Mit ihren jüngsten Streichplänen hängt die Deutsche Bahn AG vor allem Sachsen und Thüringen noch weiter ab. Das regt nicht nur die Grünen, sondern auch CDU und FDP auf.von MICHAEL BARTSCH

Für Leipzig ist der Zug abgefahren. Der ICE zwischen Berlin und München hält nur noch alle zwei Stunden. Bild: dpa
DRESDEN taz | In Sachsen und Thüringen regt sich breiter Widerstand gegen die jüngste Streichliste der Deutschen Bahn und ihre Pläne zum Fahrplanwechsel im Dezember. Anlass ist einerseits die Verschiebung längst überfälliger Ausbaumaßnahmen auf den Strecken von Leipzig und Berlin nach Dresden oder auf der so genannten Sachsen-Franken-Magistrale nach Nürnberg.
Aber auch das Angebot von ICE-Zügen von Berlin Richtung München über Leipzig wird halbiert und alle zwei Stunden auf kürzerem Weg über Halle geführt. In Ost-West-Richtung von Frankfurt/Main nach Dresden werden die Bahnhöfe Eisenach und Weimar nur noch im Zweistundentakt bedient.
Grund für die Fahrplanausdünnung sind nach wie vor ungelöste Probleme mit der Neigetechnik, die höhere Kurvengeschwindigkeiten erlauben würde. Erneut müssen ICE-Züge zum Austausch von Radsätzen in die Werkstätten. Diese Probleme hatten bereits auf der kurvenreichen Franken-Magistrale zu Fahrzeitverlängerungen und einem kleinerem Angebot geführt.
Die erneute Verschlechterung der Bahnanbindung hat in Sachsen nicht nur bei den Grünen, sondern auch bei den Regierungsparteien Union und FDP das Fass zum Überlaufen gebracht. "Es darf nicht sein, dass der Freistaat so zum Abstellgleis wird", ließ sich Ministerpräsident Stanislaw Tillich vernehmen. In Dresden schrieben die Mitglieder des so genannten Kulturquartiers, ein Zusammenschluss von Kultur- und Tourismusinstitutionen, einen offenen Brief an Bahnchef Rüdiger Grube.
Auch Thüringens Verkehrsminister Christian Carius (CDU) beklagte die Einschränkungen. Sein Amtskollege Karl-Heinz Daehre (CDU) in Sachsen-Anhalt sieht den neuen ICE-Halt in Halle "mit einem lachenden und einem weinenden Auge", weil der Osten generell eine bessere Bahnanbindung brauche.
Schon 2008 hatte eine Studie des Hamburger Weltwirtschaftsinstituts Chemnitz, Leipzig und Dresden als die am schlechtesten auf der Schiene erreichbaren Großstädte Deutschlands bezeichnet. Das Bundesverkehrsministerium gab im gleichen Jahr das EU-Projekt eines Entwicklungskorridors nach Prag auf.
Auch die Anbindung der Grenzstadt Görlitz hat sich verschlechtert. Geradezu blamabel erscheinen die Verhältnisse auf der Strecke Dresden-Berlin, die von der Dampflok 03 im Jahr 1937 schon einmal in 100 Minuten bewältigt wurde und für die man heute 37 Minuten länger braucht.
In ihrem Videocast fordert Kanzlerin Merkel einen schnellen Ausbau der deutschen Stromnetze. Um den Windstrom von den Norden in den Süden zu schaffen, sind Tausende neue Netzkilometer nötig.

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Leserkommentare
08.04.2010 20:33 | Melanie aus dem Osten - ähm, Thüringen!
Liebe taz-Redakteure, ...
21.03.2010 11:19 | Siggi40
@Joe: „ ... nur Straßenbau versteht (Motto: "Autoland Sachsen") und bei den Zügen spart braucht sich nicht wundern wenn er ...
15.03.2010 17:02 | Raoul
Dann wird es Zeit, die Bahn zu privatisieren, oder? ...