Beim 0:1 gegen Arminia Bielefeld bleibt der FC St. Pauli zum dritten Mal in Folge ohne eigenes Tor und rutscht auf den dritten Platz ab. Von der einstigen Spielfreude war am Sonntag nur eine Halbzeit etwas zu sehen.von Marco Carini

Hatte keinen netten Sonntagnachmittag: St. Paulis Trainer Holger Stanislawski nach der Niederlage gegen Arminia Bielefeld. Bild: dpa
HAMBURG taz | Der Kopf blockiert, Blei in den Beinen - der FC. St. Pauli, in der Hinrunde noch die Tormaschine des bezahlten Fußballs, trifft nicht mehr. Nach drei Partien ohne eigenen Treffer rutschten die Hamburger am Sonntag nach einer Niederlage gegen Bielefeld zum ersten Mal seit zehn Spieltagen von Tabellenplatz zwei, den sie vor der Winterpause eben der Arminia aus Bielefeld abgenommen hatten.
Mutiger One-Touch-Fußball, Kombinationswirbel im gegnerischen Strafraum - das war einmal. Seit die Hamburger, die ohne Aufstiegsambitionen in die laufende Saison starteten, realisiert haben, dass der Sprung in die erste Liga ganz nah ist, macht sich am Millerntor Verkrampfung breit. Da hilft es auch nichts, dass Trainer Holger Stanislawski das Wort Aufstieg meidet wie der Teufel das Weihwasser, um Druck von seinem Team zu nehmen - seit der große Traum zum Greifen nahe ist, essen Angst Seele auf. Der Beginn der Zielgeraden markiert für den Hamburger Zweitligisten das Ende der Leichtigkeit.
An keinem anderen wird das so deutlich, wie an Spielgestalter Charles Takyi. Der zentrale Kreativspieler der Hamburger steckt seit Wochen in der Krise. Auch gegen die Verfolger aus Bielefeld misslang Takyi gleich die erste Ballannahme, leitete sein erster Passversuch einen Konter der Arminia ein. Erst kurz vor seiner Auswechslung nach gut einer Stunde fand der in Ghana geborene Mittelfeldakteur ins Spiel - zu spät um auf die Partie noch Einfluss zu nehmen.
Doch es lag nicht allein an Takyi, dass die Hamburger die sechste Saisonniederlage kassierten. Ohne Mut zum Risiko und ohne Überraschungsmomente liefen sich die Kiez-Kicker immer wieder an der massiert stehenden Bielefelder Deckung fest. Als Kruse kurz vor der Halbzeit die erste Mini-Chance besaß, lag sein Team bereits 0:1 zurück. Viermal hatten die Bielefelder zuvor über die linke Hamburger Seite schnelle und gefährliche Konter vorgetragen, den vierten Anlauf verwandelte Federico (31.).
Zu spät wachten die Hamburger auf. In der zweiten Halbzeit spielte der FC St. Pauli seinen Gegner zeitweilig an die Wand, entwickelte, so Stanislawski "wahnsinnig viel Druck" und kam zu "unheimlich vielen Chancen". Doch entweder misslang der finale Pass oder der Bielefelder Torhüter Eilhoff mochte nicht aus dem Weg treten.
Verdient hätten die Hamburger den Ausgleich gehabt, nachdem der eingewechselte Sukuta-Pasu fünf Minuten vor dem Spielende im Strafraum elfmeterreif von den Beinen geholt wurde, Schiedsrichter Schmidt den Tatort aber außerhalb der 16-Meter-Zone sah. So blieb es Florian Lechner vorbehalten, den unrühmlichen Schlusspunkt zu setzen und sich für ein Frust-Foul die gelb-rote Karte abzuholen.
"Ich bin davon überzeugt, dass wir zurückkommen", verbreitet Stanislawski Hoffnung, wohl wissend, dass der Traum vom Aufstieg nur Wirklichkeit wird, wenn er es schafft, die Versagensängste aus den Köpfen seiner Spieler zu bekommen. Stanislawski flüchtete sich in Sarkasmus. "Wir haben genug Punkte gesammelt um nicht mehr abzusteigen und so bin ich guten Mutes, dass wir auch kommende Saison wieder in der zweiten Liga spielen", ätzte der Coach.
Kehrt die unbefangene Spielfreude nicht bald zurück ans Millerntor, könnte Stanislawski Recht behalten.
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Leserkommentare
03.03.2010 12:22 | Urgestein
Im Grunde ist die Situation mit derjenigen zum gleichen Zeitpunkt in der Hinrunde vergleichbar. Ende September verlor St. P ...
02.03.2010 12:52 | Rechthaber
"Seit die Hamburger, die ohne Aufstiegsambitionen in die laufende Saison starteten, realisiert haben, dass der Sprung in di ...
28.02.2010 19:48 | Hans Müller
Wieso soll es dem FC St. Pauli besser gehen als anderen Mannschaften? Es ist doch normal, das man nicht immer gewinnt. Auße ...