Direktorin gegen Teilschließung. Speicherstadtmuseum vorerst gerettet.von Petra Schellen

Arbeit zum Anfassen: Hafenmuseum Hamburg. Bild: dpa
"Das Hafenmuseum wird nicht geschlossen. Dafür kämpfe ich." Selbstbewusst kommentiert Kirsten Baumann, Direktorin des Museums der Arbeit, Pläne, die jüngst durchgesickert waren: das Hafenmuseum - eine Außenstelle des Museums der Arbeit - während des Sommers zu schließen. Das erbringe zwar 80.000 Euro, stehe aber in keinem Verhältnis zum Imageverlust. "Wenigstens am Wochenende", sagte Baumann am Freitag, "wollen wir das Museum öffnen. Da bin ich mir mit trotz aller Sparvorgaben mit Kultursenatorin Karin von Welck einig."
Diese markigen Worte dürften ihrem Museumskurator Jürgen Bönig gefallen, der als Ver.di-Mitglied jüngst einen provokanten Vorschlag lanciert hatte: Man solle die Umwandlung der Hamburger Museen in Stiftungen zurücknehmen, da sie pro Haus jährlich 100.000 Euro koste. "Dem stehen keine Vorteile entgegen", so Bönig, denn Entscheidungsfreiheit herrsche kaum. Und die Forderung an die vier stadthistorischen Museen - Altonaer Museum, Museum der Arbeit, Helms-Museum und Museum für Hamburgische Geschichte -, gleichzeitig das eigene Haus zu stärken und ein gemeinsames Profil zu erarbeiten, sei utopisch. "Nicht, solange es keine Bestandsgarantie für die Häuser gibt." Da könne man die Museen genauso gut wieder in der Kulturbehörde ansiedeln.
Das sieht Baumann anders. Sie plädiert, wie Karin von Welck (parteilos), für den Erhalt der Selbstständigkeit, der ein gewisses Quantum eigenen Wirtschaftens erlaubt. Dass die Stiftungen stets unterfinanziert waren und so immer neue Defizite anhäufen, ist ihr klar. Aber sie ist entschlossen, die finanziellen und strukturellen Probleme gemeinsam mit den anderen Direktoren zu lösen, statt in den Mutterschoß der Behörde zurückzukriechen. Dort hält man sich jedoch bedeckt. Offizielle Bestandsgarantien für die Museen jedenfalls gab die Senatorin auch am Freitag nicht: Sie könne "nicht hellsehen", ließ sie mitteilen, werde sich aber während ihrer Amtszeit "wie gehabt für dieses kulturelle Erbe und die entsprechenden Häuser einsetzen".
Das gilt allerdings nicht für das Speicherstadt-Museum. Denn das kleine Museum, das dem Museum der Arbeit organisatorisch angegliedert ist, wird vom Privatier Henning Rademacher betrieben und ist nicht der Kulturbehörde unterstellt. Das Museum residiert in einem alten Speichergebäude, wo die HHLA es mietfrei wohnen lässt.
Ende Juli muss Rademacher allerdings ausziehen: Die HHLA will die Räume renovieren und lukrativ vermarkten. Für zwei Jahre soll das Museum daher im nahen Block L residieren, der großteils aus Nachkriegsbauten besteht. Schon waren Klagen über den Verlust des museumstypischen Flairs laut geworden, doch die sind jetzt zerstreut. Er habe, sagte Rademacher, die Räume nochmals besichtigt und bemerkt, dass sie Stahlkonstruktionen von 1887 enthielten. "Anders als die Nebengebäude ist dieser Bereich während des Zweiten Weltkriegs also nicht zerstört worden", so Rademacher. Das atmosphärische Problem scheint damit gelöst, das finanzielle vorerst auch: Für die nächsten zwei Jahre wird die HHLA auch diese Räume mietfrei überlassen; für den museumsgerechten Umbau kommt Rademacher auf.
Der Fokus der Schau wird sich allerdings ändern: Da die Interims-Räume nur halb so groß sind wie die jetzigen, kann er keine großen Geräte zeigen. Anstelle des "Arbeitslebens zum Anfassen" wird er also in den nächsten zwei Jahren die Geschichte der Speicherstadt zeigen.
Kein Drama, findet Rademacher, und auch um die Zukunft sorgt er sich nicht. Denn als Dauerlösung hat die HHLA bereits ein Refugium in neueren Räumen von Block L angeboten. Dort soll, so HHLA-Sprecher Florian Marten, ein "Kultur- und Gewerbespeicher" entstehen, in den auch das Speicherstadtmuseum einziehen könnte. Zu welchen Bedingungen verriet Marten am Freitag nicht. Die HHLA sei aber am Erhalt des Museums interessiert und werde "in Form bestimmter Grundkosten" einen Beitrag leisten.
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