Terroristen aus der Heimat

Das blonde Gift

"Jihad Jane" ist eine durchschnittliche US-Amerikanerin. Im Internet aber unterstützte sie laut FBI den Terror und wollte den Karikaturisten Vilks selber töten. Jetzt steht sie vor Gericht.von DOROTHEA HAHN

Anschlagsziel: Der schwedische Karikaturist Lars Vilks.   Bild:  reuters

WASHINGTON taz | Die eine nannte sich "Jihad Jane", suchte im Internet nach UnterstützerInnen für den bewaffneten Kampf und war angeblich in einen Mordplan gegen einen in Schweden lebenden Karikaturisten verwickelt. Die andere chattete auf jihadistischen Webseiten, verhüllte im vergangenen Jahr ihren blondes Haar und verschwand im Herbst mit Sohn in Richtung Irland.

Die 46-jährige "Jihad Jane" befindet sich schon seit vergangenem Herbst in US-Haft. Doch erst in der vergangenen Woche haben die Ermittler die Öffentlichkeit informiert. Gleichzeitig wurde in Irland eine siebenköpfige Gruppe festgenommen - darunter eine 31-jährige Mutter. Sie blieb drei Tage in Polizeihaft. Dann wurde sie ohne jede Auflage freigelassen.

Ob die beiden Frauen sich in der realen oder der virtuellen Welt je begegnet sind, ist unklar. Fest steht, daß sie jetzt nebeneinander auf den Titelseiten der US-Medien zu sehen sind. Colleen LaRose alias "Jihad Jane" aus der Ostküstenstadt Philadelphia und Jamie Paulin-Ramírez aus der Nähe von Denver in dem 1.500 Kilometer weiter westlich gelegenen Colorado. Mit Fotos und vollem Namen. Sowie mit Interviews von Freunden und Verwandten, die Details aus ihren Privatleben erzählen.

Dabei entsteht ein Bild von zwei Durchschnitts-Frauen aus der Mitte der Gesellschaft. Beide sind geschieden. Die ältere ist Hausfrau, die jüngere hat einen Job als Arzthelferin und einen sechsjährigen Sohn. Beide verbringen viel Zeit am Computer. Sie sollen sich den Jihadisten über "soziale Netzwerke" angenähert haben, sagen die Ermittler.

Die Sunday Times will herausgefunden haben, daß sich beide Frauen langweilten. Die Zeitung zitiert eine Internetbotschaft, in der die spätere "Jihad Jane" geklagt habe: "Ich langweile mich so sehr, daß ich schreien möchte." Die jüngere Frau aus Colorado, so findet das Wall Street Journal bei ihrer Mutter heraus, habe sich "nie selbst akzeptiert", und habe "immer nach Etwas gesucht". Anstatt "einen Liebhaber zu nehmen, oder Prozac" so analysiert die Sunday Times, hätten "beide Frauen entschieden, daß die Antwort bei dem radikal islamistischen Jihad liege".

Diskret gingen sie dabei nicht vor. "Jihad Jane" hat in Chatrooms im Internet ihre Sympathien zu Jihadisten in das weltweite Netz hinausposaunt. Sie soll auch im Internet ihre Bereitschaft erklärt haben, einen "Mann aus Südostasien" - womit vermutlich Pakistan gemeint ist - zu heiraten, um ihm Zugang zu den USA zu verschafffen. Ebenfalls im Internet soll sie diesem Mann geschrieben haben: es sei ihr "eine große Ehre und ein Vergnügen, zu sterben oder zu töten". Über die jüngere Frau sagt ihr Stiefvater, dass sie im Internet Kontakt zu einem Mann gefunden habe, der zu einem "Pilotenkurs" in die USA habe einreisen wollen.

"Jihad Jane", die von ihrem us-amerikanischen Ex-Freund als naiv beschrieben wird, soll bei ihrer islamistischen Radikalisierung ihr nordisches Aussehen und ihren US-Pass zur Tarnung benutzt und versucht haben, weitere Frauen mit ähnlichem Profil anzuwerben. Im vergangenen Jahr soll sie nach Europa - dabei auch nach Irland - gereist sein. Ziel der Reise sei es gewesen, den in Schweden unter Polizeischutz lebenden Karikaturisten Lars Vilks zu ermorden. Seit er den Propheten Mohamed mit einem Hundekörper gezeichnet hat, muß er wegen Todesdrohungen von der Polizei beschützt werden.

Der Mord an Vilks fand nicht statt. Bei ihrer Rückkehr in die USA spazierte "Jihad Jane" im vergangenen Oktober direkt in die Arme ihrer Ermittler. Möglicherweise haben ihre Aussaugen zu den sieben Festnahmen Mitte letzter Woche in Irland geführt. Die Festgenommenen sind zwischen 20 und 40 und stammen aus Algerien, Kroatien, Palästina, Libyen und den USA. Vier von ihnen sind inzwischen wieder auf freiem Fuß.

Seit einem Jahr befasst sich das FBI intensiver mit hausgemachten Terroristen aus den USA. Im Mai 2009 werden vier konvertierte Muslime verhaftet, die Attentatspläne gegen Synagogen in der Bronx und gegen eine Militärbasis haben sollen. Im Juni schießt der US-Bürger Abdulhakim Mujahid Muhammad auf zwei US-Soldaten bei einer Militärübung in Little Rock in Arkansas. Im Oktober wird David Headley verhaftet, der verdächtig ist, Terroranschläge in Dänemark zu planen und an den Attentaten in Bombai im November 2008 mitgewirkt zu haben. Im November erschießt der Armeepsychiater Nidal Malik Hasan - in einem von den Ermittlern nicht als terroristisch eingestuften Akt - 13 Personen auf einer Basis in Fort Hood, in Texas.

Hinzu kommen US-Bürger, die im Ausland in terroristischer Mission unterwegs sind. Darunter der im März in Jemen gefangen genommene 26-jährige Sharif Mobley aus New Jersey. Bei einem Fluchtversuch erschießt der als Al-Qaida-Mitglied Verdächtige einen Wächter. In den USA hat er zuvor in verschiedenen AKWs gearbeitet - nach Angaben der US-Ermittler freilich nicht in sensiblen Bereichen.

Im Vergleich nehmen sich die Geschichte von "Jihad Jane" und der Frau aus Denver relativ harmlos aus. "Jihad Jane" hat in Philadelphia in dieser Woche ihren ersten Gerichtstermin. Den Ermittlern hat sie gesagt, daß ihr blondes Haar und ihre hellen Augen ihr helfen sollten, in der westlichen Gesellschaft unterzutauchen. Sie riskiert eine hohe Gefängnisstrafe.

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