Neonazis spalten Mecklenburg-Vorpommern von Restdeutschland ab - klingt bescheuert, ist es auch: Der Sat 1 Film "Die Grenze" versagt kolossal.von DAVID DENK

Katja Riemann macht die Merkel in "Die Grenze". Bild: sat 1
Diesmal sind es nicht die Aleviten, sondern die Ossis: Schon vor der Ausstrahlung des neuen teamWorx-Eventzweiteilers "Die Grenze" kritisierte Norbert Nieszery, der SPD-Fraktionsvorsitzende im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern, dass der mit 160.000 Euro vom Land geförderte Film den Nordosten in ein schlechtes Licht rücke.
Mal ganz abgesehen davon, dass ja wohl niemand ernsthaft einen dreistündigen Werbefilm erwartet haben wird, ist Nieszerys Sorge um das Image seines Bundeslandes unbegründet. In ein schlechtes Licht rückt "Die Grenze" nämlich ausschließlich seine Macher. Das muss man so hart sagen, denn derart für dumm verkauft hat man sich als Zuschauer selten gefühlt. Wie kann es passieren, dass Regisseur Roland Suso Richter und Produzent Nico Hofmann, ein eingespieltes Team, beide ebenso erfahren wie renommiert ("Mogadischu", "Dresden"), so ärgerlich danebenlangen?
Mit nicht nachvollziehbarem selbstberauschtem Pomp feierte der Film, eine Fernsehproduktion wohlgemerkt, vor knapp zwei Wochen Premiere am Potsdamer Platz in Berlin. Die Ankunft der Hauptdarsteller wurde live ins Kino übertragen, inklusive der - nun ja - einfachen Fragen von Sat.1-Moderatorin Verena Wriedt. Hinter der Absperrung drängten sich die Kamerateams, viele davon mit Sat.1-, ProSieben- oder N24-Logo. Um ein bisschen Wichtigkeit zu behaupten, ist so eine Senderfamilie schon ziemlich praktisch.
"Was wäre, wenn Deutschland wieder gespalten würde?" - mit dieser Frage ließ Sat.1 das ganze Land zuplakatieren. Das Geld hätte man mal besser in die Entwicklung des Drehbuchs von Christoph und Friedemann Fromm (Bearbeitung: Christoph Darnstädt) gesteckt. Denn die Story von "Die Grenze" - entstanden übrigens nach einer Idee von Produzent Hofmann selbst - ist dünn, die Dialoge sind hölzern, und vor allem fragt man sich, ob es wirklich dieser Film war, über den Hofmann mal sagte: "Wir gehen an die Schmerzgrenze … Wenn dieser Film keine kontroverse Debatte auslöst, haben wir etwas falsch gemacht."
Ersteres trifft zu, aber wohl anders, als Hofmann sich das vorgestellt hat. Und der zweite Punkt? Die ersehnte Debatte scheitert schon daran, dass den Filmemachern kein Politthriller gelungen ist, sondern allenfalls die Karikatur eines solchen, in dem die rechten Saubermänner im Glaspalast weiße Anzüge tragen und die Sozialisten ihre NVA-Uniformen rauskramen und am Lagerfeuer Schnäpse kippen.
Beide Lager erhalten durch eine von weltweiten Terroranschlägen auf Ölraffinerien verschärfte Wirtschaftskrise enormen Zulauf. Bei den Landtagswahlen bahnt sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Neonazi Maximilian Schnell (Thomas Kretschmann) und Altsozi Franz Geri (Jürgen Heinrich) an, die Bundesregierung um Kanzlerin Carla Reuer (Katja Riemann) unterstützt heimlich Geris separatistischen Kurs, um Schnell zu verhindern. Parallel dazu versucht die Verfassungsschutzagentin Linda Jehnert (Anja Kling) die Demokratie zu retten und zerstört dafür erst mal die Existenz von Rolf Haas (Benno Fürmann).
Wie es das krude Drehbuch will, war der nämlich mal der beste Freund von Schnell, dessen Vertrauen er nun wiedergewinnen soll. Und dann ist da noch Haas Exfreundin Nadine Manz (Marie Bäumer), die bei den Unruhen ihren Sohn verliert und ihre Tochter beinahe auch, nur eine teure OP kann das Augenlicht der Kleinen retten … - lieber Herr Nieszery, glauben Sie jetzt, dass "Die Grenze" nicht Meck-Pomm gefährlich werden kann, sondern nur den Leuten, die sich für viel Geld dieses halbgare, langatmige, klischeegespickte Rührstück mit Thrilleranleihen ausgedacht haben?
15. und 16. März, 20.15 Uhr, Sat 1
Nur einmal wollte sich Claudia Herder ihre Falten wegspritzen lassen. Sie bekommt davon Tumoren. Die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen ist fast unmöglich. von Heike Haarhoff

Egal ob in Ost-, West-, Südeuropa oder in Kaschmir – überall ist es kalt. Verdammt kalt. Für viele Menschen ist das dramatisch und sogar lebensgefährlich. Aber die Kälte bringt auch Schönes und Erfreuliches.

77.000 Deutsche reisen jährlich auf die Malediven. Gerade herrschen Turbulenzen im Inselparadies: Soldaten schlagen Polizisten und die schlagen den Präsidenten. Am Ende geht nicht die Insel, sondern der Präsident unter.

Ob Ei, Mehl, Schuh oder Torte, schon so mancher Politiker wurde in der Vergangenheit Opfer einer Zuschauerattacke. Wer hat was abbekommen?

Einfach nur gebrauchte Computer verkaufen ist ja wohl langweilig. In diesem Laden in Österreich gibt es außerdem Palatschinken, einen schnelldrehenden Flohmarkt und seeeeehr viele Hinweisschilder. Irre!

Leserkommentare
21.03.2010 17:55 | Lunte
sat 1, zweiteiler, geballte ladung an akteuren mit höherem bekanntheitsgrad...das sollte genügen, um die ansprüche flach zu ...
19.03.2010 18:18 | wollfusselknubbelzüchterin
nun, ich zähle mich weder zur cdu- noch zur blöd-zeitungsleserschaft und bin sat1, rtl & co alles andere als zugetan. ...
17.03.2010 21:15 | phil
der film hat nichts mit künstler oder pressefreiheit zu tun. ich als mecklenburger bin zutiefst beleidigt. das ein großes m ...