese, die wirklich, wirklich lustig sind“, entgegnete Thompson, der sich im Anschluss daran machte, die Ungleichstellung von US-amerikanischen Frauen zu relativieren. Man könne US-Amerikanerinnen nicht mit dem Rest der Welt zusammenwerfen, damit würde Frauen, die nicht den USA leben, ein Bärendienst erwiesen werden.

Die „Feminazis“ würden sich über photogeshoppte Magazincover aufregen, während anderswo viel schlimmere Dinge passieren. Außerdem würden auch Menschen aus anderen Gründen schlecht behandelt, es hätte also nichts mit dem Frau-Sein zu tun, wenn ein Mensch schlecht behandelt würde.

Mit dieser Hasstirade stieß Thompson zunächst auf offene Ohren. Viele Twitter-Nutzer folgten seinem Beispiel und ließen sich über das Aussehen oder die Weinerlichkeit von Feministinnen aus.

Die feministische Netzgemeinde ließ dies nicht lange auf sich sitzen. Sie eroberte sich den Hashtag zurück und wendete ihn ins Positive. Manche, wie die Schauspielerin Kristen Schaal, bekannten sich klar zu ihrem Feminismus. Der Hashtag wurde nicht mehr als ein Makel, sondern als ein Zeichen der Stärke interpretiert:

Andere Twitter-User machten sich eher über das Macho-Gehabe lustig. So schrieb eine Nutzerin, dass sie Flaschen voller Männertränen mit sich herumtragen würde, um nicht zu dehydrieren.

Es zeigte sich auch, dass nicht nur von Feministinnen gesprochen werden sollte, wie Thompson es tat, sondern von Feminist_innen. Viele Männer stiegen in die Diskussion mit ein. Ein Nutzer twitterte, dass all die diejenigen feministisch denken würden, die bemerkt haben, dass das 19. Jahrhundert vorbei ist.

Thompson meinte, er sei schockiert, dass es so viele kritische Menschen gebe. Er wollte lediglich seinem Kumpel Skip helfen, damit dieser beim Dating wisse, um wen er einen Bogen machen soll. Er wollte etwas Gutes tun. Nun, das Ergebnis, die Rückeroberung des Hashtages für Frauenrechte, ist schließlich auch etwas Gutes.

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