Anwohner der Invalidenstraße wollen gegen den Umbau vor ihrer Haustür klagen. Auch die Grünen sind gegen die Senatsplanungen - sie wollen Vorfahrt für die Straßenbahn und weniger Platz für Autos. von KRISTINA PEZZEI

Hier soll irgendwann mal die Tram durch: Die Invalidenstraße in Berlin-Mitte Bild: Reuters
Die Invalidenstraße in Mitte wartet auf ihren Umbau. Seit Jahren ist geplant, die Straßenbahn vom Nord- bis zum Hauptbahnhof zu verlängern, vier Spuren für Autos und Tram anzubieten. Die zuständige Senatsverwaltung hat die Bevölkerung zwei Mal befragt, zwei Mal gab es Einwände, wurde nachgebessert. Nun lag der Beschluss aus, wie die Straße zwischen Nord- und Hauptbahnhof künftig aussehen soll - doch bis die Bauarbeiten beginnen, dürften weitere Jahre ins Land gehen. "Wir klagen", bekräftigte am Montag Carl Loyal von der Anwohnerinitiative. Er ist Teil einer Klägergemeinschaft, die vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) betreut wird.
Eigentlich sollte die Straße schon erneuert werden, als der Hauptbahnhof vor vier Jahren eröffnet wurde - der neue Knotenpunkt sollte in die Infrastruktur der Stadt eingebettet werden. Der Senat möchte die Tram verlängern, die Invalidenstraße soll auch am Nadelöhr Chausseestraße vierspurig werden und sich diese Spuren größtenteils mit der Tram teilen.
Dagegen laufen vor allem die Grünen Sturm. Sie fordern eine eigene Spur für die Straßenbahn, damit die schneller unterwegs sein kann. Grüne und Anwohner demonstrierten am Montag mit einer selbstgebastelten, per Fahrrad betriebenen Tram für den Bau des Straßenbahnabschnitts. "Wir warten seit Jahren", sagte die verkehrspolitische Sprecherin Claudia Hämmerling.
Die Grünen befürchten, dass der Bau der Tram-Trasse auf der Strecke bleibt, wenn der Senat seine Pläne nicht überarbeitet und die Anwohner vor Gericht erfolgreich sind. Loyal und seine Nachbarn wollen wegen der erwarteten Lärm- und Feinstaubbelastung klagen. "Der Senat muss sich eine Lösung überlegen, mit der die Grenzen eingehalten werden", sagte Loyal, Inhaber eines Hotels an der Straße. Er brachte eine Untertunnelung des Viertels ins Spiel, wie vom Autofahrer-Club ADAC vorgeschlagen.
Tatsächlich geht die Senatsverwaltung davon aus, dass mit ihren Planungen Lärm- und Feinstaubwerte überschritten werden. "Das gilt aber nur für die Worst-Case-Betrachtung", sagte die zuständige Fachbereichsleiterin Katrin Vietz der taz. Es sei gut möglich, dass etwa dank technischer Innovationen die Grenzwerte eingehalten würden. Im Vergleich zum derzeitigen Zustand sei der geplante Umbau "an vielen Stellen eine Verbesserung". Würden die Grenzwerte überschritten, erhielten die Anwohner Lärmschutzfenster, bei zu hohen Feinstaubwerten sollen Lastwagen auf der Strecke verboten werden.
Vietz betonte, dass die Lösung für den Senat die einzig denkbare sei. Eine eigene Straßenbahn-Spur komme nicht in Frage, da mit nur drei Auto-Fahrbahnen die Verkehrsmenge nicht bewältigt werden könne. Einbahnstraßenlösungen, wie vom BUND vorgeschlagen, seien aus verkehrsplanerischen Gründen ebenfalls unmöglich. Der Senat geht ungeachtet der angedrohten Klagen davon aus, dass erste Bauarbeiten noch in diesem Jahr beginnen.
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Leserkommentare
16.03.2010 10:13 | Dirk
Oh Hilfe. Der Verschlag der Untertunnelung ist wirklich grandios. Es sollte alle Autostraßen in Berlin in den Untergrund ge ...