Die rechte Rockband "Kommando Freisler" covert ein Lied von Annett Louisan, um die Selbstbestimmung der Frauen anzugreifen. Der Ärger um die fehlende Lizenz scheint kalkuliert zu sein.von ANDREAS SPEIT

Das Covern von Liedern ist unter rechten Bands beliebt. Betroffen ist jetzt Annett Louisan (Foto). Bild: ap
Die Melodie vom Song "Pitbull" ist eingängig. Hat die Rechtsrockband "Kommando Freisler" sie doch auch übernommen vom Lied "Das Spiel" von Annett Louisan. Die Band um Oliver Keudel singt von einem Hundeangriff: "Wird es erst mal ernst, reißt er sich gerne los und dann sag ich bloß: Der will doch nur spielen, der tut doch nix". Die Version bringt der Band nun Ärger. "Wir werden rechtlich gegen diese unautorisierte Verwendung vorgehen", sagt Michael Böttcher, vom Management Annett Louisans der taz.
Auf der neuen CD "FSK 18" der Band ist der Song veröffentlicht. "Wie er sich festbeißt, dich zu Boden schmeißt, wie er dich zerreißt, der will doch nur spielen" intoniert die Band und "Du hast keine Chance, weißt jetzt was es heißt, das Opfer zu sein (...) Ich steh nur so rum, tu dies und das". 2003 hatte die Gruppe ihr Erstlingswerk veröffentlicht, das den Nachnamen des Präsidenten des Volksgerichtshofs, Roland Freisler, trägt. Im Booklet war Freisler mit Hitler-Gruß abgebildet, außerdem mehrere Hakenkreuzfahnen.
Schon damals hatte Keudel, der im niedersächsischen Bad Lauterberg das Tattoostudio "Zettel am Zeh" unterhält, bekannte Lieder wie "Der Nippel" oder "Im Wagen vor mir" mit Hasstexten neu eingespielt. "Annett wird entsetzt sein", betont Böttcher und fragt sich, warum eine Band mit so einem Namen überhaupt erlaubt sei.
Die CD kann über den "W & B Versand" aus dem thüringischen Fretterode bezogen werden. Auf der Website stellt der Versand- und Labelinhaber Thorsten Heise die Eigenproduktion vor: "14 Titel, die vor Witz und Ironie nur so sprühen". Heise, der seit Jahren im NPD-Bundesvorstand ist, wirbt auch gleich mit erwarteten Rechtsstreits: "Es wird den Oberen unserer Freiesten Republik (...) wieder nicht gefallen, was sie da hören müssen. Deshalb zugreifen, bevor die Scheiben auf der Tombola vom Polizeisportverein landen!".
Heise hat wie Keudel einschlägige Erfahrungen mit dem Rechtsrockgeschäft. Die CD "Geheime Reichssache" des "Kommando Freisler" brachte beiden bereits Ermittlungen ein. Im Oktober 2007 durchsuchte die Polizei Heises Grundstück aufgrund dieser Produktion. Gut zwei Jahre später, im November 2009, verurteilte das Amtsgericht Herzberg Keudel wegen Volksverhetzung zu einer Geldstafte von 3.000 Euro. Auf ihrer CD "Geheime Reichsache", so Oberstaatsanwalt Hans Hugo Heimgärtner, waren "extrem volksverhetzende Texte".
Die neue Produktion überrascht Martin Langebach nicht. Das Covern bekannter Songs kommt bei Rechtsrockfans gut an, weiß Langebach, der mehrere Studien über rechtsextreme Musik herausbrachte. Er denkt, dass "Das Spiel" bewusst mit so einem brutalen Text eingespielt wurde, um auch die Botschaft des Originals, die sexuelle Selbstbestimmung von Frauen, anzugreifen. "Die Band ist Kult", betont Langebach und hebt hervor: "Heise gehört zu den wichtigsten Strippenziehern im Rechtsrock". Im Versandangebot des NPD-Bundesvorstandsmitglieds sind aber nicht bloß CDs und Szenebekleidung zu finden. Er bietet auch gleich Schlagstöcke, Pfefferspray und mit Quarzsand gefüllte Handschuhe an.
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Einfach nur gebrauchte Computer verkaufen ist ja wohl langweilig. In diesem Laden in Österreich gibt es außerdem Palatschinken, einen schnelldrehenden Flohmarkt und seeeeehr viele Hinweisschilder. Irre!

Leserkommentare
24.03.2010 12:53 | sinDY
Gabs doch bei den Zillertaler Türkenjägern schon....Langweilig!
23.03.2010 18:53 | Gunner
@ Luise: Nein, das fragt sich garantiert nicht.
23.03.2010 13:17 | Andreas
Unter uns sind wir hier bei der taz nicht. Google ist nicht der Name einer Brokkolicremesuppe und führt viele Internetbenut ...