Bei der Treberhilfe überstürzen sich die Ereignisse: Mitarbeiter fordern Chef öffentlich zum Rücktritt auf. Der lässt einen kritischen Aufsichtrat rauswerfen. Ex-Senatorin tritt aus dem Kontrollgremium aus. Sozialsenatorin stellt Strafanzeige.von Kathleen Fietz
Der Chef der Treberhilfe bekommt nun auch heftig Kritik aus dem eigenen Haus. "Wir sind nicht bereit, die weitere Diskreditierung unserer Arbeit zuzulassen", heißt es in einem am Freitag verbreiteten Schreiben, das rund 100 der insgesamt 280 Beschäftigten unterzeichneten. Ihr Anliegen sei es, die Arbeit der Treberhilfe fortzusetzen. Deshalb müsse ihr Chef Harald Ehlert zurücktreten. Unterstützt werden sie dabei von Sozialsenatorin Carola Bluhm (Die Linke). "Wir wollen eine Auffanggesellschaft", erklärte sie am Freitag.
Die gemeinnützige Treberhilfe war in die Kritik geraten, weil ihr Chef einen Maserti als Dienstwagen hatte. Mittlerweile steht Ehlert völlig isoliert da: Nach dem Partitätischen Wohlfahrtsverband will nun auch die Diakonie seine Hilfsorganisation ausschließen. "Wir stellen infrage, ob die Treberhilfe überhaupt noch ein gemeinnütziges Unternehmen ist und im Sinne der Satzung der Diakonie arbeitet", sagte eine Diakonie-Sprecherin am Freitag. Über einen Ausschluss der Treberhilfe könne aber erst die Mitgliederversammlung im Sommer entscheiden.
Die Treberhilfe-Affäre hatte am Donnerstag mit dem Rauswurf des Aufsichtsratschefs Thomas Dane einen neuen Höhepunkt erreicht. Ex-Sozialsenatorin Heidi Knake-Werner (Linke) reagierte am Freitag und legte ihren Posten als Aufsichtsrätin nieder. Abberufen wurde Dane von Treberhilfechef Ehlert und den beiden anderen Aufsichtsratmitgliedern Christian Jäger und Carsten Lobbedey - die gleichzeitig den Vorstand des Treberhilfevereins bilden.
Blockierte Kontrolleure
Der Aufsichtsrat war erst vor zwei Wochen zur Aufklärung gegründet worden und hatte eine Prüfung der Geschäftstätigkeit eingeleitet. Presseberichten zufolge war dabei zutage getreten, dass Ehlert ein Monatsgehalt von 35.000 Euro beziehe.
Dane und Knake-Werner wollten, dass der Aufsichtsrat Ehlert zum Rücktritt aus allen Ämtern auffordert. Doch das wurde von den beiden anderen Aufsichtsratsmitgliedern blockiert. Deshalb ist Ehlert noch im Amt. In einer Presseerklärung der Treberhilfe heißt es nun, mit Danes Entlassung sei der "Versuch einer feindlichen Übernahme" vereitelt worden. Man hoffe nun auf die Unterstützung des Senats bei der Aufklärung der Vorgänge.
Damit ist kaum zu rechnen. Sozialsenatorin Bluhm hat am Freitag die bereits angekündigte Strafanzeige wegen Verdachts auf Veruntreuung öffentlicher Gelder gestellt.
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