Die Räume des Obdachlosenmagazins "Querkopf" werden beschmiert - zum vierten Mal, klagt ein Redakteur.von ALEXANDER BÖTTNER

Rechtsextreme Graffiti am Querkopf-Büro Bild: Alexander Böttner
Mit rechten Schmierereien wurde das Redaktionsbüro der Obdachlosenzeitung Querkopf beschmutzt. Wohl in der Nacht zum Dienstag schrieben die Täter unter anderem die Adresse der Internetseite des "Nationalen Widerstands" aus Berlin auf die Außenwand des Gebäudes in Kreuzberg. Der "Nationale Widerstand" ist eine neonationalsozialistische Kameradschaft.
Der Querkopf ist eine Berliner und Kölner Arbeits- und Obdachlosenzeitung. Sie dient der Selbsthilfe von Arbeits- und Obdachlosen, die die Zeitung verkaufen und an den Einnahmen beteiligt werden. Die monatlich erscheinende Zeitung hat eine linke Ausrichtung. Seit Ende November waren linke Einrichtungen immer wieder Ziel von Vandalismus, vor allem in Neukölln.
Auch der Querkopf sei bereits zum vierten Mal innerhalb eines Jahres angegriffen geworden, sagt Redakteur Werner Schneidewind. Er vermutet in allen Fällen Rechtsradikale hinter den Anschlägen. "Die Taten tragen immer die gleiche Handschrift. Sie schmieren was an die Hauswand und entfernen linke Aufkleber." In der Vergangenheit sei auch des Öfteren versucht worden einzubrechen. Tatsächlich zeugt die kaputte Scheibe der Eingangstür von einem früheren Übergriff. "Die Polizei vermutet, die Täter kommen aus dem rechtsradikalen Milieu", so Schneidewind, "aber bisher konnten sie noch niemanden ermitteln." Sorge bereite den Mitarbeitern der Zeitung vor allem, wie lange der Vermieter nach diesen Vorfällen das Büro noch dulden würde.
Der Nationale Widerstand hatte 2009 in seinem Internetforum eine Liste mit linken Einrichtungen in Berlin veröffentlicht, zusammen mit dem Aufruf "Nachbarschaftsgeschenke" zu verteilen. Derzeit versuchen die Neonazis dort ihre Anhänger für eine rechtsextreme Demonstration am 1. Mai zu mobilisieren.
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