Kommentar von DANIEL BAX
Ein Parteiausschluss sollte stets das letzte Mittel sein. Die Frage ist zudem: Was bringt diese symbolische Geste überhaupt? Schließlich besteht immer die Gefahr, aus einem eitlen Dummschwätzer wie Thilo Sarrazin einen Märtyrer der Meinungsfreiheit zu machen, wenn man ihn für seine Äußerungen mit Ausschluss bestraft.
Trotzdem, im Falle des früheren Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin ist die Entscheidung, ihn in der Partei zu behalten, ausgesprochen feige. Sarrazins Äußerungen über Einwanderer seien nicht im klassischen Sinne rassistisch, also biologisch begründet gewesen, befand die Schiedskommission. Immerhin habe sich die Häme des Bundesbank-Aufsichtsrats auch gegen Teile der deutschen Bevölkerung gerichtet. Ach was. Das genau war doch der Skandal: dass Sarrazin seine Ressentiments gegen Hartz-IV-Bezieher nun mit Seitenhieben gegen türkische und arabische Einwanderer rassistisch aufgeladen hatte. Dass er von biologistischem Denken nicht frei ist, zeigte sein peinlicher Vergleich mit osteuropäischen Juden, denen er einen höheren IQ attestierte.
Auffällig ist, wie schwer sich die SPD damit tut, auf parteischädigendes Verhalten zu reagieren. So war es schon, als Wolfgang Clement der hessischen SPD-Spitzenkandidatin Andrea Ypsilanti im Wahlkampf vors Schienbein trat. So ist es nun im Fall Sarrazin, der gegen bestimmte Bevölkerungsgruppen austeilt. Auch die CDU musste sich erst dazu durchringen, ihren Abgeordneten Martin Hohmann wegen antisemitischer Äußerungen auszuschließen - aber sie hat es getan. In der SPD dagegen war man von Anfang an daran interessiert, den Streit zu verschleppen und ihn jetzt betont beiläufig beizulegen.

Daniel Bax ist Redakteur im taz-Meinungsressort. Foto: taz
Es spricht wenig dafür, dass der Konflikt damit aus der Welt ist. Denn so, wie man Sarrazin kennt, wird er sich durch das Urteil bestätigt fühlen und künftig erst recht kein Blatt vor den Mund nehmen. Gut möglich also, dass sich die SPD bald wieder mit seinen dummen Sprüchen wird beschäftigen müssen.
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Ob Ei, Mehl, Schuh oder Torte, schon so mancher Politiker wurde in der Vergangenheit Opfer einer Zuschauerattacke. Wer hat was abbekommen?

Einfach nur gebrauchte Computer verkaufen ist ja wohl langweilig. In diesem Laden in Österreich gibt es außerdem Palatschinken, einen schnelldrehenden Flohmarkt und seeeeehr viele Hinweisschilder. Irre!

Leserkommentare
18.03.2010 10:51 | Fritz Katzfuß
Auch ich bin enttäuscht, und verabscheue diesen Traumtänzer, denke aber, dass Leute wie Sarrazin tatsächlich zur SPD passen ...
17.03.2010 10:21 | Mare
Naja, Herr Bax, was ist wohl Parteischädigender, ein Herr Sarrazin, oder aber neoliberale Parteiführer, wie Schröder, Cleme ...
17.03.2010 09:43 | Victor
1) ...