Die FDP will nicht, dass die Bildungssenatorin weiter versucht, den Aufbau einer alternativen Grundschule mit juristischen Mitteln zu stoppenvon Kristin Kielon

Reformschule kann Spaß machen. Bild: dpa
Vor knapp drei Wochen fällte das Bremer Verwaltungsgericht sein Urteil: Das Konzept der "Freien Schule" sei als "besonderes pädagogisches Konzept" anzuerkennen. Die Richter wiesen damit das Argument zurück, mit dem die Schulbehörde dem Projekt die Zulassung verweigert hatte. Doch weil die Behörde sich möglicherweise weiter querstellt, bekommt die alternative Schulinitiative nun politische Schützenhilfe: Heute hat die FDP in der Bürgerschaft eine aktuelle Stunde beantragt, um die Senatorin aufzufordern, keine Rechtsmittel gegen das Urteil einzulegen.
Wie Ressortsprecherin Karla Götz gestern sagte, werde die Urteilsbegründung noch erwartet. Sobald die da sei, prüfe das Ressort, ob es in Berufung gehen wolle. "Wenn die Begründung des Gerichts kommt, entscheiden wir zügig", sagt Götz. Bevor das möglich ist, muss Bildungssenatorin Renate Jürgens-Pieper (SPD) die Zulassung einer Berufungsverhandlung erst einmal beim Oberlandesgericht beantragen.
Sven Golchert von der Initiative Freie Schule sieht die juristische Auseinandersetzung gelassen. Für ihn spielt die Behörde nur auf Zeit, Golchert sieht "keine juristischen Möglichkeiten" für eine erfolgreiche Berufung.
Keineswegs kalt lässt ihn aber der Vorwurf der Bildungsbehörde, die Initiative Freie Schule würde die Stadt sozial und bildungspolitisch spalten. Golchert findet, dass seine Initiative genau das Gegenteil tut: "Wir wollen in den Stadtteil hineinwirken und dort ein solidarisches Projekt sein, bei dem soziale Unterschiede ausgeglichen werden." Er sieht die gesellschaftliche Spaltung vielmehr im staatlichen Schulsystem. So bedeute etwa die Empfehlung für das Gymnasium eine Auslese schon ab der zweiten Klasse.
Das sieht auch der Erziehungswissenschaftler Johannes Beck so. Die Frage, ob es das eigene Kind schaffe, sich im System zu behaupten, hänge bei vielen Eltern "wie ein Damoklesschwert über dem Kopf", sagte Beck am Dienstag bei einem Pressegespräch der Freien Schule.
Rückendeckung bekommt die Initiative auch vom Paritätischen Wohlfahrtsverband. Dessen Vorstandsmitglied Wolfgang Luz will "die starren Strukturen auseinanderreißen". Am besten sollten alle staatlichen Schulen in Schulen in freier Trägerschaft umgewandelt werden, die nur unter staatlicher Aufsicht stehen, findet Luz.
Den Vorwurf, dass eine Freie Schule Gebühren kassieren müsse und dadurch nur Kindern reicher Eltern offensteht, hält Luz Verbandskollege Gerd Wenzel für einen "rein politischen Sachverhalt", den nur die Senatorin selbst durch eine gerechtere Finanzierung auflösen könne.
In diesem Punkt pflichtet ihm auch der bildungspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Magnus Buhlert, bei: "Das ist von der Bildungsbehörde selbst verursacht. Wenn die Schulen in freier Trägerschaft in gleicher Höhe finanziert würden wie staatliche Schulen, dann bräuchten sie auch kein Schulgeld zu verlangen."
Bildungssenatorin Renate Jürgens-Pieper will sich heute in der Bürgerschaft zum Thema äußern. Die Freie Schule treibt die Realisierung ihres Projekts ungeachtet der Diskussion weiter voran. Susanne Wenthe von der Initiative sagte, sie suchen derzeit nach einem passenden Gebäude und würden bereits zum nächsten Schuljahr mit dem Alternativunterricht beginnen, "wenn der Willen auf der Seite der Behörde da wäre".
"Wenn freie Schulen so finanziert würden wie staatliche, müssten sie kein Schulgeld nehmen".
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