Die weltweit größte Untersuchung am Airport Köln/Bonn zeigt: Je stärker und häufiger Menschen Fluglärm ausgesetzt sind, desto größer ist das Risiko von Herz- und Kreislauferkrankungen.von RICHARD ROTHER

Keine gute Idee: nahe am Flughafen ein Haus kaufen. Bild: ap
BERLIN taz | Fluglärm macht krank, vor allem wenn er nachts auftritt. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie des Umweltbundesamtes, die die Wissenschaftler Eberhard Greiser und Claudia Greiser anhand von Daten aus dem Umfeld des Flughafens Köln/Bonn erstellt haben. Demnach steigt das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen der Anwohner mit zunehmender Lärmbelastung deutlich an; lärmgeplagte Frauen haben zudem ein höheres Risiko, an Depressionen zu erkranken, als Frauen, die dem Krach von Flugzeugen nicht ausgesetzt sind.
Für die Studie – nach Angaben der Autoren die weltweit umfangreichste ihrer Art – haben die Forscher die Daten von mehr als 1,02 Millionen Versicherten gesetzlicher Krankenkassen ausgewertet, die in der erweiterten Flughafenregion wohnen (Stadt Köln, Rhein-Sieg-Kreis, Bergischer Kreis). Damit haben die Forscher mehr als die Hälfte aller Bewohner der Region erfasst; das Ergebnis kann also als repräsentativ gelten. Verglichen wurde nun, ob Bewohner in der Nähe des Flughafens in den vergangenen Jahren häufiger wegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder psychischer Erkrankungen stationär behandelt werden mussten als Bewohner, die keinem Fluglärm ausgesetzt sind. Betrachtet wurden nur Menschen, die älter als 40 Jahre sind. In die Untersuchung flossen auch Daten über die Sozialstruktur der Quartiere ein. Das ist wichtig, da viele Erkrankungen mehrere Ursachen haben können.
Dennoch sind die Befunde eindeutig: "Die Ergebnisse zeigen für Herz- und Kreislauferkrankungen einen linearen Anstieg des Erkrankungsrisikos bei beiden Geschlechtern von niedrigen Dauerschallpegeln an", heißt es in der Studie. Mit anderen Worten: Je lauter und häufiger Flugzeuge lärmen, umso größer ist das Krankheitsrisiko. Lediglich beim akuten Herzinfarkt ergab sich laut Studie keine durch Fluglärm beeinflusste Risikoerhöhung. Uneinheitlich sind die Ergebnisse bei den psychischen Erkrankungen. Für Angststörungen und Phobien zeigten sich keine erhöhten Risiken. Dagegen finden sich deutlich erhöhte Risiken für Frauen, durch Fluglärm depressiv zu werden; dies trifft jedoch nicht auf Männer zu.
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